Milchstau: Entstehung und Tipps zur Behandlung

30. September 2019
9 Min.

Ihre Brust fühlt sich prall an? Sie spannt und ist druckempfindlich? Dann kann ein Milchstau vorliegen. Dieser entsteht, wenn es zur mangelhaften Entleerung der Brüste kommt – die Gründe hierfür sind vielfältig. Erfahren Sie, welche Ursachen hinter einem Milchstau stecken und was Sie dagegen tun können.


Direkt zum Thema:

Was ist ein Milchstau?

Wie der Name schon verrät, kommt es hierbei zu einer Stauung von Milch – entweder in der gesamten Brust oder in Teilen davon. Zu einem Milchstau kann es während der gesamten Stillzeit kommen, allerdings tritt dieser vor allem in der 3. oder 4. Woche nach der Entbindung auf.1 Das ist häufig darauf zurückzuführen, dass die Stillbeziehung zwischen Mutter und Kind noch nicht einwandfrei eingespielt ist. Möglicherweise saugt das Baby nicht optimal, weshalb einige Milchgänge unvollständig geleert werden und deshalb zurückgebliebene Milchreste sich stauen.

Frau stillt ihr Baby, um einen Milchstau zu vermeiden.

Die vielfältigen Ursachen eines Milchstaus

Warum die in der Brust gebildete Muttermilch nicht vollständig abfließen kann, hat unterschiedliche Gründe. Einige Beispiele sind:

  • beeinträchtigter Milchspendereflex, bedingt durch Stress oder Erschöpfung
  • Einschnürung beziehungsweise Druck auf die Brust durch einen zu engen Still-BH
  • zu kurze oder unregelmäßige Stillzeiten (versuchen Sie Ihr Baby tagsüber etwa alle 2 bis 4 Stunden zu stillen, nachts sind längere Zeiträume möglich)
  • ungünstige Stillposition (zum Beispiel zu viel Abstand zwischen dem Körper von Mutter und Kind, weshalb der Säugling nicht effektiv trinken kann)

Ein Milchstau kann auch durch Fettklümpchen entstehen. Normalerweise lagert sich Fett zwischen zwei Stillmahlzeiten an den Wänden der Milchgänge ab, das aber durch den Milchspendereflex Richtung Brustwarze gedrückt wird. Verklumpt das Fett allerdings, kann es die Milchgänge verstopfen. Bei anderen Frauen wurden auch Blockierungen in Form von Kalzium-Körnchen oder abgestorbene Zellklumpen nachgewiesen.

Gut zu wissen – Milchstau nach dem Abstillen

Wenn Sie Ihrem Baby die Brusternährung mit Muttermilch abgewöhnen, kann es einige Zeit dauern, bis der Körper die Milchproduktion vollständig eingestellt hat. Daher löst vor allem abruptes Abstillen, beispielsweise aufgrund von Medikamenteneinnahme oder einer Operation, die Stauung der Milch aus. Wenn möglich, sollten Sie daher auf ein sanftes Abstillen setzen. Das heißt, dass Sie Ihrem Säugling nach etwa 6 Monaten – neben der Muttermilch – langsam Beikost einführen, bis diese die Brustfütterung komplett ersetzt hat.3 Darüber hinaus sollten Sie, um die Muttermilch abfließen zu lassen, Ihre Brüste sanft von oben nach unten ausstreichen.

Symptome: Wie zeigt sich ein Milchstau?

Kommt es zur Milchstauung, ist oftmals nur eine Brust betroffen. Die auftretenden Beschwerden können sehr unterschiedlich sein, zum Beispiel:

  • Völlegefühl der Brust
  • Spannungsgefühl
  • erhöhte Druckempfindlichkeit
  • Schmerzen
  • Verhärtungen beziehungsweise ertastbare Knötchen in der betroffenen Brust
  • gerötete Hautstellen

Nach ein bis zwei Tagen sollten sich die Symptome bessern.4 Ist dies nicht der Fall, suchen Sie bitte Ihren Frauenarzt auf, da sich sonst eine Brustentzündung (Mastitis) entwickeln kann.

Nicht zu verwechseln mit dem Milcheinschuss!

Der Milcheinschuss weist teils ähnliche Symptome wie der Milchstau auf: Einige Frauen nehmen diesen mit Beschwerden wie geschwollenen Brüsten, einem Spannungsgefühl, Schmerzen sowie erhöhter Druckempfindlichkeit wahr. Im Unterschied zum Milchstau markiert der Milcheinschuss die Übergangsphase, bevor die reife Muttermilch produziert wird. Zu dieser Phase kommt es zwischen dem 2. und 6. Tag nach der Entbindung.5

Sollten Sie sich unsicher sein, ob es sich bei Ihren Symptomen um einen Milcheinschuss oder -stau handelt, fragen Sie am besten Ihre Hebamme oder einen Frauenarzt um Rat.

Hilfe: Was tun bei Milchstau?

Zunächst einmal ist es wichtig, sich Ruhe zu gönnen und zu versuchen, den Alltagsstress hinter sich zu lassen. Darüber hinaus sollten Sie, um den Milchspendereflex zu fördern, folgende Tipps beherzigen:

  • Stillen Sie weiter und legen Sie tagsüber keine allzu langen Stillpausen ein. Anfängliche Anlegezeiten alle 2 bis 4 Stunden sind in den ersten 9 Lebenswochen Ihres Kindes vollkommen normal.2

Tipp für die richtige Stillposition:

Legen Sie Ihr Baby so, dass sich sein Unterkiefer in Richtung der gestauten Stelle befindet. Als Stillposition bietet sich der Wiege- oder Rückengriff sowie das Stillen im Liegen an.

  • Zusätzliche Entlastung bringt es, wenn Sie die Milch vorsichtig ausstreichen oder abpumpen .
  • Wärmen Sie die Brust vor dem Anlegen Ihres Babys an, so wird das Brustgewebe nachgiebiger und der Milchfluss kommt besser in Gang. Hilfreich sind feuchtwarme Umschläge.
  • Um entzündlichen Prozessen vorzubeugen, empfehlen sich nach dem Stillen kühlende Umschläge mit beispielsweise Quark oder roh geriebenen Kartoffeln. Auch die Kombination mit ätherischen Ölen wie Rosen- oder Lavendel-Essenz ist möglich – sie können zudem beruhigend und ausgleichend wirken.
  • Unterstützend greifen manche Frauen auf homöopathische Mittel wie beispielsweise Phytolacca (Kermesbeeren) zurück. Bei diesen Verfahren fehlen jedoch wissenschaftliche Belege zur Wirksamkeit. Vor der Anwendung sollten Sie daher unbedingt einen Arzt oder Homöopathen befragen.

Die genannten Maßnahmen sind ebenfalls als vorbeugende Tipps zu verstehen. Dabei ist vor allem das regelmäßige Anlegen und vollständige Entleeren der Brust ein wichtiger Faktor, um einen Milchstau zu vermeiden. Für das richtige Stillen ist es ratsam, sich in den ersten Wochen von einer erfahrenen Hebamme oder Stillberaterin begleitet zu lassen, die Ihnen bei Unsicherheiten zur Seite steht. Diese kann Ihnen bei einem Milchstau ebenfalls Tipps geben.

Wenn sich eine Brustentzündung entwickelt…

Bei einem Milchstau gilt: Je früher gehandelt wird, desto besser. Denn bleibt er unbehandelt, kann die Stauung in den Milchgängen zu einer Brustentzündung (Mastitis) führen. Die Entzündung wird mitunter aber auch durch Bakterien ausgelöst, die über kleine Verletzungen in der Brustwarze eindringen und eine Entzündung auslösen.

Die Abgrenzung zum Milchstau gestaltet sich bei einer Mastitis oft schwierig, da ähnliche Symptome auftreten: Bereiche des Busens sind gerötet und geschwollen, die Brust fühlt sich heiß an und schmerzt. Bei einer Brustentzündung sind die Beschwerden jedoch meist heftiger. Unter anderem ist Fieber von 38 bis 40 Grad typisch.6 Aber auch Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Kreislaufprobleme sind möglich.

Wann sollten Sie bei Milchstau zum Arzt?

Sobald starkes Unwohlsein oder erhöhtes Fieber auftritt, ist es besser, Ihren Haus- oder Frauenarzt aufzusuchen. Gleiches gilt auch, wenn sich die Beschwerden nach 24 bis 48 Stunden nicht bessern oder gar verschlechtern sollten.2 In einem solchen Fall liegt der Verdacht nahe, dass sich eine bakterielle Entzündung der Brust entwickelt hat. Unbehandelt kann ein Brustabszess (Eiterknoten) entstehen, der unter Umständen eine Operation oder das Legen einer Drainage (Ableitung von Wundabsonderungen oder Flüssigkeiten mittels Röhrchen) nötig macht. Daher sollten Sie bei Verdacht auf eine Mastitis einen Arzt aufsuchen. Die Erreger werden in der Regel mittels Antibiotika bekämpft. Bestimmte Arzneimittel sind während des Stillens erlaubt und wirken sich nicht auf Ihr Baby aus. Ein Abstillen ist daher meist nicht nötig.

Tanja Albert
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Medizinredakteurin
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