Sodbrennen in der Schwangerschaft – das steckt dahinter

2. Oktober 2019
16 Min.

Neben den klassischen Beschwerden wie Müdigkeit, Heißhunger oder Übelkeit kann Sodbrennen ein erstes Anzeichen dafür sein, dass Sie ein Baby erwarten. Meistens tritt die Beschwerde aber erst gegen Ende der Schwangerschaft auf. Doch woher kommt sie? Und viel wichtiger: Wie lässt sich das lästige Sodbrennen lindern? Welche Behandlungstipps und bewährte Hausmittel gibt es?

Frau fasst sich an den Hals, sie leidet an Sodbrennen in der Schwangerschaft.


Direkt zu den Themen:


Kurz erklärt: Was ist Sodbrennen?

Täglich produziert unser Körper bis zu drei Liter Magensaft.1 Darin enthalten ist die für die Verdauung wichtige Magensäure, die ein saures Milieu schafft und ein entscheidender Bestandteil des Verdauungsprozesses ist. Gelangt Magensäure oder angedauter Essensbrei in die Speiseröhre, reizt er diese und führt zu Beschwerden, die allgemein als Sodbrennen bezeichnet werden.

Welche Gründe stecken hinter Sodbrennen in der Schwangerschaft?

Dass so viele Frauen gerade in der Schwangerschaft zum ersten Mal mit Sodbrennen zu kämpfen haben, hat mehrere Gründe. Zum einen spielen die Schwangerschaftshormone eine Rolle. Sie machen die glatte Muskulatur weicher, um den Körper an die Veränderungen der nächsten neun Monate anzupassen und auf die Geburt vorzubereiten. Durch die hormonelle Umstellung werden jedoch auch solche Muskeln weicher, bei denen das gar nicht vorgesehen ist, so zum Beispiel der Schließmuskel zwischen Speiseröhre und Magen. Das führt zu einem Rückfluss der Magensäure, dem sogenannten Reflux.

Zum anderen drückt das Baby mit zunehmender Größe immer mehr auf den Magen und kann ebenfalls dafür sorgen, dass die Magensäure nach oben gepresst wird. Das ist auch einer der Gründe, warum Frauen vor allem zum Ende einer Schwangerschaft vermehrt unter Sodbrennen leiden.2

Schon gewusst?

Ein Ammenmärchen besagt, dass ein Baby mit vielen Haaren das unangenehme Brennen auslösen könne. Angeblich, weil die Haare den Magen der Mutter kitzeln. Das ist allerdings schon rein anatomisch gar nicht möglich.

Die Ernährung und das eigene Essverhalten (wie hektisches Essen) spielen bei Sodbrennen ebenfalls eine entscheidende Rolle. Auch wenn schwangeren Frauen geraten wird, sich ruhig auch mal etwas zu gönnen, ist hier Vorsicht geboten. Der Grund: Bestimmte Nahrungsmittel können die Ursache für Sodbrennen in der Schwangerschaft sein. In der nachstehenden Tabelle finden Sie Lebensmittel, die schwer verdaulich sind, sowie solche, die möglicherweise die Magensäurebildung verstärken. Beachten Sie jedoch, dass die Wirkung der aufgeführten Lebensmittel individuell ist und nicht bei jedem für Beschwerden sorgen muss. Daher sollten Sie ausprobieren, welche Ernährung für Sie am besten geeignet ist.

Schwer verdaulich Verstärkt Magensäurebildung
Zwiebeln, Knoblauch Kaffee, schwarzer Tee
Backwaren wie Torten Schokolade und andere Süßigkeiten
Steinobst in größeren Mengen Tomaten und auch Tomatenketchup
Eier, vor allem hartgekocht Nüsse (ausgenommen Mandeln)
Frittiertes wie Langos, Chips, Krapfen oder Pommes Beerensorten wie Johannisbeere oder Himbeere

So äußert sich Sodbrennen in der Schwangerschaft

Folgende Symptome sind typisch für Sodbrennen:

  • brennende Schmerzen hinter dem Brustbein (vom Oberbauch aufsteigend)
  • saures oder bitteres Aufstoßen
  • mehr Speichelfluss
  • Rachenbrennen
  • saurer oder bitterer Geschmack im Mund

Während der Schwangerschaft wird Sodbrennen häufig noch von weiteren Beschwerden begleitet, beispielsweise Völlegefühl, Übelkeit und Magenschmerzen (vor allem nach dem Essen).

Die Symptome verstärken sich in der Regel nachts und können den in der Schwangerschaft so wichtigen Schlaf rauben. Dass sich das Sodbrennen verschlimmert, liegt daran, dass das Liegen den Rückfluss der Magensäure begünstigt. Ein zweites Kissen und eine damit erhöhte Lage des Oberkörpers schaffen Linderung.

– Anzeige –

Rennie Banner – Pflichttext-

– Anzeige –

Rennie Banner – Pflichttext-

Sodbrennen in der Schwangerschaft: Was hilft dagegen?

Schwangere nimmt Tabletten gegen Sodbrennen

So vielfältig die Ursachen sein können, so unterschiedlich sind auch die Behandlungsmöglichkeiten. Um herauszufinden, was Ihnen bei Sodbrennen hilft, können Sie folgende Maßnahmen ausprobieren:

  • Entspannen: Wenn wir Stress haben, sorgen die dabei produzierten Hormone für eine langsamere Verdauung. Sodbrennen kann dann die Folge sein. Deshalb ist es wichtig, Stressoren so gut es geht zu vermeiden. Darüber hinaus empfehlen sich Entspannungs- oder Atemübungen.
  • Enge Kleidung vermeiden: Bequeme sowie weite Unterwäsche und Kleidung, die vor allem am Bauch locker sitzt, schafft Platz für den Magen und kann so gegen Sodbrennen helfen.
  • Säurefördernde Lebensmittel meiden: Kohlensäurehaltige Getränke, frittiertes, fettreiches und damit schwer verdauliches Essen, Zitrusfrüchte, intensive und scharfe Gewürze, saure Salatdressings und Schokolade regen die Produktion von Magensäure an.
  • Langsam essen: Egal, ob es der Heißhunger-Snack zwischendurch oder eine der Hauptmahlzeiten ist — Sie sollten darauf achten, bewusst zu kauen. Zudem empfiehlt es sich, während des Essens wenig zu sprechen, um nicht zu viel Luft zu verschlucken. Denn diese sucht sich nach dem Essen wieder ihren Weg aus dem Magen nach oben.
  • Mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilen: Auf diese Weise wird der Magen nicht überfordert – er hat Zeit, die Nahrung häppchenweise zu verdauen.
  • Nach dem Essen eine Stunde aufrecht bleiben: Auch wenn die Couch verführerisch lockt, sollten Sie nach dem Essen ein bisschen spazieren gehen. Die Magensäure hat es durch die aufrechte Körperhaltung deutlich schwerer, nach oben zu gelangen – das schont die Speiseröhre.
  • Vor dem Schlafengehen nichts mehr essen: In den letzten 3 bis 4 Stunden vor dem Schlafengehen sollten Sie möglichst nichts mehr zu sich nehmen oder zumindest auf schwer verdauliche Lebensmittel verzichten.3 Ansonsten ist der Magen-Darm-Trakt zu sehr mit der Verdauung beschäftigt. Im Liegen kann die Magensäure dann einfacher aufsteigen.
  • Ausreichend trinken: Sodbrennen wird mitunter auch durch mangelnde Flüssigkeitsaufnahme ausgelöst. Denn ohne ausreichende Hydrierung kann die Säure im Magen zunehmen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) empfiehlt, mindestens 1,5 Liter täglich zu trinken.4 Am besten geeignet für Schwangere sind stilles Wasser und ungesüßter Tee.
  • Die Schlafposition ändern: Da Sodbrennen durch die Liegeposition in der Nacht meist schlimmer wird, ist es ratsam, den Oberkörper mithilfe eines Keil-Kissens erhöht zu lagern. Auf diese Weise kann die Magensäure nicht in die Speiseröhre fließen. Unter Umständen dauert es jedoch ein paar Tage, bis Sie sich an die neue Schlafposition gewöhnt haben.
Zusätzlicher Tipp:

Schlafen auf der rechten Seite verschlechtert die Situation, da der Magen in dieser Position oberhalb der Speiseröhre liegt und die Magensäure ungehindert fließt. Das Liegen auf der linken Seite kann die Beschwerden hingegen lindern. Durch die Linkslage entsteht ein Knick in der Speiseröhre, der diese zusätzlich verschließt und so einen Rückfluss der Magensäure verhindert.

Schlagen all diese Maßnahmen nicht an, ist ein Besuch beim Arzt ratsam. Er kann andere Gründe wie eine Entzündung der Speiseröhre ausschließen und – je nach Ursache – eine geeignete Therapie verordnen. Denn es gibt durchaus Medikamente, welche auch Schwangere einnehmen dürfen und welche die typischen Symptome lindern können. Zumeist bewirken sie, dass Magensäure neutralisiert wird. Vor allem Mikrogranulate mit einer natürlichen Wirkstoffkombination aus Kalzium- und Magnesiumcarbonat kommen häufig zum Einsatz.

– Anzeige –

Rennie Banner – Pflichttext-

– Anzeige –

Rennie Banner – Pflichttext-

Wichtig!

Viele der Medikamente, die gegen Sodbrennen helfen können, sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Als Schwangere sollten Sie aber sicherheitshalber auf eine Selbstmedikation verzichten und sich vor der Behandlung immer erst ärztlichen Rat einholen.

Hausmittel und Pflanzenkraft bei Sodbrennen

Verschiedene Kräuter und Blüten als Hausmittel bei Sodbrennen in der Schwangerschaft

In vielen Fällen kann bereits ein Glas stilles Wasser gegen Sodbrennen wirken. Durch das Trinken werden die Reste des Mageninhalts, die in die Speiseröhre gelangt sind, einfach wieder zurückgespült.

Darüber hinaus bieten noch zahlreiche andere Hausmittel Linderung, so beispielsweise:

  • Kauen von Weißbrot oder Zwieback: Die darin enthaltene Stärke bindet überschüssige Magensäure und macht sie so unschädlich für die Speiseröhre.
  • Auch rohe Karotten beziehungsweise Karottensaft haben sich als natürliches Mittel gegen Sodbrennen bewährt. Die Inhaltsstoffe bilden einen schützenden Film auf der Schleimhaut und verhindern so eine Reizung.
  • Ein weiteres wirksames Hausmittel ist der Verzehr von Haferflocken. Sie helfen nicht nur gegen Sodbrennen, sondern sind auch gut fürs Baby. Hafer ist ernährungsphysiologisch ein sehr wertvolles Getreide. Es hat einen hohen Eiweißgehalt, besteht überwiegend aus essenziellen Aminosäuren und zahlreichen Vitaminen sowie Mineralien.

– Anzeige –

Rennie Banner – Pflichttext-

– Anzeige –

Rennie Banner – Pflichttext-
  • Süße Mandeln haben sich ebenfalls bewährt. Auch wenn süße Mandeln – im Gegensatz zu ihren bitteren Verwandten – kaum Blausäure (Cyanwasserstoff; giftige Säure) enthalten, sollten sie geschält werden. Dazu einfach die Mandeln mit kochendem Wasser übergießen und die Schale entfernen.
  • Rohe Kartoffeln gelten zwar als giftig, allerdings wird frisch ausgepresster Kartoffelsaft gegen Sodbrennen eingesetzt. Denn der hohe Stärkegehalt hilft dabei, die Magensäure zu binden. Keimende oder grüne Kartoffeln sollten allerdings aussortiert werden, da sich direkt unter der Schale und in den Keimen das schwach giftige Alkaloid Solanin entwickelt. Auf Nummer sicher gehen Schwangere mit Kartoffelsaft aus dem Reformhaus.
  • Abwechslung schaffen exotische Sodbrennen-Hausmittel. Beispielsweise gilt der Saft der Ananas in tropischen Gegenden als gutes Hilfsmittel gegen die störende Säure, ebenso wie Bananen. Die gelb-krumme Staudenfrucht liefert wichtige Vitamine und Mineralstoffe. Wer Lust auf etwas ganz Exotisches hat, greift zur Papaya.

Wer es würziger mag: Die Vorstellung, nach jeder Mahlzeit einen Teelöffel Senf oder sauer eingelegtes Gemüse zu verzehren, behagt nicht jeder Schwangeren. Aber auch diese Hausmittel gegen Sodbrennen helfen manchen Betroffenen.

Milchprodukte gelten ebenfalls als wirksames Mittel gegen die Symptome von Sodbrennen oder bei saurem Aufstoßen. Sahne, Joghurt, Butter und sogar Kondensmilch kleiden die Speiseröhre aus und fördern die Verdauung. Von Milch selbst wird abgeraten – zumindest, wenn sie besonders fettreich ist. Es wird vermutet, dass ihr leicht saurer pH-Wert Sodbrennen sogar unterstützt. Naturjoghurt gilt dagegen als gute Hilfe. Letztendlich muss ausprobiert werden, was individuell am besten wirkt. Ein allgemeingültiges Standard-Rezept gegen Sodbrennen gibt es nicht.

Aha!

Nicht nur ist Alkohol für Schwangere tabu – bei Sodbrennen ist er zudem wirkungslos. Mittlerweile ist wissenschaftlich erwiesen, dass der oftmals beliebte Verdauungsschnaps oder Kräuterlikör sogar kontraproduktiv wirkt, weil durch ihn die Säureproduktion im Magen zusätzlich angeregt wird.

Hausmittel-Hilfe aus dem Gewürzregal

Ein Griff in die heimischen Küchenschränke kann manchmal lohnend sein: Es gibt zahlreiche Hausmittel aus dem Gewürzregal, mit denen werdende Mütter das unangenehme Sodbrennen in Schach halten können. Dazu gehören unter anderem

  • Koriander,
  • Basilikum,
  • Anis,
  • Fenchel oder
  • Kümmel

Je nach Gewürz können sie dieses frisch (oder getrocknet) zum Kochen verwenden. Eine gute Möglichkeit stellt auch die Zubereitung als Tee dar: So können Fenchel-, Anis-, Kümmel- oder Kamillentee die Magensäure verdünnen und die gereizte Schleimhaut beruhigen.

Keine Angst vor Gewürzen:

Manche Gewürze gelten als wehenfördernd. Solange man aber über den normalen Hausgebrauch nicht hinausgeht, gibt es keinen Grund, sich Sorgen zu machen. Lassen Sie sich im Zweifel von Ihrer Hebamme, Ihrem Arzt oder Apotheker beraten.

Sodbrennen: Diagnose in der Schwangerschaft

Diagnose Sodbrennen: Schwangere Frau sitzt beim Arzt

Um eine Diagnose stellen zu können, ist es wichtig, die Beschwerden und ihr Auftreten möglichst genau zu beschreiben. Dabei kann ein vorher geführtes Tagebuch hilfreich sein. Es sollte mindestens folgende Punkte enthalten:

  • Zeitpunkt des Auftretens
  • Essverhalten
  • Schlafgewohnheiten
  • Art der Beschwerden
  • Ort der Schmerzen

Anhand der geschilderten Fakten liest der Arzt meist schon heraus, ob es sich um Sodbrennen handelt. Er kann Ihnen zudem weitere Tipps zur Linderung der Beschwerde geben und bei Bedarf auch verträgliche Medikamente verschreiben.

– Anzeige –

Rennie Banner – Pflichttext-

– Anzeige –

Rennie Banner – Pflichttext-
Sodbrennen nach der Geburt

Halten die Beschwerden über die Geburt hinaus konstant an, ist es besser, ärztlichen Rat einzuholen. Denn hinter Sodbrennen und saurem Aufstoßen können sich auch andere Krankheiten verbergen. Mögliche Untersuchungsmethoden sind dann beispielsweise eine Magenspiegelung, bei der ein schlauchartiges Instrument (Endoskop) mit einer Minikamera an der Spitze über den Mund in die Speiseröhre eingeführt wird. Mithilfe dieser Untersuchungsmethode kann gezeigt werden, ob es bereits zu Schäden in der Speiseröhre gekommen ist oder ob möglicherweise eine andere Magen-Darm-Erkrankung den Beschwerden zugrunde liegt.

Wann ist ein Arztbesuch bei Sodbrennen nötig?

Grundsätzlich ist es immer ratsam, einen Arzt aufzusuchen, wenn das unangenehme Brennen über einen längeren Zeitraum auftritt. Ein Arztbesuch empfiehlt sich ebenfalls, wenn begleitende Beschwerden wie

  • Völlegefühl,
  • Magenschmerzen,
  • Druckschmerzen am Brustbein oder
  • ein dauerndes Hüsteln oder Räuspern hinzukommen.

Denn hinter dem Sodbrennen können sich in einigen Fällen auch schwerwiegendere Gründe verbergen, wie zum Beispiel eine Magenfunktionsstörung.

Ist Sodbrennen während der Schwangerschaft gefährlich für das Baby?

Sodbrennen tritt normalerweise phasenweise auf und hat viel mit den Lebensumständen zu tun. Auch wenn die Symptome sehr unangenehm sein können und sie den Alltag beeinträchtigen: Sodbrennen in der Schwangerschaft stellt in der Regel keine Gefahr für das Baby dar. Wenn Sie nicht bereits vor der Schwangerschaft unter Magenproblemen gelitten haben, ist es meist eine vorübergehende Erscheinung.

Sind die Beschwerden allerdings sehr stark und besteht der Verdacht auf eine Refluxkrankheit (krankhafter Rückfluss der Magensäure in die Speiseröhre), sollten Sie sich in Behandlung begeben, damit es nicht zu Komplikationen wie einer verengten Speiseröhre oder Blutungen kommt.

Simone Blaß
E-Mail schreiben
Autorin
Themenvorschläge? Anregungen? Schreiben Sie uns!
Tanja Albert
E-Mail schreiben
Medizinredakteurin
Themenvorschläge? Anregungen? Schreiben Sie uns!