Stillprobleme: Vom Milchstau bis hin zum Stillstreik

29. November 2018

Stillen ist unkompliziert, das Essen immer richtig temperiert und es kostet nichts. Wer mag da noch offen darüber sprechen, dass bei der „natürlichsten Sache der Welt“ Schwierigkeiten auftreten? Doch seien Sie gewiss, es gibt sie, die ungeschönte Wahrheit und Sie sind damit nicht allein: Stillen kann unangenehm sein und manchmal auch wehtun. Doch für viele dieser Stillprobleme gibt es Tipps und Maßnahmen, die Sie ergreifen können.

Neugeborenes saugt an der Brust einer Frau: Doch viele Mütter haben Stillprobleme.

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Milchstau: Wenn die Milchkanäle verstopft sind

Die Brust spannt, ist druckempfindlich und gerötet, sie fühlt sich heiß an und schmerzhafte Verhärtungen sind tastbar – ein Milchstau tritt vor allem in den ersten drei Wochen nach der Geburt des Babys auf.1 Er entsteht in Folge eines oder mehrerer unzureichend geleerter Milchgänge.

Die Ursachen dieses Stillproblems sind vielfältig. Dazu zählen beispielsweise:

  • Stress
  • einengende Kleidung
  • ungünstige Stillposition, falsche Technik
  • Stoß oder Druck auf die Brust
  • überhäuteter Milchgang auf der Brustwarze (white blister)
  • ungewohnt lange Stillpausen beziehungsweise ausgelassene Stillmahlzeiten

Nun ist das angesagt, was man bei diesem Stillproblem am wenigsten hören mag: Die Milch muss raus – auch wenn es weh tut. Legen Sie das Baby in kurzen Abständen an, am besten mit dessen Unterkiefer in Richtung der schmerzenden Stelle. So wird die betroffene Region effektiv „abgetrunken“. Feuchtwarme Wickel sowie warmes Duschen vor den Stillmahlzeiten können helfen, die Milch nach außen zu befördern. Nach dem Stillen heißt es 20 Minuten kühlen.2 Dies gelingt beispielsweise mit kalten Waschlappen oder Quarkwickeln.

Quarkwickel selbst machen

Äußerlich aufgetragen hat Quark kühlende und entzündungshemmende Eigenschaften. Bevor er zum Einsatz kommt, zwei Blätter Küchenrolle übereinander legen. Einmal falten. An der Faltstelle mittig einen Halbkreis schneiden, sodass beim Auseinanderfalten der beiden Blätter ein Loch entsteht. Dieses dient als Aussparung für die, möglicherweise wunden – Brustwarzen, die durch den Quark nicht eingeweicht und somit zusätzlich strapaziert werden sollen. Nun den Quark aus dem Kühlschrank nehmen und auf eines der vorbereiteten Papiertücher streichen, bevor das andere wieder darübergelegt wird. Den Quarkwickel solange auf der Brust lassen, bis der Quark bröselig und trocken ist.

Bitten Sie Ihren Partner, Familienangehörige oder Freunde, Sie in dieser Zeit zu entlasten und gönnen Sie sich Ruhe und Entspannung. Ein verschleppter Milchstau geht schnell in das nächste Stadium der Erkrankung, die Brustentzündung, über.

Brustentzündung: Ein Stillproblem mit Handlungsbedarf

Hauptverursacher der infektiösen Brustentzündung ist der bakterielle Erreger Staphylococcus aureus, der über die Brustwarze in die Brust gelangt. In seltenen Fällen liegt der Brustentzündung eine Pilzinfektion zugrunde. Leidet die Frau bereits an einem Milchstau, werden die Keime nicht mehr mit der Muttermilch ausgeschwemmt. Zu den lokalen Beschwerden wie einer geschwollenen und schmerzenden Brust, die auch bei einem Milchstau auftreten, kommen bei einer Brustentzündung Symptome wie Fieber, Gliederschmerzen und Schüttelfrost hinzu. Die betroffenen Frauen fühlen sich zudem unwohl und abgeschlagen. Da sich aus einer nichtbehandelten Brustentzündung ein Abszess (Eiterherd) bilden kann, muss dieses Stillproblem behandelt werden.

Im Grunde gelten alle Therapieempfehlungen wie beim Milchstau:

  • Ruhe
  • regelmäßiges Weiterstillen oder Abpumpen
  • Wärme vor und Kälte nach dem Stillen
  • das Stillen in verschiedenen Positionen, um die Brust effektiv zu entleeren
  • Umschläge mit beispielsweise entzündungshemmender Arnikasalbe

Ist keine Besserung erkennbar und hält das Fieber länger als 24 Stunden an, ist der Gang zum Arzt dringend erforderlich.3 Wenn nötig, verschreibt er ein stillverträgliches Antibiotikum, ein fiebersenkendes Medikament sowie Schmerzmittel.

Bei Ihnen läuft´s? Milch in Hülle und Fülle

Die Brüste sind prall, empfindlich und sie schmerzen: Auch zu viel Milch kann Probleme beim Stillen bereiten. Ein Grund hierfür ist beispielsweise das zu frühe Wechseln der Seiten. Bei einer Überproduktion von Muttermilch verschluckt sich das Baby häufig, lässt die Brust immer wieder los und weint, weil es mit der förmlich in den Mund sprudelnden Milch überfordert ist. Beginnt das Baby zu trinken, nimmt es zuerst die etwas wässrigere, in ihrem Fettgehalt niedrige und daher weniger sättigende Vordermilch zu sich. Aufgrund der großen Milchmenge schafft es das Baby nicht, die Brüste soweit zu leeren, dass es auch genügend von der fettreichen Hintermilch, die im Anschluss an die Vordermilch kommt, zu sich nimmt.

Frauen mit diesem Stillproblem sollten ihrem Kind während einer Stillmahlzeit oder in einem Zeitblock von zwei Stunden, in der sie ihr Baby mehrmals kurz stillen, immer nur eine Brust anbieten.4 Der Hintergrund: Das aus der Betriebswirtschaft geläufige Prinzip von Angebot und Nachfrage lässt sich auch auf die Milchproduktion übertragen. Der Körper merkt, wenn weniger Milch benötigt wird, reagiert und drosselt diese. Trotzdem sollte die stillende Mutter ihr Baby auch kurz an der anderen Seite anlegen, um keinen Milchstau zu provozieren.

Milch abpumpen: Hier ist Zurückhaltung geboten

Der Gedanke, die Milchmenge durch das Abpumpen der Milch zu reduzieren, ist leider falsch. Die Milchbildung wird dadurch immer weiter angekurbelt.

Weitere Tipps, um Probleme beim Stillen bei zu viel Milch in den Griff zu bekommen:

  • Tee: Eine geringere Milchbildung erreichen Sie, indem Sie täglich zwei bis drei Tassen Salbei- oder Pfefferminztee für maximal zwei Wochen trinken.4
  • Stillposition: Damit weniger Milch in den Mund des Babys spritzt und es besser trinken kann, hilft es, sich beim Stillen auf den Rücken zu legen und das Köpfchen des Kindes an die Brust zu führen, während es auf dem Bauch der Mutter liegt. Falls die Seitenlage angenehmer ist, sollte der Kopf des Babys mithilfe eines Kissens so gelagert werden, dass er höher liegt als die Brust.
  • Kompressen: Nach dem Stillen können feucht warme Kompressen Schmerzen, die bei übervoller Brust auftreten, lindern.

Haben Sie schon einmal von Frauenmilchsammelstellen gehört? Dort geben stillende Frauen überschüssige Muttermilch ab, um damit andere kranke Babys oder Frühchen zu versorgen, deren Mütter zunächst nicht stillen können. Vielleicht gibt es auch in Ihrer Nähe eine Klinik, die diese Möglichkeit anbietet.

Problem: Zu wenig Milch beim Stillen

Während beim Stillproblem „zu viel Milch“ pro Mahlzeit nur an einer Brust gestillt werden soll, ist die Technik des Wechselstillens dann anzuwenden, wenn die Frau zu wenig Milch hat. Dabei lassen Sie Ihr Baby mindestens zweistündlich an beiden Brüsten saugen. Nachts legen Sie eine längere Pause ein, sodass das Baby mindestens zehn bis zwölf Stillmahlzeiten innerhalb von 24 Stunden bekommt.5

Sollten Sie beim Stillen Probleme mit der Milchbildung haben, gibt es folgende milchfördernde Maßnahmen:

  • Stillberatung: Lassen Sie sich von Ihrer Hebamme oder einer Stillberaterin verschiedene Stilltechniken zeigen sowie noch einmal erklären, wie Sie Ihr Baby richtig anlegen, damit es richtig saugt.
  • Milch abpumpen: Es gibt Hand- sowie elektrische Milchpumpen, mit denen sich durch die zusätzliche Stimulation die Milchbildung steigern lässt. Wenn Sie die abgepumpte Milch ein paar Stunden kühl stellen, setzt sich oben Milchfett ab – mit dem Fläschchen oder Löffel gefüttert, ist das eine besonders nahrhafte Mahlzeit.6 Wie auch das Stillen ist das Abpumpen von Muttermilch Lern- und Übungssache. Nicht verzweifeln, wenn es nicht auf Anhieb klappt.
  • Lebensmittel: Sowohl Bockshornkleesamen, Malzbier und kohlenhydrat- sowie Vitamin B-reiche Nahrungsmittel wie Kartoffeln oder Vollkornprodukte gelten als milchbildend. Stilltees, die unter anderem Anis, Fenchel und Kümmel enthalten, können bei der Milchproduktion unterstützen. Trinken Sie davon drei bis fünf Tassen täglich.7

Noch ein Einwurf zum Schluss: Meist ist die Vermutung, zu wenig Milch zu haben, falsch. Eltern werten beispielsweise häufiges Stillen in kurzen Abständen oder Unruhe des Babys als Zeichen für einen Milchmangel. Wenn Sie unsicher sind oder sich Sorgen machen, ob Ihr Kind genügend trinkt, scheuen Sie sich bitte nicht, Ihre Hebamme oder Ihren Kinderarzt darauf anzusprechen.

Redakteur/in