Ab in den Urlaub – die Reiseapotheke für Baby und Kind

23. September 2020
16 Min.

Egal, ob Flugreise oder Wochenend-Trip: Die Reiseapotheke gehört in jeden Koffer – insbesondere, wenn Babys oder Kinder mitkommen. Abhängig vom Urlaubsziel variiert der Inhalt. Welche Medikamente dabei sinnvoll sind, verrät der Kinderarzt. Neben der Reiseapotheke sollten sich Erziehungsberechtigte auch immer rechtzeitig über Impfungen informieren, damit gegebenenfalls noch ausreichend Zeit für eine Schutzimpfung bleibt.

Nach einem Unfall in den Bergen wird einem Kind ein Verband aus der Reiseapotheke um das Knie gebunden.


Überblick:

Checkliste zum Download: Das darf in der Reiseapotheke nicht fehlen

Die Vorbereitung einer Reise nach Österreich bedarf wohl weniger Aufwand als nach Südostasien. Während Eltern im Nachbarland mit Apothekern sowie Ärzten problemlos kommunizieren und die Packungsbeilagen von dort gekauften Medikamenten verstehen können, sieht die Situation in einigen fernen Ländern schon anders aus. Wer also vermeiden möchte, in Indonesien auf Apothekensuche zu gehen, der packt am besten schon zu Hause alle wichtigen Mittel ein. Folgende Bestandteile einer Reiseapotheke für Baby und Kind haben sich bewährt:

Grundausstattung:

  • Fieberthermometer
  • Sonnenschutz
  • Insektenschutz
  • kühlende Kompresse
  • Pinzette
  • Einmalhandschuhe
  • Verbandschere
  • Kirschkernkissen
  • bei Flugreisen: Gehörschutz

Medikamente gegen:

  • Durchfall
  • Erbrechen/Übelkeit
  • Schnupfen
  • Schmerzen/Fieber
  • Halsschmerzen
  • Husten
  • Augenentzündung
  • bei Bedarf: Dauermedikation

Für Babys zusätzlich:

  • Windelbalsam
  • Beißring/Zahnungshilfen
  • Bäuchleinöl
  • Entschäumer
  • Kümmelzäpfchen

Erste-Hilfe bei Verletzungen:

  • Desinfektionsspray
  • Wund- und Heilsalbe
  • sterile Kompressen
  • Verbandmaterial
  • Verbandklammern oder starkes Pflaster
  • Pflaster für Kinder

Nicht vergessen:

  • Impfpass
  • Auslandskrankenversicherung

Mit Baby und Kind unterwegs: Die Grundausstattung der Reiseapotheke

Wie bei der Hausapotheke gibt es auch bei der Reiseapotheke für Babys und Kinder eine Grundausstattung, die unterwegs nicht fehlen darf. Dazu zählen:

  • Fieberthermometer: Ein normales Thermometer ist einem Ohrenthermometer vorzuziehen. Das spart nicht nur Platz im Reisekoffer, sondern ist auch genauer. Denn die im Ohr gemessene Temperatur beträgt etwa 0,3 bis 0,5 Grad Celsius weniger als der rektale Wert.1
  • Sonnenschutz: Egal, ob es in die Berge oder an den Strand geht – eine Sonnencreme mit mindestens Lichtschutzfaktor 30 darf in keiner Reiseapotheke fehlen.2 Das Kind möchte sich nur ungern eincremen lassen? Spezielle UV-Kleidung schützt größere Körperpartien wie Oberkörper und Beine. So müssen nur noch die sichtbaren Regionen wie Hände, Füße, Gesicht, Hals und Nacken eingecremt werden.
  • Insektenschutz: Einige Repellents (Insektenabwehrmittel) sind auch für Kinder zugelassen. Der Wirkstoff EBAAP (Ethylbutylacetylaminopropionat) beispielsweise kommt sogar schon für Babys ab zwei Monaten infrage.3 Lesen Sie dafür unbedingt die Altersempfehlung auf der Produktverpackung. Eltern sollten vor allem bei Fernreisen einen Blick auf die Webseite des Auswärtigen Amts werfen. Dort lassen sich Informationen zu gesundheitlichen Risiken durch Insekten finden. Je nachdem, wohin die Reise geht, empfiehlt sich zudem rechtzeitig vor Abreise ein Besuch beim Kinderarzt. Dieser kann einschätzen, ob etwa eine Zeckenimpfung erforderlich ist.
  • Kühlende Kompresse: Für gewöhnlich befindet sich in jedem Hotelzimmer ein kleiner Kühlschrank. Darin lassen sich hervorragend Kompressen aufbewahren, die bei leichten Prellungen zum Einsatz kommen. Wichtig: Die Kompresse nicht direkt auf die empfindliche Kinderhaut legen, sondern immer erst in ein Tuch wickeln.
  • Pinzette: Damit lassen sich zum Beispiel Holzsplitter herausziehen. Ist die Pinzette nicht zu flach, können mit ihr auch Zecken entfernt werden. Ansonsten ist die Anschaffung einer speziellen Zeckenpinzette oder einer Zeckenkarte sinnvoll.
  • Einmalhandschuhe: Bei der Versorgung von Wunden sind saubere Hände Pflicht. Einmalhandschuhe kommen dann zum Einsatz, wenn einmal nicht die Möglichkeit besteht, sich vor dem Verarzten die Hände zu waschen.
  • Verbandschere: Eine spezielle Verbandschere eignet sich ideal für das Schneiden von Verbandmaterial und sollte deshalb in keiner Reiseapotheke fehlen.
  • Kirschkernkissen: Bei Magenschmerzen oder anderen Verdauungsproblemen schafft ein aufgewärmtes Kirschkernkissen Linderung. Eltern können einfach einen Mitarbeiter an der Hotelrezeption bitten, das Kissen kurz in der Mikrowelle zu erwärmen. Vorsicht: Das Kirschkernkissen – oder für Säuglinge das leichtere Traubenkernkissen – nicht direkt auf die Haut legen, sondern immer Stoff, wie etwa den eines T-Shirts, dazwischen lassen.

Im Flugzeug:

Flugreisen sind für Babys sehr aufregend – unter anderem wegen der vielen lauten Geräusche. Um Babys empfindliche Ohren zu schützen, gibt es speziellen Gehörschutz für Kinder jeden Alters. Damit sich der Schützling an die in der Regel sehr großen Kopfhörer gewöhnt, können Eltern bereits ein paar Tage vor Abreise das Kind mit dem Gehörschutz vertraut machen und es die Kopfhörer täglich für ein paar Minuten tragen lassen. Wichtig bei Säuglingen: Der Kopfbügel sollte sehr weich sein, um die noch empfindliche Schädeldecke zu schützen. Viele Hersteller bieten Gehörschutz für Babys mit einem weichen Stirnband statt einem festen Kopfbügel an, sodass es die Kleinen auch beim Schlafen bequem haben.

Medikamente in der Reiseapotheke

Je exotischer das Reiseland, desto durchdachter muss die Reiseapotheke für Babys und Kinder ausfallen. Das bedeutet: Medikamente gegen die gängigsten Beschwerden samt Beipackzettel mitnehmen – und das in ausreichender Menge. So vermeiden Eltern die Suche nach einer Apotheke (nicht überall ist die Dichte an Apotheken so groß wie in Deutschland) und vielleicht auch die Sprachbarriere beim Erklären des Notfalls. Es empfiehlt sich, Mittel gegen folgende Beschwerden dabeizuhaben:

  • Durchfall (Diarrhoe): Mangelnde Hygiene, etwa bei der Essenszubereitung, ist der Grund, warum die Reisediarrhoe als häufigste Erkrankung auf Fernreisen gilt. In rund 90 Prozent der Fälle vergeht der Durchfall von selbst – die Dauer ist allerdings unterschiedlich lang.4 Für gewöhnlich genügt es, mit Elektrolytlösungen aus der Apotheke den verlorenen Salzgehalt im Körper wieder auszugleichen. Laut einer Studie soll Apfelsaft einen ähnlichen Effekt aufweisen.5 Dieser wird von Kindern deutlich besser angenommen. Zudem sollten Eltern darauf achten, dass die Kleinen ausreichend (sauberes) Trinkwasser zu sich nehmen – mindestens die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) empfohlene Menge. Demnach benötigt beispielsweise ein Kind im Alter von 1 bis 4 Jahren 820 Milliliter Flüssigkeit nur in Form von Getränken. Hinzu kommen 350 Milliliter Wasser über feste Nahrung.6 Reisen Familien in Länder mit besonders niedrigen Hygienestandards oder besteht vor Ort kein schneller Zugang zu einem Arzt, macht es gegebenenfalls Sinn, mit dem Kinderarzt die Mitnahme eines Antibiotikums für den Notfall zu besprechen.
  • Erbrechen/Übelkeit: Nach Absprache mit einem Arzt kann beispielsweise ein Präparat mit dem Wirkstoff Dimenhydrinat Teil der Reiseapotheke für Babys und Kinder sein. Dimenhydrinat blockiert Rezeptoren unter anderem für den Botenstoff Histamin, der an der Entstehung von Übelkeit und Erbrechen beteiligt ist.
  • Schnupfen: Eine Kochsalzlösung wirkt bei Schnupfen abschwellend auf die Nasenschleimhaut. Es gibt sie entweder in Form von Nasentropfen und -sprays oder aber in Pipetten. Letztere sind vor allem auf Reisen praktisch, da nur eine kleine Menge aufgebrochen wird und der Rest nach Anwendung entsorgt werden kann.
  • Schmerzen/Fieber: Es gibt Zäpfchen oder Saft zum Beispiel mit dem Wirkstoff Paracetamol. Die Mittel kommen nicht nur bei starken Schmerzen – etwa in Verbindung mit dem Zahnen – zum Einsatz, sondern auch bei Fieber aufgrund eines Infekts.
  • Halsschmerzen: In warmen Ländern oder auch in Transportmitteln wie Flugzeug und Bahn laufen Klimaanlagen meist auf Hochtouren. Die kalte Luft ist trocken, wodurch auch die Schleimhäute im Rachenraum trocken und gereizt werden. Als Folge treten oft Halsschmerzen auf. Wohltuende Lutschtabletten für Kinder mit einem fruchtigen Geschmack regen die Speichelproduktion an und befeuchten auf diese Weise die Schleimhäute.
  • Husten: Leidet das Kind im Urlaub unter produktivem Husten (mit Auswurf) im Rahmen einer Erkältung, macht die Gabe eines schleimlösenden Hustensafts Sinn, um den Abtransport des Sekrets zu unterstützen.
  • Augenentzündung: Da Babys und Kinder häufig unter einer Bindehautentzündung leiden, ist es ratsam, entsprechende Augentropfen im Reisekoffer mitzuführen.7 Lassen Sie sich von Ihrem Kinderarzt beraten, welches Präparat am besten für Ihren Schützling geeignet ist.

Nicht vergessen:

Neben den allgemeinen Medikamenten dürfen individuelle Präparate nicht fehlen. Dazu zählen Mittel zur Dauermedikation etwa bei Neurodermitis oder Asthma. Außerdem ist nach Absprache mit dem Kinderarzt das Mitführen eines Notfall-Medikaments bei Allergien des Kindes empfehlenswert.

Ergänzung für die Kleinsten: Reiseapotheke für Babys

Säuglinge haben andere Wehwehchen als größere Kinder. Deswegen macht es Sinn, die Reiseapotheke für Babys um ein paar Mittel zu ergänzen:

  • Windelbalsam: Wenn die Kleinen während der An- und Abreise viel sitzen oder liegen, staut sich die Nässe in der Windel, sodass der Po schnell rot und wund wird. Ein Windelbalsam mit pflegenden Komponenten wie Aloe-Vera, Bienenwachs oder Sheabutter kann diesen empfindlichen Bereich vor Reizungen schützen.
  • Beißring/Zahnungshilfen: Ob Beißring, Zahnungsgel oder homöopathische Mittel – je nachdem, welche Zahnungshilfen sich bisher bei Ihrem Kind als hilfreich erwiesen haben, sollten auch diese in der Reiseapotheke nicht fehlen.
  • Bäuchleinöl: Ein wohltuendes Öl – beispielsweise aus Mandel oder Kümmel – kommt immer dann zum Einsatz, wenn das Baby mit Blähungen kämpft. Eine kurze Massage im Uhrzeigersinn um den Bauchnabel herum (die Richtung des Darms), regt die Verdauung wieder an und kann die Beschwerden lindern.
  • Entschäumer: Lässt sich das Baby aufgrund von schlimmen Blähungen nicht beruhigen, ist es hilfreich, einen sogenannten Entschäumer mitzuführen. Die enthaltenen Wirkstoffe, wie zum Beispiel Simeticon, können dabei unterstützten, dass sich die Luftbläschen im Bauch auflösen und die Gase entweichen.
  • Kümmelzäpfchen: Eine weitere Möglichkeit, um Babys Bauchschmerzen zu lindern, sind Kümmelzäpfchen aus der Apotheke. Kümmel fördert die Verdauung und wirkt krampflösend.

Letztendlich sollten Eltern einfach jene Hilfsmittel in die Reiseapotheke einpacken, die auch zu Hause zum Einsatz kommen und dem Baby helfen.

Erste Hilfe bei Verletzungen

Besonders im Urlaub sind kleine und große Unfälle keine Seltenheit. Viel Bewegung und eine spannende, ungewohnte Umgebung verleiten die Kleinen zum Toben und Entdecken. Aufgeschürfte Knie und Kratzer sind dann schnell passiert. Mit ein paar wenigen Utensilien lassen sich diese verarzten:

  • Desinfektionsspray: Im ersten Schritt wird die Wunde unter lauwarmem Wasser gereinigt. Nachdem sie trocken ist, folgt die Desinfektion mit einem schmerzfreien Desinfektionsspray, um das Eindringen von Erregern und damit eine Entzündung zu vermeiden.
  • Wund- und Heilsalbe: Für die Unterstützung der Wundheilung cremen Eltern die verletzte Stelle mit einer speziellen Wund- und Heilsalbe ein.
  • Sterile Kompressen: Größere Wunden werden anschließend mit einer sterilen Kompresse bedeckt und auf diese Weise vor Schmutz geschützt.
  • Verbandmaterial: Die Kompresse hält am besten, indem sie mit einem Verband umwickelt wird.
  • Verbandklammern oder starkes Pflaster: Bei kleineren Kindern reicht ein starkes Pflaster, damit der Verband hält. Bei den Großen darf auch eine Verbandklammer zum Einsatz kommen.
  • Pflaster für Kinder: Kleinere Wunden und Kratzer werden mit bunten Kinderpflastern vor Schmutz geschützt.

Tipp:

Ablenkung ist eine gute Methode, um das Baby oder Kind den Schmerz vergessen zu lassen. Während bei den Kleinsten häufig ein Spielzeug ausreicht, können Eltern größere Kinder in die Wundbehandlung einbeziehen. Am besten erklären Sie dem Schützling, welcher Schritt gerade ansteht und lassen ihn beispielsweise schon mal das Pflastermotiv aussuchen.

Hinweise zur Aufbewahrung der Reiseapotheke

Alle Medikamente und Utensilien der Reiseapotheke für Babys und Kinder sollten in einer einzigen Tasche aufbewahrt werden, um im Notfall nicht erst nach einzelnen Teilen suchen zu müssen.

  • Die Tasche wird im Idealfall im elterlichen Koffer verstaut und mit einem Schloss für Kinder unzugänglich gemacht.
  • Da Medikamente immer kühl, trocken und lichtgeschützt aufbewahrt werden sollen, ist eine isolierte und wasserfeste Aufbewahrungstasche sinnvoll.
  • Führen Sie alle Präparate am besten in der Originalpackung inklusive Beipackzettel mit.

Achtung auf Flugreisen:

Alle wichtigen Medikamente sollten auf Flugreisen immer im Handgepäck mitgenommen werden, um im Fall eines Gepäckverlustes nicht darauf verzichten zu müssen. Je nach Einreiseland gelten allerdings unterschiedliche Bestimmungen, in welcher Menge Medikamente – insbesondere Flüssigkeiten – im Handgepäck mitgeführt werden dürfen. Deswegen ist es ratsam, sich rechtzeitig vor Abreise auf der Seite des Auswärtigen Amts über die Einreisebestimmungen zu informieren und gegebenenfalls ein Attest – in der Regel in englischer Sprache – vom Kinderarzt zu holen. Einige Länder wie etwa Australien fordern sogar die Deklaration aller eingeführten Medikamente.

Nicht vergessen: Impfpass und Reiseauslandsversicherung

Kontrollieren Sie rechtzeitig vor Urlaubsstart den Impfschutz Ihrer Kinder (und auch Ihren eigenen). Je nach Reiseregion kann etwa eine Zeckenschutzimpfung Sinn machen. Bei Fernreisen empfiehlt sich der Blick auf die länderspezifische Seite des Auswärtigen Amts. Dort sind alle empfohlenen Impfungen aufgelistet. Auch der Kinderarzt ist hier ein guter Ansprechpartner. Den Impfpass sollten Sie zur Sicherheit auch mit in den Koffer packen, um im Fall einer Behandlung beim Arzt oder im Krankenhaus alle Impfungen nachweisen zu können.

Zusätzlich zur Impfung sollte eine Reiseauslandskrankenversicherung abgeschlossen werden. Viele Versicherer bieten darüber hinaus einen Rückholdienst an. Das bedeutet, dass stark verletzte oder kranke Versicherte in das Heimatland transportiert und dort behandelt werden können. Insbesondere bei Reisen in Länder mit einer schlechten medizinischen Versorgung ist ein Abschluss dieser Zusatzversicherung ratsam. Damit sind Sie auf alle Eventualitäten vorbereitet und können den Urlaub als Familie genießen.

Monika Hortig
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Medizinredakteurin
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