Stillen – wann kommt es zum Milcheinschuss?

30. September 2019
10 Min.

Von der Vormilch (Kolostrum) zur Übergangsmilch: Wenige Tage nach der Geburt kommt es zum sogenannten Milcheinschuss. Dieser stellt die Vorstufe zur reifen Muttermilch dar, die nach etwa 10 bis 14 Tagen gebildet wird.1 Der Milcheinschuss geht oftmals mit einer großen Anspannung in der Brust einher, manche Frauen empfinden sogar Schmerzen. Lesen Sie nachstehend alles Wichtige zum Milcheinschuss – von dessen Entstehung bis zu seiner Förderung.

Frau stillt ihr Baby kurz nach dem Milcheinschuss.


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Was ist der Milcheinschuss?

Die Geburt ist überstanden, das Baby wohlauf – und schon geht es ans Stillen. Wenn Sie Ihr Neugeborenes nach der Entbindung an die Brust legen, trinkt es zunächst das sogenannte Kolostrum, die Vormilch. In dieser sind wichtige Nährstoffe wie Proteine und Vitamin A enthalten. Zudem trägt die Vormilch zur Ausscheidung des Kindspechs (Mekoniums) bei, dem ersten Stuhlgang Ihres Babys.

Erst zwischen dem 2. und 6. Tag nach der Geburt stellt sich die Brust um und bildet die Übergangsmilch.2 Ausgelöst wird der sogenannte Milcheinschuss nach dem Abstoßen der Plazenta nach der Geburt und dem damit einhergehenden abfallenden Östrogen- und Progesteronspiegel. Im Gegenzug steigt der Hormonspiegel von Prolaktin („Mütterlichkeitshormon“), der für die Milchbildung sorgt, an. Es kommt zur hormonellen Anregung der Brustdrüsen, einer besseren Durchblutung und letztlich dem Füllen der Brüste mit Milch.

Vorbereitung auf die Milchabgabe erfolgt bereits in der Schwangerschaft

Bereits in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft bereiten sich die Zellen der Milchgänge und Milchsäckchen auf die Milchabgabe vor.3 Deshalb wäre das Stillen mit Vormilch zunächst auch bei einer Frühgeburt möglich. Bei einigen Frauen kann es daher vorkommen, dass schon vor der Geburt einige Tropfen Muttermilch aus den Brustwarzen treten.

Dass es während der Schwangerschaft aber noch nicht zum Milcheinschuss kommt, ist dem hohen Östrogenspiegel zu verdanken. Dieser hemmt das Hormon Prolaktin, das entscheidend für die Milchbildung ist.

Übrigens kann sich der Milcheinschuss nach einem Kaiserschnitt etwas verzögern.4 Das liegt möglicherweise daran, dass die natürlichen Prozesse gestört werden, wie sie bei einer vaginalen Geburt gegeben sind – sprich, die Geburt entwickelt sich von allein, ohne fremdes Einwirken, und das Kind wird durch den unwillkürlichen Pressvorgang geboren. Ein anderer Grund ist womöglich, dass Kaiserschnitt-Babys, die keine Wehen erlebt haben und deshalb nicht auf die Geburt vorbereitet waren, zu Beginn Probleme beim natürlichen Suchen und Andocken an die Brust haben. Das Kind wird daher zu selten gestillt und der Milcheinschuss kann sich verzögern.

Aber keine Sorge, falls es länger mit dem Milcheinschuss dauert: Ihr Kind ist bis dahin gut versorgt. Das Kolostrum enthält alle wichtigen Nährstoffe, die es in den ersten Tagen benötigt. Verliert Ihr Kind in dieser Zeit etwas an Gewicht, ist dies ebenfalls nicht weiter problematisch. Die Ursache hierfür liegt im Verlust von überschüssiger Flüssigkeit und Stuhl. Sollte das Gewicht jedoch stark sinken, kann vorübergehend zugefüttert werden. Nach dem Milcheinschuss nimmt Ihr Baby in der Regel wieder zu.

Wie macht sich der Milcheinschuss bemerkbar?

Der Milcheinschuss zeigt sich sehr unterschiedlich. Während einige Frauen kaum eine Veränderung verspüren, klagen andere über

  • geschwollene Brüste,
  • Hitze- und Spannungsgefühle,
  • Schmerzen sowie
  • erhöhte Druckempfindlichkeit.

Am Tag des Milcheinschusses sollten Sie versuchen, Ihren Nachwuchs so oft wie möglich zu stillen. Dies kann dafür sorgen, die Beschwerden zu lindern. Es ist zudem sinnvoll, dass eine erfahrene Hebamme oder Stillberaterin den Stillbeginn begleitet und hilft, erste Unsicherheiten zu überwinden.

Rat an den Papa:

Der erste Stilltag kostet frischgebackene Mütter in der Regel viel Kraft. Daher sollten Sie auf ausreichend Ruhe achten. Vertrösten Sie gegebenfalls Besucher auf den nächsten Tag und sorgen Sie dafür, dass Ihre Partnerin genug isst, trinkt und so viel wie möglich schläft.

Lässt sich der Milcheinschuss fördern?

Für eine reibungslose Milchproduktion ist es wichtig, das Neugeborene so früh wie möglich an die Brust zu legen. Auch das Abstreichen beziehungsweise Abpumpen von Milch kann helfen. Denn die (vor allem anfangs) häufige Entleerung der Brust sorgt dafür, dass mehr Prolaktin gebildet und die Milchbildung aufrechterhalten wird (Galaktopoese).

Aller Anfang ist schwer! Bis sich das Stillen eingespielt hat, können etwa 6 bis 8 Wochen vergehen.1 Welche Probleme dabei auftreten können, erfahren Sie in unserem Beitrag zu Stillproblemen.

In einigen Fällen kann die Milchbildung durch eine Erkrankung, beispielsweise bei Diabetes mellitus, oder nach einer Brustoperation beeinträchtigt sein. Jedoch lässt sich mit bestimmten Medikamenten Einfluss auf den Prolaktinspiegel nehmen und so die Milchbildung anregen.

Ist es auch möglich, den Milcheinschuss zu stoppen?

Ja, sogenannte Prolaktinsekretionshemmer verhindern die Milchproduktion nach der Geburt. Ein solcher Schritt wird zum Beispiel dann unternommen, wenn Frauen aufgrund einer Erkrankung oder wegen eines Drogenkonsums nicht stillen können. Auch bei einer Totgeburt ist es meist nötig, den Milcheinschuss zu stoppen.

Was tun gegen Druckgefühl, Schmerzen und Co.?

Zunächst einmal ist es wichtig zu wissen, dass die Beschwerden in der Regel nach einigen Tagen wieder abklingen. Jedoch ist der Milcheinschuss weniger unangenehm, wenn Sie regelmäßig stillen. Tagsüber sollten Sie Ihr Baby daher nicht mehr als 4 Stunden schlafen lassen – nachts sind dagegen längere Intervalle möglich, sofern Kind und Brust dies zulassen.1 Hören Sie hierfür auf die Signale Ihres Körpers! Wenn die Brüste sehr spannen, kann es auch notwendig sein, das Kind zum Stillen sanft zu wecken.

Wird der Druck als zu unangenehm empfunden, können Sie versuchen, diesen mithilfe von feucht-warmen Umschlägen vor dem Anlegen zu lindern. Alternativ sind auch eine warme Dusche oder das Herausstreichen von etwas Milch per Hand möglich. Ebenso können Sie einige Tropfen Milch abpumpen. Dadurch wird zudem der Busen weicher, was es dem Kind erleichtert, die Brustwarzen besser und korrekter zu umfassen.

Wissenswert: Dauer und Häufigkeit der Stillmahlzeiten

Wie oft ein Kind in den nächsten Tagen und Wochen trinkt, ist sehr verschieden. So ist es durchaus normal, wenn der Säugling zwischen 8 und 12 Mahlzeiten innerhalb von 24 Stunden einnimmt.5 Es gibt aber auch Kinder, die über einen kürzeren Zeitraum stündlich trinken und dafür nachts längere Ruhepausen einlegen (Clusterfeeding). Durchschnittlich verbleiben Neugeborene 15 bis 20 Minuten an einer Brust.5

Nach dem Stillen empfehlen sich kühlende Auflagen, um mögliche Schmerzen zu mindern. Am besten eignen sich Brustauflagen mit Quark. Hierfür benötigen Sie:6

  • 1 Packung Quark
  • 2 Tücher Küchenrolle
  • Stilleinlagen
  • Waschlappen (Frottee)
  • elastisches Einmalhöschen
  • hautpflegendes Öl

Bestreichen Sie im ersten Schritt die Tücher mittig mit einer etwa 7 Zentimeter breiten Schicht Quark. Klappen Sie im Anschluss die Außenränder der Tücher entlang der Quarkschicht ein, sodass das Tuch gut verschlossen ist. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass der Quark mit der Haut in Berührung kommt. Bevor Sie den Wickel auflegen, reiben Sie die betroffene Brust mit etwas Öl (beispielsweise Bockshornklee-Öl) ein. Bringen Sie den Wickel rund um die Brustwarze an. Die Brustwarze kann mit einer Stilleinlage abgedeckt werden. Legen Sie nun den Waschlappen auf, er dient als Nässeschutz. Zum Schluss kann ein elastisches Einmalhöschen zur Fixierung des Ganzen herhalten: Den Schritt hierfür aufschneiden, so ergibt sich ein Bustier. Den Quarkwickel können Sie bis zu einer Stunde anwenden – waschen Sie Ihre Brust anschließend noch mit warmem Wasser ab.

Sollten sich die Beschwerde nicht bessern, fragen Sie am besten Ihre Hebamme oder Ihren Frauenarzt um Rat.

Tanja Albert
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Medizinredakteurin
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