Gewürzgurken mit Sahne? – Heißhunger in der Schwangerschaft

Vor der Schwangerschaft war Ihnen deftiges Essen lieber und auf einmal können Sie die Finger nicht mehr von Süßigkeiten lassen? Oder andersherum: Ihnen läuft plötzlich das Wasser im Mund zusammen, wenn Sie an eingelegte Zwiebeln oder Gewürzgurken denken? Wodurch der Heißhunger in der Schwangerschaft entsteht und wie alle Beteiligten mit den Heißhungerattacken der Schwangeren umgehen können, lesen Sie hier.

Woher kommen die Heißhungerattacken in der Schwangerschaft?

schwangere Frau leidet an Heißhunger-Attacke

Nicht nur Gelüste auf seltsame Essenskombinationen wie Käse und Schokolade sind schwangeren Frauen bekannt, auch die Vorliebe für Getränke kann sich ändern. Es ist durchaus möglich, dass Sie vor der Schwangerschaft eine Kaffeeliebhaberin waren und Ihnen plötzlich schon beim Geruch gemahlener Bohnen übel wird. Stattdessen können Sie nun die Finger nicht mehr von Tee lassen, egal ob morgens, mittags oder abends.

Ob mit Heißhungerattacken, Stimmungsschwankungen oder Magen-Darm-Beschwerden – schwangere Frauen müssen gerade in den ersten Wochen einiges mitmachen. Wie nahezu jedes Symptom der Schwangerschaft hängen auch die Heißhungerattacken Schwangerer sehr wahrscheinlich mit den Hormonen zusammen. Gerade im ersten Schwangerschaftsdrittel muss sich der Körper der Frau umstellen und es kommt zu hormonellen Schwankungen. In dieser Phase leiden Frauen häufig unter Übelkeit und/oder Heißhungerattacken.

Eine mögliche Ursache kann das Hormon Beta-hCG (Beta-Humanes Choriongonadotropin) sein. Dieses wird bereits sieben Tage nach der Befruchtung gebildet, nachdem sich die Eizelle in der Gebärmutterschleimhaut eingenistet hat. Die Plazenta beginnt dann das Hormon beta-hCG herzustellen, das für die Übelkeit und Heißhungerattacken bei Schwangeren verantwortlich ist.

Mehr über das Schwangerschaftshormon hCG:

Das Hormon hCG verhindert das Verschwinden des Gelbkörpers, welcher nach jedem Eisprung aus den sogenannten Eibläschen entsteht. Findet keine Befruchtung statt, bildet sich der Gelbkörper zurück und es kommt zur Abgabe der Gebärmutterschleimhaut während der Menstruation. Bleibt der Gelbkörper durch das hCG-Hormon bestehen, produziert er Progesteron, was dafür sorgt, dass die Gebärmutterschleimhaut erhalten bleibt. Bei einer Schwangerschaft ist das hCG auch im Urin der Frau vorhanden. Über diesen Wert können Schwangerschaftstests eine Befruchtung messen.

Des Weiteren könnte Heißhunger in der Schwangerschaft an einem Nährstoffmangel liegen. Es ist nämlich durchaus möglich, das schwangere Frauen, die sich vor der Schwangerschaft vegetarisch ernährt haben, plötzlich Heißhunger auf Fleisch bekommen. Hier könnte ein Eisen– oder Eiweißmangel die Gelüste auslösen. Der Versuch des Körpers, Fettreserven aufzubauen – gerade bei sehr schlanken Frauen – ist eine mögliche Begründung für eine Süßigkeiten-Vorliebe in der Schwangerschaft.

Wenn Schwangere Appetit auf Steine bekommen…

Es ist sehr selten, aber dennoch existiert es – das sogenannte Pica-Syndrom. Es beschreibt eine Krankheit, bei der Menschen Heißhunger auf ungenießbare Dinge bekommen. Steine, Gips, Erde oder Asche lassen bei Betroffenen das Wasser im Mund zusammenlaufen. Auch bei Schwangeren kann diese Essstörung auftreten. Die genaue Ursache ist nicht bekannt, allerdings wird ein ausgeprägter Eisen- oder Mineralstoffmangel als Möglichkeit in Betracht gezogen.

Mit dem Heißhunger in der Schwangerschaft umgehen

Die Lebensmittel, nach denen sich schwangere Frauen gelüsten, können sehr verschieden sein. Neben gesunden Dingen wie Obst oder Gemüse kann das Verlangen aber auch nach Süßigkeiten oder Fast Food entstehen. Natürlich ist es in Ordnung, ab und zu den Heißhungerattacken in der Schwangerschaft nachzugehen und sich etwas zu gönnen, allerdings sollten Sie nicht zum Dauerzustand werden. Und auch wenn es normal ist, ein paar Kilos zuzulegen, ist es trotzdem ratsam, das Gewicht im Auge zu behalten. Zum einen macht es jedes zugenommen Kilo schwerer, das Gewicht nach der Geburt zu reduzieren. Zum anderen besteht bei einer erhöhten Zufuhr an Zucker und ungesunden Lebensmitteln die Gefahr, eine Schwangerschaftsdiabetes zu entwickeln.

Doch mit einigen Tipps können Sie den Heißhungerattacken entgegenwirken und sich vor möglichen Folgebeschwerden schützen:

  • Mehrere kleinere Mahlzeiten einnehmen: Da der Blutzuckerspiegel in der Schwangerschaft schneller abfällt als zuvor, ist es sinnvoll, ihn so gut es geht auf einem Niveau zu halten. Am besten sind gesunde Zwischenmahlzeiten, die vormittags und nachmittags für einen gefüllten Magen sorgen. Beispielsweise sind für zwischendurch fruchtige Quarkspeisen, Nüsse oder ein Obstsalat geeignet, um Anfälle von Heißhunger zu stillen. Mehr über gesunde Lebensmittel für Schwangere lesen Sie hier: Ernährung während der Schwangerschaft.
  • Ablenkung hilft! Vor allem Bewegung lenkt ab und ist gleichzeitig noch gut für den Körper. Ein kleiner Spaziergang an der frischen Luft kann sinnvoll sein, um eine Heißhungerattacke in der Schwangerschaft zu umgehen.
  • Ein guter Start in den Tag: Das Frühstück ist ja bekanntlich die wichtigste Mahlzeit am Tag. Das gilt auch für Schwangere. Versuchen Sie morgens reichhaltig zu essen. Ballaststoffe und Vitamine sind gesund und können den nächsten Hungerschub verzögern.

Obgleich eine gesunde und ausgewogene Ernährung für Sie und Ihr Kind natürlich wichtig ist, dürfen Sie sich ab und zu etwas gönnen und dem Schwangerschafts-Heißhunger nachgeben. Für Ihren Körper ist alles neu und die Umstellung braucht seine Zeit, da ist es in Ordnung, auch einmal zu sündigen.

Hier weiterlesen:

Ernährungspyramide in der Schwangerschaft >>