Heilpflanzen und ihre Wirkung: Uralte Helfer bei Krankheiten

21. November 2018

Bereits seit vielen Jahrhunderten bedient sich die Menschheit zur Heilung von Krankheiten am unerschöpflichen Fundus der Pflanzenwelt. Einige Quellen behaupten sogar, die Nutzung der Heilpflanzen, auch Arzneipflanzen genannt, sei bereits so alt, wie der Mensch selbst. Auch heute werden Heilkräuter mit ihren spezifischen Wirkungen noch zur Linderung zahlreicher Erkrankungen eingesetzt. Aber wie funktionieren die natürlichen Helfer und warum sind sie in Zeiten von synthetisch hergestellten Arzneimitteln immer noch so beliebt? Ein Überblick.

Eine Auswahl unterschiedlicher Heilpflanzen als Helfer bei Krankheiten

Phytotherapie – Rückkehr der Heilpflanzen

Die Entwicklung immer neuer Arzneimittel ist durch den heutigen Stand der Forschung und Medizin ein Leichtes geworden. Schon lange tummeln sich auf dem Markt rein chemisch-synthetisierte Wirkstoffe, die eine schnellere und zuverlässigere Heilung ermöglichen sollen, als ihre pflanzlichen Alternativen.

Oft können aber auch natürliche Mittel helfen, leichte Beschwerden zu lindern. Diesen Ansatz verfolgt zum Beispiel die Phytotherapie (Pflanzenheilkunde), die Lehre der Heilpflanzen und ihrer Wirkungen. Auch heute greifen immer noch viele Menschen, die sich dadurch eine sanftere Therapie mit weniger Nebenwirkungen versprechen, zu den natürlichen Helfern. Zahlreiche Heilpflanzen werden daher insbesondere für die Behandlung von Kindern genutzt.

Heilpflanzen und ihre natürliche Wirkung

So einzigartig, wie die Heilkräuter rein äußerlich sind, so individuell ist auch ihre Wirkung. Es können verschiedene Wirkstoffgruppen1 kategorisiert werden:

  • Alkaloide sind sogenannte „Heilgifte“. Sind sie der Hauptwirkstoff einer Pflanze, beeinflussen sie verschiedene Zentren des Nervensystems. In geringen Mengen verstärken sie den Effekt anderer Pflanzenstoffe. Beispiele: Tollkirsche oder Schöllkraut
  • Ätherische Öle sind entzündungshemmend, harntreibend und krampflösend, erleichtern das Abhusten und stärken Galle, Leber, Magen und Darm. Beispiele: Doldengewächse (zum Beispiel Kümmel oder Angelikawurzel), Lippenblütler (etwa Pfefferminze oder Melisse) und Korbblütler (beispielsweise Arnika oder Ringelblume)
  • Bitterstoffe, sogenannte Amara, wirken verdauungsfördernd. Beispiele: Iberis amara, Beifuß oder Ingwer
  • Flavonoide sollen bei Herz-Kreislauf-Problemen und bei Krämpfen im Verdauungstrakt helfen. Beispiele: Kamille oder Mariendistel
  • Gerbstoffe nehmen Bakterien, die sich auf verletzter Haut und Schleimhaut angesiedelt haben, ihren Nährboden, indem sie Eiweißstoffe binden. Beispiele: Blutwurz, Heidelbeere oder Eichenrinde
  • Glykoside können unter Wasseraufnahme (Hydrolyse) in einen Zucker und einen Nicht-Zucker aufgespalten werden. Der Nicht-Zucker (Aglykon) bestimmt die Wirkung, die je nach Heilpflanze sehr unterschiedlich ausgeprägt sein kann. Beispiele: Süßholzwurzel oder Faulbaumrinde
  • Kieselsäure kann zur Stärkung von Haut, Haaren, Nägeln und Bindegewebe eingesetzt werden. Beispiele: Brennnessel oder Zinnkraut
  • Saponine gelten als natürliche Schleimlöser. Einige wirken außerdem wassertreibend sowie gegen Hautunreinheiten und rheumatische Beschwerden. Sie sind entzündungshemmend, können helfen, Ödeme (Wasseransammlungen) auszuspülen und verstärken die Aufnahme anderer Wirkstoffe. Zu viele Saponine reizen allerdings die Magen- und Darmschleimhaut. Beispiele: Gänseblümchen oder Rosskastanie
  • Schleim kann einen reizhemmenden Effekt haben. Er bildet sich aus kohlenhydrathaltigen Stoffen, die im Wasser stark aufquellen und schützt unter anderem die Schleimhäute. Beispiele: Lein, Eibisch oder Isländisch Moos
  • Darüber hinaus können essenzielle Nährstoffe wie Vitamine, Mineralien und Spurenelemente enthalten sein. Der Organismus benötigt diese Stoffe, um zu überleben. Sie sind beispielsweise für ein starkes Immunsystem, einen funktionierenden Stoffwechsel und kräftige Knochen verantwortlich.

Heilpflanzen sind wahre Alleskönner. Sie waren bis vor einigen Jahrzehnten das Mittel der Wahl zur Bekämpfung von Krankheiten. Und das mit gutem Grund: Anders als viele schulmedizinische Medikamente, enthalten sie nicht nur einen einzigen Wirkstoff, sondern sind ein regelrechtes Sammelsurium aus unterschiedlichen Vitaminen, Spurenelementen, Mineralien und sekundären Pflanzenstoffen (zusätzliche Inhaltsstoffe, die der Heilpflanze ihre Wirkung verleihen).

So zum Beispiel die Kamille: Sie enthält unter anderem Flavonoide (sekundäre Pflanzenstoffe) und ätherische Öle. Innerlich kann sie Magen-Darm-Beschwerden sowie Entzündungen im Hals- und Rachen-Raum lindern, äußerlich wird sie in Form von Salben angewendet, um die Haut zu beruhigen und eine antibakterielle Wirkung zu entfalten. Als Heilpflanze für Kinder kann Kamillentee vor allem bei Magen-Darm-Problemen helfen.

Heilpflanzen für Kinder: Das müssen Sie beachten

Insbesondere bei leichten Beschwerden setzen immer mehr Mütter und Väter bei ihren Kindern auf eine natürliche Linderung. Allerdings gibt es ebenso einiges zu beachten, wie bei einer Behandlung mit schulmedizinischen Medikamenten:

  • Bei leichten Symptomen können Heilpflanzen für Kinder und Babys zum Beispiel bei Atemwegsinfektionen, Magen-Darm-Problemen und im Mund-Rachen-Raum Anwendung finden.
  • Achten Sie je nach Alter Ihres Kindes auf eine geeignete Dosierung und Darreichungsform. Bei Babys werden Arzneipflanzen oft in Form von Tees verabreicht. Die Dosierung hängt stark von der Art der Heilpflanze ab und kann nicht pauschal angegeben werden.
  • Einige Heilpflanzen sind für Kinder in unverdünnter Form nicht geeignet. Dazu zählen zum Beispiel leicht giftig eingestufte Pflanzen wie Schöllkraut. Nehmen Sie bestimmte Symptome wie Durchfall, Erbrechen, hohes Fieber, Schläfrigkeit oder bellenden Husten dennoch ernst und versuchen Sie sich in diesen Fällen nicht an einer Selbstdiagnose. Lassen Sie Ihr Kind stattdessen schnellstmöglich von einem Arzt fachgerecht untersuchen, sodass dieser eine geeignete Therapie vorschlagen kann.

Heilkräuter selbst anpflanzen

Um verschiedene Heilpflanzen und ihre erstaunlichen Wirkungen zu erfahren, müssen Sie nicht unbedingt auf Präparate aus der Apotheke zurückgreifen. Sie haben einen Garten oder einen Balkon? Legen Sie doch einfach Ihr eigenes Kräuterbeet an. Das geht meist recht unkompliziert. Junge Pflanzen finden Sie zum Beispiel im Bau- und Gartenmarkt. Dort gibt es alternativ auch diverse Pflanzensamen zu kaufen, die Sie selbst aussäen können.

Viele der Arzneipflanzen, die im Garten oder auf dem Balkon wachsen, sind sogar winterhart. Das bedeutet, sie sind so robust, dass sie Kälte und Frost unbeschadet überstehen und nicht absterben. Zu den winterfesten Heilkräutern zählen zum Beispiel

  • Salbei,
  • Minze,
  • Rosmarin,
  • Thymian,
  • Melisse
  • oder Lavendel.
Kein Grund zur Sorge

Bei einigen Arten, wie zum Beispiel der Melisse oder der Minze, welkt im Winter zwar der obere Pflanzenteil, die Wurzeln bleiben aber erhalten und bilden im nächsten Jahr wieder neue Triebe aus.

Ein tolles Extra: Die meisten Pflanzen aus dem Kräutergarten wie beispielsweise Minze, Thymian oder Rosmarin können auch in der Küche wunderbar zum Würzen genutzt werden.

Lisa Küffner
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Medizinredakteurin und Medienwissenschaftlerin