Schwanger mit 50: Risiken und Vorteile einer späten Schwangerschaft

17. Dezember 2018
7 Min.

Promis wie Caroline Beil, Brigitte Nilsen und Gianna Nannini machen es vor – sie alle wurden schwanger mit über 50 und haben sich so ihren Babywunsch relativ spät erfüllt. Doch auch fernab des Scheinwerferlichts steigt das Durchschnittsalter der Mütter an. Trotz des Trends sind Frauen, die 50 Jahre oder älter sind und ein Kind erwarten, in Deutschland mit 134 Geburten im Jahr 20151 die Ausnahme. Sind Spätgebärende verantwortungslos oder selbstbestimmt? Darüber möchten wir uns kein Urteil anmaßen – wir informieren stattdessen über Risiken sowie Chancen.

Frau ist Schwanger mit 50

Überblick

„Der richtige Zeitpunkt war nicht da“ – Gründe für eine späte Schwangerschaft

Warum sich Frauen erst spät(er) für Kinder entscheiden, hat so viele Gründe wie es Lebensentwürfe gibt. Ausbildungs- und Studienzeiten sind lang, im Beruf Fuß zu fassen und anzukommen, nimmt Zeit in Anspruch. Andere wiederum wünschen sich zwar Kinder, aber es fehlt der Partner, mit dem sie sich vorstellen können, eine Familie zu gründen. Oder beides ist vorhanden – Kinderwunsch und Partner – jedoch fruchten alle Bemühungen, auf natürlichem Weg schwanger zu werden, nicht.

Aufgrund der Fortschritte in der Reproduktionsmedizin wird es einigen dieser Paare ermöglicht, eigene Kinder zu haben – beispielsweise mithilfe künstlicher Befruchtung. Darüber hinaus erhöht sich dank unserer modernen Medizin auch die Wahrscheinlichkeit, noch mit 50 schwanger zu werden und spätes Babyglück zu erfahren.

„Gibt es finanzielle Unterstützung für Kinderwunschbehandlungen, auch wenn ich nicht mehr Mitte 20 bin?“

Die gesetzlichen Krankenkassen beteiligen sich nur, wenn die Frau mindestens 25, aber nicht älter als 40 Jahre ist. Der Mann muss zwischen 25 und 50 Jahre alt sein.2 Ergänzend dazu gibt es die Möglichkeit der finanziellen Zuwendung von Seiten des Bundes. Hier gelten dieselben Altersgrenzen.3 Neben dem Alter müssen zahlreiche weitere Kriterien erfüllt sein – und nicht jedes Bundesland beteiligt sich an der Förderung. Weitere Informationen finden sich auf der Webseite www.informationsportal-kinderwunsch.de.

Wechseljahre mit Überraschungseffekt

Die Fruchtbarkeit (Fertilität) nimmt mit zunehmendem Alter ab, da sowohl die Anzahl als auch Qualität der Eizellen sinkt. Bereits mit 38 Jahren liegt die monatliche Chance, schwanger zu werden, nur bei fünf Prozent.4 Die Wahrscheinlichkeit, noch mit 50 auf natürlichem Weg schwanger zu werden, ist somit sehr gering. Doch wie so oft im Leben ist nichts unmöglich. Mitunter rechnen Frauen mit 50 nicht mehr damit, schwanger werden zu können, weil die Periode beispielsweise nur noch sehr unregelmäßig kommt. Verhütung spielt dann eher eine untergeordnete Rolle. Doch wann bei Frauen die Wechseljahre beginnen und letztendlich kein Eisprung mehr stattfindet, ist höchst unterschiedlich. Erst wenn die Monatsblutung ein Jahr lang ausbleibt, geht die Wahrscheinlichkeit, beispielsweise mit 50 noch schwanger zu werden, gegen null.

Altersabhängige Risiken und Komplikationen

Schwangerschaften bei Frauen ab 35 Jahren, die ihr erstes Kind erwarten, beziehungsweise bei Frauen ab 40 Jahren, die bereits eines oder mehrere haben, werden medizinisch automatisch als Risikoschwangerschaft eingestuft.6

Gut zu wissen

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen bei Frauen ab 35 Jahren, die ihr erstes Kind erwarten, die Kosten für Pränataldiagnostik.7 Anhand verschiedener Untersuchungen, beispielsweise einem hochauflösenden Ultraschall, zusätzlichen Bluttests oder einer Fruchtwasseruntersuchung, erhalten Fachärzte und Eltern Anhaltspunkte, ob das Baby an erblich bedingten Krankheiten oder Fehlbildungen leidet. Wichtig ist: Sie können, müssen aber keine Leistungen der Pränataldiagnostik in Anspruch nehmen.

Natürlich ist es in erster Linie nur die Angabe eines Alters – eine 35-Jährige kann genauso gut eine komplikationsfreie Schwangerschaft und Geburt erleben wie eine jüngere werdende Mutter. Trotzdem gibt es Studien, die belegen, dass es durchaus Risiken gibt, die im Zusammenhang mit der Anzahl der gelebten Jahre stehen.8

Beispiele hierfür sind:

  • Chromosomenstörungen beim Kind (zum Beispiel Trisomie 21, früher unter dem Begriff „Down-Syndrom“ geläufig)
  • Fehlgeburten
  • Mehrlinge
  • Myome (gutartige Wucherungen in oder an der Gebärmutter)
  • Fehllage der Plazenta
  • vorzeitige Plazentaablösung
  • Bluthochdruck
  • Präeklampsie (Bluthochdruck und vermehrte Eiweißausscheidung im Urin)
  • Schwangerschaftsdiabetes mit Makrosomie (ungeborenes Kind wächst übermäßig stark)
  • verlängerter Geburtsverlauf
  • Frühgeburtlichkeit
  • Blutungen während oder nach der Geburt

Generell nimmt mit steigendem Alter die Häufigkeit bestimmter Krankheiten bei der Mutter zu, die beispielsweise die Nieren, Herz und Gefäße oder den Stoffwechsel betreffen. Und das kann wiederum auch Auswirkungen auf die späte Schwangerschaft haben.

Die Wohnung gleicht einem Schlachtfeld – ist mir doch egal!

Neben den Risiken gibt es auch Chancen bei einer späten Schwangerschaft. Vielen hat die Lebenserfahrung gelehrt, gelassener und entspannter mit neuen Herausforderungen umzugehen. Hinzu kommt, dass ältere werdende Mütter oft ein größeres Gesundheitsbewusstsein haben, mit den häufig zitierten „beiden Beinen“ im Leben stehen und finanziell abgesichert sind.

Schwanger mit 50 – (zu) spät dran?

Sicher, mit 50 schwanger zu werden, ist noch einmal eine andere Hausnummer als mit Mitte oder Ende 30. Letztendlich muss aber jeder für sich selbst entscheiden, wann der persönlich richtige Zeitpunkt für Kinder gekommen ist. Da die werdenden Eltern nicht nur Verantwortung für sich, sondern auch für das Ungeborene, und später das heranwachsende Kind tragen, ist es jedoch ratsam, Vorsorgeuntersuchungen zuverlässig wahrzunehmen sowie bei Fragen oder Unsicherheiten das offene Gespräch mit dem Gynäkologen zu suchen.

Julia Lindert
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Medizinredakteurin
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