Verbrennungen zweiten Grades bei Babys und Kindern: So reagieren Eltern richtig

29. November 2018

Selbst wenn die Wohnung kindersicher ist, lassen sich Unfälle im Haushalt selten ganz vermeiden. Offene Flammen in Form von Kerzen zum Beispiel können in einem unachtsamen Moment zur großen Gefahr für kleine Entdecker werden. Wir verraten, wie Sie schwere Verbrennungen zweiten Grades bei Babys und Kindern vermeiden.

Haut mit einer Verbrennung 2. Grades

Woran Sie eine Verbrennung 2.Grades erkennen

Bei einer Verbrennung zweiten Grades bilden sich bei Ihrem Baby und Kind zusätzlich zur Rötung auch Blasen an der betroffenen Stelle. Diese Blasen enthalten eine Gewebsflüssigkeit und liegen über der der Wunde (Ödem). Sie dienen als Schutz vor Infektionen und sollten somit nicht eigenhändig aufgestochen werden. Insgesamt ist die Verbrennung zweiten Grades sehr schmerzhaft für ihr Baby. Da ein Sonnenbrand ebenfalls eine Verbrennung ist, kann auch hier bei besonders übermäßigem Sonnenbad eine Verbrennung 2. Grades auftreten.

Das passiert mit der Haut bei einer Verbrennung zweiten Grades

Die Haut besteht aus drei Schichten: Oberhaut (Epidermis), Lederhaut (Dermis) und Unterhaut (Subcutis). Bei einer Verbrennung zweiten Grades sind sowohl Epidermis als auch Dermis betroffen, allerdings in unterschiedlich starkem Umfang. Deswegen wird bei diesem Grad der Verbrennung nochmals zwischen zwei Formen unterschieden:

  • Oberflächliche zweitgradige Verbrennung (2a): Die Epidermis ist vollständig zerstört, während von der Dermis lediglich der oberflächliche Bereich (Stratum papillare) betroffen ist. Ähnlich wie bei einer Verbrennung ersten Grades heilt die Verletzung vollständig und ohne Narbenbildung aus. Dies dauert – wenn keine Entzündung auftritt – in der Regel etwa 14 Tage.
  • Tief-zweitgradige Verbrennung (2b): Hier ist die Lederhaut auch in ihrem tiefer liegenden Teil (Stratum reticulare) zerstört. Bei der Heilung bilden sich Narben. Meist ist ein operativer Eingriff oder gar eine Hauttransplantation nötig.

Um welches Stadium einer Verbrennung zweiten Grades es sich handelt, kann oft nur ein Arzt bestimmen.

Verbrennungen 2. Grades bei Babys und Kindern: Regeneration der Haut

Die Haut regeneriert sich bei Verbrennungen ersten und oberflächlichen zweiten Grades von selbst. Für die Heilung der Wunde werden Keratinozyten benötigt. Sie sind die häufigste Art von Zellen in der Epidermis und in mehreren Schichten übereinandergestapelt.

  • Hornschicht (Stratum corneum; oberste Schicht)
  • Glanzschicht (Stratum lucidum)
  • Körnerzellschicht (Stratum granulosum)
  • Stachelzellschicht (Stratum spinosum)
  • Basalschicht (Stratum basale; unterste Schicht)

Die in der Basalschicht liegenden Stammzellen bilden die Keratinozyten. Diese stellen in der Körnerzellschicht die Vorstufe der Hornsubstanz Keratin her und in der darauffolgenden Glanzschicht eine fettähnliche Masse. Aus der Stratum lucidum heraus schieben sich die verhornten Zellen weiter nach oben in die Hornschicht. Auf diese Weise wird die Wunde geschlossen.

Gut zu wissen: Das Problem bei Kindern ist, dass entstandenes Narbengewebe nicht in der Lage ist mitzuwachsen. Deswegen können Narben je nach Größe und Lage Ihrem Kind Probleme bei der Beweglichkeit bereiten. Häufig begleiten weitere Operationen und Behandlungen die Kleinen deshalb auch Jahre nach dem Unfall.

Die richtige Reaktion bei einer Verbrennung 2. Grades

Wenn sich Ihr Kind oder Baby eine Verbrennung zweiten Grades zugezogen hat, sollten Sie sofort reagieren. Gehen Sie wie folgt vor:

  1. Bleiben Sie ruhig und beseitigen Sie die Gefahrenquelle.
  2. Wenn die verbrannte Stelle die Größe einer Handfläche nicht überschreitet, können Sie umgehend mit der Kühlung beginnen. Am besten halten Sie die Stelle unter fließend kaltes Wasser. Achten Sie darauf, nur die verletzte Stelle zu versorgen. Die Kühlung größerer Bereiche, also zum Beispiel des Rumpfs, kann zu einer raschen Unterkühlung des Körpers führen und ist somit zu vermeiden.
  3. Auf keinen Fall mit der Haut verschmolzene Kleidung entfernen. Das übernimmt der Notarzt.
  4. Versuchen Sie Ihr Kind zu trösten beziehungsweise ihm beruhigend zuzureden.
  5. Für den Transport zum Arzt die Wunde mit einem keimfreien Tuch bedecken.
  6. Der Körper sollte warmgehalten werden. Decken Sie Ihr Kind entweder mit einer gewöhnlichen Decke oder einer Rettungsplane zu.
  7. Fahren Sie mit Ihrem Kind oder Baby zum Notarzt oder rufen einen zu sich. Lassen Sie die Verbrennungen zweiten Grades behandeln.

Die Blasen dürfen nicht selbst aufgestochen werden, da dies zu einer Infektion führen kann. Das übernimmt der Arzt unter sterilen Bedingungen. Versuchen Sie auch nicht, die Verbrennung mit Hausmitteln zu behandeln.

Verbrennung zweiten Grades: Nachbehandlung beim Baby und Kind

Ein wichtiger Punkt bei Verbrennungen zweiten Grades bei Babys und Kindern ist die Nachbehandlung der verletzten Stellen.

Eincremen

Durch die Verbrennung hat die Haut oft die Fähigkeit verloren, den Feuchtigkeits- und Fettgehalt selbst zu regulieren. Aus diesem Grund ist regelmäßiges Eincremen mit Produkten, die Silikon oder Dexpanthenol enthalten, zu empfehlen. Letzteres ist an der Bildung des Coenzyms A beteiligt, das wiederum wundheilungsfördernd wirkt. Durch das Eincremen verhindern Sie bei Ihrem Schützling die Entstehung von rissiger und schuppender Haut, außerdem lindern Sie dadurch den entstandenen Schmerz und Juckreiz.

Direkte Sonne meiden

Vermeiden Sie bei Ihrem Kind am besten im ersten Jahr nach dem Unfall direkte Sonneneinstrahlung. Die Gefahr eines Sonnenbrandes ist an den vorbelasteten Stellen besonders groß. Außerdem können sich Narben in der Sonne dunkel verfärben. Schützen Sie die vernarbten Stellen Ihres Kleinen durch Sunblocker mit einem Lichtschutzfaktor von 50 und verzichten Sie auf Urlaub in besonders sonnige Länder.

Link-Tipp: Weitere Tipps, um Sonnenbrand zu vermeiden, finden Sie hier.

Kompressionskleidung tragen

Ab einer tiefen Verbrennung zweiten Grades wird das Tragen spezieller Kompressionskleidung empfohlen. Je nach Körperstelle wird diese in der Größe perfekt angepasst. Sie muss eng sitzen, um die Narben weich und hell zu halten sowie Wucherungen zu vermeiden. Die Druckverbände müssen meist zwei bis drei Jahreii Tag und Nacht getragen werden, bis die Narbe nicht mehr aktiv ist, also auf Druck nicht mehr heller wird. An besonders beweglichen Stellen wie Kniebeugen oder Achseln kann eine Nachbehandlung mit Schienen, Krankengymnastik und Ergotherapie die Beweglichkeit zumindest zum Teil wiederherstellen.

Psychologische Nachbehandlung

Je nachdem, wie groß die Narbe ist und an welcher Stelle sie sich befindet, kann eine Psychotherapie sinnvoll sein. Der Experte unterstützt Ihr Kind oder Baby dabei, mit dem Brandmal selbstbewusst umzugehen und hilft nach einer Verbrennung zweiten Grades bei der Verarbeitung des Unfalls. Häufig sind die Kinder durch die Brandnarben ein Leben lang gezeichnet, wodurch das Selbstbewusstsein leidet. Wird zudem eine langjährige Behandlung der Verbrennung erwartet, hilft ein Experte nicht nur dem Kind, sondern meist auch den Eltern dabei, mit Angst und Schmerzen umzugehen. Eine psychologische Nachbehandlung sollte demnach nicht vernachlässigt werden.

Monika Hortig
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Medizinredakteurin