Krank in der Schwangerschaft: Atemwegserkrankungen

Der Reizhusten, der den Schlaf raubt, oder der Schnupfen, der die Atmung erschwert: Erkrankungen der Atemwege sind in der Schwangerschaft besonders anstrengend. Wie verraten, was Sie tun können, wenn Sie krank werden und welche Atemwegserkrankungen besonders häufig auftreten.

Schwangere Frau atmet frische Luft am Strand ein, damit sie nicht krank wird

Überblick über die Atemwege

Um zu verstehen, wo die Erkrankungen der Atemwege ihren Ursprung haben, ist ein Blick auf die Atmung sinnvoll. Die Atemwege und Lunge sind für den Gasaustausch mit der Außenluft verantwortlich. Grundsätzlich wird zwischen den oberen und den unteren Atemwegen unterschieden.

Obere Atemwege:

  • Nase und Nasennebenhöhlen: Die Luft wird erwärmt, befeuchtet und vorgereinigt. Viren, Bakterien und Fremdkörpern werden mit Hilfe der Schleimhaut abtransportiert.
  • Rachenraum: Im Rachen kreuzen sich Luft- und Speisewege. Durch den Rachen vorbei am Kehlkopf gelangt die Atemluft in die Luftröhre.
  • Kehlkopf: Der Kehlkopf befindet sich am Übergang von den oberen zu den unteren Atemwegen. Am oberen Rand sitzt der Kehldeckel, der als Schaltstelle zwischen Luft- und Speiseweg dient. Er verhindert, dass Essen in die Luftröhre gelangt.
  • Luftröhre: Sie dient der Luftweiterleitung und wird durch Knorpelspangen auseinandergehalten. Sie teilt sich in etwa auf Höhe des fünften Brustwirbels in die beiden Hauptbronchien.
  • Bronchien: Die Hauptbronchien verzweigen sich immer weiter in Bronchien (luftleitenden Anteile der Lunge) und Bronchiolen. Sie versorgen jeweils einen der beiden Lungenflügel mit Sauerstoff.
  • Lunge: Die Endstation der eingeatmeten Atemluft sind die traubenförmigen Lungenbläschen (Alveolen), die der Lunge ihr schwammartiges Aussehen geben. Die Alveolen sind von kleinen Blutgefäßen umsponnen, die einen schnellen Austausch der Atemgase ermöglichen. Das bedeutet, dass der Sauerstoff aus der Luft ins Blut und das Kohlendioxid vom Blut in die Luft übertritt. Das mit Sauerstoff angereicherte Blut wird anschließend durch den Kreislauf transportiert.

Auf diesem Weg der Atemluft gibt es zahlreiche Möglichkeiten für Krankheiten. Wir stellen im Folgenden häufig auftretende Atemwegserkrankungen vor.

Krank in der Schwangerschaft: Erkältung und Grippe

Besonders in den kalten Monaten November bis März ist es nicht unwahrscheinlich, in der Schwangerschaft krank zu werden. Häufig plagt dann eine Erkältung (grippaler Infekt) oder Grippe (Influenza) die werdende Mutter. Die Erkrankungen der oberen Atemwege treten mit Symptome wie

  • Schnupfen
  • Heiserkeit,
  • Müdigkeit,
  • Kopf- und Gliederschmerzen auf.

Bei einer Grippe sind diese besonders stark ausgeprägt, hinzu kommt meist hohes Fieber. Doch keine Sorge, eine Erkältung oder auch Grippe hat in der Regel keinen Einfluss auf das wachsende Baby. Dennoch sollten Sie versuchen, die Symptome zu lindern.

Nehmen Sie auf keinen Fall ohne vorherige Absprache Erkältungsmedikamente ein. Vor allem Kombipräparate enthalten häufig Alkohol und Wirkstoffe, die nicht für Schwangere geeignet sind. Ihr Arzt – im Übrigen entweder der Hausarzt oder Frauenarzt – empfiehlt Ihnen geeignete Arzneimittel, die Sie einnehmen können, wenn Sie schwanger und krank sind.

Auch Hausmittel können Ihnen jetzt helfen. Die meisten Methoden sind besonders sanft und ohne Bedenken anwendbar. Bei Schnupfen bietet sich zum Beispiel eine Nasendusche an. Mit einem Modell aus der Apotheke und einer Salzlösung bestehend aus 0,9 Gramm Salz auf 100 Milliliter1 Wasser verflüssigt sich das Nasensekret und lässt sich so nach außen transportieren.

Link-Tipp: Von der richtigen Anwendung der Nasendusche bis hin zum Ölziehen: Weitere Hausmittel gegen Erkältung in der Schwangerschaft finden Sie hier.

Übrigens: Wenn Sie schwanger und häufig krank sind, ist das nicht ungewöhnlich. Ihr Immunsystem ist in dieser Zeit zurückgefahren, damit Ihr Körper das Baby annimmt. Er ist somit etwas anfälliger für Krankheiten.

Schwanger und krank – wenn der Husten den Schlaf raubt

Krank gestalten sich die Nächte in der Schwangerschaft ohnehin schon als schwierig. Ein hartnäckiger Husten stört den Schlaf noch zusätzlich. Er kann mehrere Ursachen haben, zum Beispiel:

  • Erkältung: Dann handelt es sich meist um einen produktiven Husten (mit Schleimbildung/Auswurf), da dadurch der gebildete Schleim hinausbefördert wird.
  • Entzündung des Kehlkopfs, der Luftröhre oder der Bronchialschleimhaut: Hierbei tritt ein Reizhusten (unproduktiver oder trockener Husten) auf.
  • Reizung der oberen Atemwege: Nase oder Rachenraum können durch Pollen oder Staub einen Reizhusten hervorrufen.

Spezielle Präparate aus der Apotheke, die den Husten stillen, verschaffen Abhilfe. Achten Sie allerdings auch hier darauf, dass das Medikament für Schwangere geeignet ist. Hustenstiller (Antitussiva) stellen besonders bei Reizhusten in der Nacht eine Erleichterung dar. Bei einem produktiven Husten helfen schleimlösende Produkte. Wenn Sie krank sind, sollten Sie auch in der Schwangerschaft immer Hausmittel in Erwägung ziehen. Übrigens: Pflanzliche Arzneimittel gegen Husten sollten Sie nicht unbedingt synthetischen vorziehen. Experten raten sogar vor der Einnahme in der Schwangerschaft ab, da zu den meisten Präparaten keine eindeutigen Studien zu Nebenwirkungen bei Schwangeren vorliegen.

  • Dampfinhalation: Mit einem speziellen Inhalator aus der Apotheke erleichtern Sie sich die Prozedur. Dabei müssen Sie laut Produktanleitung nur etwas Wasser einfüllen, das Gerät aufheizen lassen, das Gesicht auf die Maske legen und durch die Nase einatmen. Verwenden Sie dazu eine Salzlösung im gleichen Verhältnis wie bei der Nasedusche, also 0,9 Gramm Salz auf 100 Milliliter heißes Wasser1. Die Schleimhäute werden befeuchtet, sodass sich der Schleim löst.
  • Zwiebelsirup: Hacken Sie eine Gemüsezwiebel fein und bestreuen Sie diese mit 150 Gramm Rohrzucker.2 Nach mehreren Stunden die Masse zum Beispiel durch ein Sieb pressen und jede Stunde einen Teelöffel vom Saft einnehmen.
  • Eibischtee: Einen Teelöffel der zerkleinerten Eibischwurzel aus der Apotheke mit 250 Milliliter kühlem Wasser übergießen und zwei Stunden ziehen lassen. Die schleimfördernde Wirkung bleibt durch die kalte Zubereitung erhalten. Drei bis vier Tassen pro Tag2 unterstützen die Bronchialschleimhaut und stillen den Hustenreiz.

Bronchitis: Wann Sie zum Arzt sollten

Bei einer Bronchitis hat sich die Bronchialschleimhaut entzündet. Die Krankheit tritt besonders oft in Verbindung mit einer Erkrankung der oberen Atemwege auf, also in Kombination mit einer Erkältung. Mögliche Symptome sind ein Brennen in der Brust und ein trockener, schmerzhafter Reizhusten. Nach einigen Tagen löst sich der weiße Schleim und lässt sich besser abhusten. Sobald Sie während einer Bronchitis schwanger und mit hohem Fieber krank sind, gehen Sie zu einem Arzt.

Krank können Sie in der Schwangerschaft bei der Behandlung einer Bronchitis womöglich nicht die gleichen Arzneimittel verwenden wie sonst. Ihr Arzt oder Apotheker berät Sie dazu ausführlich. Versuchen Sie eine leichte Bronchitis zunächst mit Hausmitteln zu beseitigen. Da die Erkrankung mit Reizhusten einhergeht, ähnelt die Behandlung der von Husten. Greifen Sie deswegen auch hier auf Tees, Zwiebelsirup und Dampfinhalation zurück. In jeden Fall sollten Sie sich jetzt schonen.

Wann zum Arzt?

Wenn sich die Bronchitis hartnäckig über zwei bis drei Wochen2 hält, suchen Sie umgehend einen Arzt auf – auch, wenn Sie keine Begleiterscheinungen wie Fieber haben. Bei Nichtbehandlung der Krankheit kann sie chronisch werden.

Um es erst gar nicht so weit kommen zu lassen, dass Sie krank werden, sollten Sie in der Schwangerschaft Atemwegserkrankungen vorbeugen. Schonen Sie sich besonders in den kalten Monaten, bewegen Sie sich regelmäßig an der frischen Luft und halten Sie sich von erkälteten Kindern und Erwachsenen lieber fern.

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1 PTA heute: Krankheitserreger einfach wegspülen. URL: https://www.ptaheute.de/news/artikel/nasenspuelung/ (20.03.2018).
2 Zittlau, Jörg/Kriegisch, Norbert/Heinke, Dagmar: Die besten Hausmittel von A-Z. München: Südwest Verlag 2012. S. 56.