Kaiserschnitt: Der Überblick

21. November 2018

Bei einem Kaiserschnitt, unter Fachleuten auch sectio caesarea genannt, wird das Baby über einen Schnitt in der Bauchdecke zur Welt gebracht. In manchen Fällen ist diese Art der Geburt einer natürlichen vorzuziehen. Alles Wichtige zum Thema finden Sie hier.

Frau ist mit Mehrlingen schwanger und entscheidet sich daher für Kaiserschnitt

Die Gründe für einen Kaiserschnitt sind vielfältig

Manchmal wird schon während der Schwangerschaft klar, dass ein Kaiserschnitt unumgänglich ist. Der geplante oder primäre Kaiserschnitt findet statt, bevor die Fruchtblase platzt oder die Wehen einsetzen. Eine primäre sectio caesarea wird durchgeführt,

  • wenn das Baby quer oder in Steißlage liegt (wobei es auch natürliche Steißgeburten gibt)
  • wenn die Plazenta so tief in der Gebärmutter sitzt, dass sie den Ausgang für das Baby versperrt
  • bei Mehrlingsgeburten von drei oder mehr Babys
  • sobald eine Schwangerschaftsvergiftung droht
  • bei Infektionen im Vaginalbereich der Mutter, die eine Ansteckungsgefahr für das Baby darstellen
  • wenn das Baby zu groß für eine natürliche Geburt ist
  • bei einem Leistenbruch der Mutter (weil dieser dann bei dem gleichen Eingriff gerichtet werden kann)
  • bei früheren Gebärmutteroperationen, die zu Komplikationen bei der natürlichen Geburt führen können

Früher war der Kaierschnitt mit großen Risiken für Mutter und Kind verbunden. Das ist heutzutage zum Glück anders: Dank moderner Operationsmethoden und Medikamente ist das Risiko für Komplikationen bei einem Kaiserschnitt sehr gering. Manche Ärzte bevorzugen sogar den Kaiserschnitt, weil eine natürliche Geburt mehr Unwägbarkeiten und mögliche Komplikationen mit sich bringt. Hier gehen die Meinungen allerdings auseinander. Nichtsdestotrotz gibt es zahlreiche Gründe, die für einen Kaiserschnitt sprechen können. Schließlich steht die Sicherheit von Mutter und Kind an oberster Stelle.

Kaiserschnitt im Notfall

Aber auch während der Geburt können Gründe für einen Kaiserschnitt auftreten. Ein Notfallkaiserschnitt oder „sekundäre sectio caesarea“ wird zum Beispiel eingeleitet, wenn die Herztöne des Babys auffällig sind, sich die Nabelschnur um seinen Hals wickelt oder die Plazenta vorzeitig ablöst. Da jede Mutter, jedes Kind und die Umstände jeder Geburt individuell sind, kann es noch zahlreiche andere Gründe für einen Kaiserschnitt geben, auch persönliche. Im letzten Fall spricht man dann von einem Wunschkaiserschnitt.

Kleiner Ausflug in die Antike:

Der lateinische Name sectio caesarea nimmt Bezug auf Julius Caesar. Auch wenn der Kaiserschnitt oft mit dem berühmten Feldherrn der Antike in Verbindung gebracht wird, ist es unwahrscheinlich, dass dieser so zur Welt kam. Denn bis zur Neuzeit führte der Kaiserschnitt in der Regel zum Tod der Mutter. Julius Caesars Mutter hingegen überlebte die Geburt.

Sectio caesarea: (k)eine „einfache“ Art ein Kind zu bekommen?

Die Debatte um den Wunschkaiserschnitt kann zu der irreführenden Annahme verleiten, die sectio caesarea sei die einfachste Art, ein Kind zu entbinden. Dem ist nicht so. Ein Kaiserschnitt ist eine schwerwiegende Bauchoperation, die wie jeder Eingriff dieser Art Risiken birgt und von der Mutter eine entsprechend lange Erholungsphase fordert. Ganz schmerzfrei ist die Schnittentbindung ebenfalls nicht. Zwar erhält die Frau für den Ablauf des Kaiserschnitts eine Betäubung. Dafür leidet sie anschließend länger als bei einer natürlichen Geburt unter Wundschmerzen.

Hinzu kommt die Kaiserschnittnarbe. Unabhängig davon, ob medizinische oder persönliche Gründe für den Kaiserschnitt vorliegen, sollte sich jede Frau vorher eingehend informieren, was die Operation für ihren Körper bedeutet. Wichtig ist dabei vor allem das Vorgehen nach dem Kaiserschnitt, damit die Rückbildung komplikationslos verläuft. Und auch die Behandlung der Narbe mit wundheilenden Stoffen wie Dexpanthenol oder einem silikonhaltigen Narben-Gel gegen die Wulstbildung gehört dazu.

Wie sich ein Kaiserschnitt auf das Baby auswirkt

Auf das Baby hat die Entbindung mittels Kaiserschnitt ebenfalls eine Auswirkung. Zum Beispiel entfalten sich die Atemwege nicht im gleichen Maße wie bei einer natürlichen Geburt, wo das Fruchtwasser durch die Enge des Geburtskanals aus der Lunge gepresst wird. Auch der erste Kontakt mit in der Vagina angesiedelten Bakterien, die sich positiv auf das Immunsystem und die Verdauung auswirken, bleibt aus.

Außerdem gibt es Studien, die zeigen, dass Babys, die vaginal geboren wurden, durchschnittlich ausgeglichener sind als Kaiserschnittbabys. Das wird darauf zurückgeführt, dass der Stress der natürlichen Geburt die Resilience erhöht. Anfangsprobleme wie Atembeschwerden oder Koliken, die keinesfalls nur nach einem Kaiserschnitt auftreten, klingen jedoch nach einigen Monaten ab. Es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass Babys, die durch eine sectio caesarea zur Welt kommen, langfristig weniger gesund oder glücklich sind.

Peggy Richter
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