Stillen – enge Bindung zwischen Mutter und Kind

Endlich ist der Nachwuchs da. Nach neun Monaten der Schwangerschaft können die Eltern ihren Säugling kennenlernen. Dabei ist es ganz natürlich, dass am Anfang viele Fragen auftauchen: Ab wann können Mütter die Brust geben? Wie oft sollte das Neugeborene anfangs gestillt werden? Wie erkennen Eltern, dass das Babys satt ist? Lesen Sie hier mehr zum Thema Stillen.

Frau stillt ihr Baby an der Brust

Maßgeschneiderte Ernährung – die Vorteile des Stillens für Ihr Baby

Verzicht auf Alkohol, Einschränkungen bei der Ernährung, aufgebissene Brustwarzen – das Stillen ist vor allem beim ersten Baby oft nicht leicht und eine komplett neue Erfahrung. Um die Frage, ob das Füttern mit der Flasche genauso gut ist wie Stillen, wird häufig heiß diskutiert. Fakt ist, dass die Muttermilch eine optimale Nährstoffquelle für das Baby darstellt.

Die enthaltenen Eiweiße, Fette, Kohlenhydrate, Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine sorgen für eine gesunde Entwicklung des Säuglings. Zudem ist Muttermilch für Babys gut verdaulich und hat genau die richtige Temperatur. Neben der notwendigen Versorgung mit Nährstoffen und der Stärkung von Abwehrkräften sorgt das Stillen auch für eine enge Bindung zwischen Mutter und Kind. Gerade nach den Strapazen der Geburt ist der direkte Hautkontakt besonders wichtig.

Auswirkungen des Stillens auf die Mutter

Das Stillen ermöglicht eine praktische Versorgung für das Baby: immer verfügbar, richtig dosiert und kostenlos. Die Stillzeit hat aber auch direkte Auswirkungen auf den Körper der Mutter.

  • Durch das Saugen des Babys wird das Hormon Prolaktin freigesetzt, welches für die Milchbildung sorgt.
  • Das Hormon Oxytocin ermöglicht dann die Milchfreigabe und erzeugt gleichzeitig eine enge und intensive Bindung zum Kind.
  • Das Stillen beschleunigt auch die Rückbildung der Gebärmutter, was manchmal durch ein leichtes Ziehen beim Anlegen des Säuglings spürbar ist.

Um eine ausreichende Milchproduktion und die richtige Zusammensetzung der Milch zu ermöglichen, kann die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln während der Stillzeit sinnvoll sein. Zum Beispiel benötigen stillende Frauen mehr Jod – das Mineral ist wichtig für die körperliche und geistige Entwicklung des Babys.1

Die Muttermilch passt sich den Bedürfnissen an

Die Muttermilch ist eine optimal auf das Baby abgestimmte Mischung aus hochwertigen Nährstoffen und bietet außerdem Schutz vor Krankheitserregern. Der hohe Cholesteringehalt der Muttermilch sorgt für eine rasche Gehirnentwicklung, während die enthaltenen Antikörper, die beim Stillen auf das Baby übergehen, Bakterien, Pilze und Viren bekämpfen. Kohlenhydrate, Eiweiß und Fett versorgen den kleinen Säugling mit Kraft und ermöglichen ein starkes Wachstum.

Die Milchproduktion verändert sich mit dem Wachstum des Kindes. Je größer das Baby wird, desto mehr Milch wird produziert. Und auch die Zusammensetzung ändert sich. Direkt nach der Geburt produziert die Brust für ungefähr zwei Tage das sogenannte Kolostrum. Diese erste „Vormilch“ zeichnet sich durch folgende Eigenschaften aus:

  • schleimig und dickflüssig wegen des hohen Eiweißgehalts
  • schützt den Darm des Babys
  • ist leicht verdaulich
  • hilft beim Aufbau des Immunsystems

Eine besonders wichtige Aufgabe des Kolostrums ist der Schutz vor Beschwerden wie Durchfall oder möglichen Allergien dank der enthaltenen Abwehrstoffe. Auch die Übergangsmilch, die beim Stillen bis zum Ende der zweiten Woche gebildet wird, und die anschließend folgende weißblaue Frauenmilch sorgen für ein starkes Immunsystem des Babys.

Keine Angst vorm Stillen:

Viele Frauen sind direkt nach der Geburt häufig überfordert mit der Versorgung des Babys und dem Stillen. Aber keine Sorge: Die Körper von Mutter und Kind wissen bereits instinktiv, wie oft und wie viel gestillt werden muss. Sogar die Zusammensetzung der Milch reguliert sich von selbst und passt sich den Bedürfnissen des Nachwuchses an. Und wenn es doch mal Schwierigkeiten gibt, stehen Ihnen erfahrene Hebammen und die Klinik als Ratgeber zur Seite.

Dauer und Häufigkeit des Stillens

UNICEF und die WHO empfehlen eine Stilldauer von mindestens sechs Monaten ohne Zufüttern von Beikost. Da die Muttermilch die beste und individuellste Versorgung des Neugeborenen ermöglicht, sollte die Mutter das Baby so lange wie möglich stillen. Die Frage nach der Häufigkeit des Stillens beantwortet das Baby meist selbst: Immer, wenn der Nachwuchs Hunger hat, beginnt er zu schreien. Zu Anfang ist der Magen klein und braucht viele Mahlzeiten, später trinkt das Baby dann mehr. In der Regel stillen Mütter mindestens acht bis zwölf Mal pro Tag3 . Ab dem fünften bis siebten Monat kann langsam Beikost in Form von Brei zugefüttert werden. Ab dem zehnten Monat ist dann auch die Ernährung mit der normalen Familienkost möglich2.

Probleme beim Stillen

Während des Stillens kann es zu Schwierigkeiten kommen. Erschöpfung und Schlafmangel machen es selbst der geduldigsten Frau oft schwer, beim Stillen Ruhe zu bewahren. Um möglichen Schmerzen und wunden Brustwarzen vorzubeugen, sollten Sie sich die richtige Stillposition von Ihrer Hebamme oder Geburtsklinik zeigen lassen. In unserer Stillanleitung finden Sie außerdem weitere nützlich Tipps zum Thema Stillen. Oftmals löst das richtige Anlegen viele Beschwerden. Bewahren Sie die Ruhe und holen Sie sich, wenn nötig, Unterstützung, um die innige Zeit mit dem Baby auch genießen zu können.

Mehr zum Thema:

Hilfreiche Tipps für die Stillzeit >>

Was müssen Sie während des Stillens bei der Ernährung beachten? >>

Anleitung: So klappt’s mit dem Stillen >>

1Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE): Kleines Extra: Jod. Nahrungsergänzungsmittel in der Stillzeit. URL: http://www.gesund-ins-leben.de/inhalt/nahrungsergaenzungsmittel-29428.html (14.03.2018).
2Bundesinstitut für Risikobewertung. Empfehlungen zur Stilldauer – Einführung von Beikost. URL: http://www.bfr.bund.de/de/empfehlungen_zur_stilldauer___einfuehrung_von_beikost-54044.html (14.03.2018).
3Schweitzer, Dora: Stillen: Ihre Stillberatung für zu Hause. Mütter berichten: das hat mir geholfen. Stuttgatt: Georg Thieme 2009. S. 127.