Warum das Wochenbett für die Gesundheit der Mutter wichtig ist

Das Wochenbett mag ein bisschen altertümlich klingen, aber es gehört genauso zum Kinderkriegen wie die Schwangerschaft. Der Körper der Frau hat sich neun Monate lang auf die Geburt vorbereitet und mit der Entbindung einen unglaublichen Kraftakt vollbracht. Das geht an niemandem spurlos vorüber – es braucht Zeit, bis das Gewebe heilt und sich zurückbildet. Die Geburt eines Babys ist aber nicht nur ein körperlicher Prozess. Besonders beim ersten Kind müssen sich Eltern erst in ihre neue Rolle einfinden. Das geht nicht selten mit einer Achterbahn der Gefühle einher, die bei der Frau durch den Hormonumschwung, der die Rückbildung nach der Geburt steuert, noch verstärkt wird. Es geht also beim Wochenbett nicht nur darum, dass sich die Frau von den Strapazen der Geburt erholt. Was ist das Wochenbett genau und worauf sollten sich werdende Mütter einstellen?

Mutter und Baby erholen sich während Wochenbett von Schwangerschaft und Geburt

Wochenbett: Was ist das eigentlich?

Als Wochenbett werden die ersten sechs bis acht Wochen nach der Geburt bezeichnet. Diese Phase ist für die Rückbildung der Gebärmutter und damit auch für die Gesundheit der Mutter entscheidend. Wie das Wort Wochenbett nahelegt, sollte sich die Frau in dieser Zeit schonen. Das bedeutet nicht, dass sie den ganzen Tag im Bett liegen muss. Sie sollte jedoch von anstrengenden Tätigkeiten und längeren Ausflügen absehen, denn körperliche und psychische Überlastung kann ernsthafte Komplikationen wie Wochenflussstau oder Milchstau hervorrufen. Dass das Wochenbett eine medizinische Notwendigkeit ist, spiegelt sich auch in dem in den Industrieländern gewährten Mutterschutz wider, der in den ersten Wochen nach der Geburt ein Beschäftigungsverbot vorsieht.

Was genau als anstrengend empfunden wird, ist natürlich von Frau zu Frau verschieden und hängt unter anderem davon ab, ob sie eine komplikationslose natürliche Geburt ohne Dammschnitt hatte oder einen Kaiserschnitt. Letzterer verlängert das Wochenbett auf acht bis zehn Wochen. In jedem Fall empfiehlt es sich, den Hausputz in den ersten Wochen dem Partner, Verwandten oder einer Haushaltshilfe zu überlassen. Die Schonfrist gilt auch für sportliche Betätigung. Rückbildungskurse beginnen deshalb in der Regel frühestens nach sechs Wochen.

Tipp: Womit Sie schon im Wochenbett beginnen können, ist die Beckenbodengymnastik. Ein starker Beckenboden fördert die Beweglichkeit und schützt vor Inkontinenz. Beckenbodengymnastik können Sie im Liegen, Sitzen oder Stehen durchführen. Ziehen Sie dafür den Beckenbodenmuskel einige Sekunden so zusammen, als müssten Sie starken Harndrang aufhalten. Lösen Sie die Anspannung und wiederholen Sie die Übung zehn Mal. Trainieren Sie die Beckenbodenmuskulatur am besten mehrmals täglich.

Weitere typische Beschwerden im Wochenbett und praktische Abhilfen:

  • Verstopfung: Der plötzliche Raum, den der Verdauungstrakt nach der Geburt wieder hat, führt häufig zu einer Verlangsamung der Darmtätigkeit. Mit der fortschreitenden Rückbildung normalisiert sich das wieder. In der Zwischenzeit helfen Joghurt, ballaststoffreiche Kost und kurze Spaziergänge.
  • Hämorrhoiden: Durch die Lockerung des Bindegewebes während der Schwangerschaft und das Pressen während der Geburt vergrößern sich bei vielen Frauen die Hämorrhoiden oder treten manchmal sogar aus dem Analkanal heraus, was beim Stuhlgang sehr unangenehm sein kann. Dagegen gibt es Salben, die auch stillende Mütter benutzen können. Am besten sprechen Sie Ihre Hebamme oder Frauenärztin darauf an.
  • Schweißausbrüche: Nach der Geburt sinkt der Östrogenspiegel rapide ab. Das bringt unter anderem, ähnlich wie während der Wechseljahre, den Wärmehaushalt des Körpers durcheinander, sodass frisch entbundene Frauen im Wochenbett oft stark schwitzen. Hier helfen nur häufiges Wäschewechseln und Abwarten, bis der Hormonhaushalt wieder ausgeglichen ist.
  • Babyblues: Einige Tage nach der Geburt verfliegt die erste Euphorie und viele frischgebackene Mütter fallen in ein Stimmungstief. Die hormonellen Veränderungen, die das Bonding fördern, machen die Frau im Wochenbett emotional sehr verletzlich. Hinzu kommen Schlafentzug, mögliche Stillprobleme und andere körperliche Beschwerden infolge von Geburtsverletzungen oder Rückbildung. Ruhe hilft, das seelische Gleichgewicht wiederherzustellen; Überforderung und überzogene Erwartungen an sich selbst hingegen verstärken den Babyblues noch. Hält das Stimmungstief länger als einige Tage an, sprechen Sie am besten mit Ihrer Nachsorgehebamme darüber, denn dann könnte es sich um eine Wochenbettdepression handeln.

Was Frauen im Wochenbett erwartet

Die Ablösung der Plazenta am Ende der Geburt hinterlässt in der Gebärmutter eine großflächige Wunde. Dies ist die Ursache für den Wochenfluss, der zunächst als starke, teilweise mit Klümpchen versetzte Blutung auftritt, mit der Zeit aber heller und schwächer wird. Meist zieht sich der Wochenfluss über die gesamte Wochenbettzeit. Zum Auffangen gibt es starke Binden. Am besten wird schon vor der Geburt eine Packung auf Vorrat gelegt. Tampons sind für das Wochenbett nicht geeignet, da sie das Infektionsrisiko erhöhen.

Außerdem zieht sich die Gebärmutter wieder auf ihre Ursprungsgröße zusammen. Das verursacht manchmal unangenehme Nachwehen. Um sicherzustellen, dass die Rückbildung planmäßig verläuft, tastet die Hebamme während der Nachsorge regelmäßig den Bauch ab. Zur Rückbildung kommt der Milcheinschuss, der anfangs ebenfalls Schmerzen verursachen kann – besonders wenn das Stillen noch nicht so richtig klappt. Hier ist es wichtig, Ruhe zu bewahren. Es ist ganz normal, dass Mutter und Kind einige Zeit brauchen, bis sie sich aufeinander eingestellt haben. Auch dafür ist das Wochenbett da.

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