Mein Wunderkind: Babys Charakter ist von Anfang an einzigartig

29. November 2018

Manchmal wundern sich Eltern über bestimmte Wesenszüge Ihres Kindes. Von wem hat unser Baby seinen Charakter geerbt? Ist es Großtante Betti mit ihrer stets ungebremsten Abenteuerlust und ihrem impulsiven Temperament? Oder ist unser Baby eine Mini-Ausführung von Papa, der sich grundsätzlich durch nichts und niemanden aus der Ruhe bringen lässt? Schon ab dem ersten Tag seines Lebens ist Ihr Baby ein echter Charakterkopf mit ganz eigenen Wesenszügen. Eltern, Erziehung und Umwelt prägen die weitere Entwicklung des Charakters und der Baby-Psyche jedoch entscheidend mit.

Abenteuerlustig oder tiefenentspannt: Schon Babys sind echte Charakterköpfe.

Woher hat mein Baby seinen Charakter: Angeboren, ererbt oder anerzogen?

Fest steht – jedes Baby ist einmalig und bringt eine ordentliche Portion Charakter mit auf diese Welt. Fachleute sprechen allerdings zu diesem frühen Zeitpunkt von Temperament und nicht von der Persönlichkeit oder Psyche eines Kindes. Der Baby-Charakter legt erst einmal nur Tendenzen an den Tag. Das eine Baby ist ruhiger, das andere Baby bewegungsfreudiger, das Dritte kommt schon mit einer kleinen Zornesfalte auf der Stirn auf die Welt und zeigt früh erste Rockstar-Allüren.
So wie körperliche Merkmale werden auch Intelligenz und Charaktereigenschaften wie Ängstlichkeit oder Aggressivität über die Gene der Eltern an ihr Baby weitergegeben. Grundlage für den Bauplan des Lebens ist die DNA, die sich in Form von Chromosomen in jeder Körperzelle findet. Ein Baby trägt zu 50 Prozent mütterliche und zu 50 Prozent väterliche DNA in sich. Wie ein Mensch sich verhält und welche charakterlichen Wesenszüge ihn ausmachen, hängt also durchaus zu einem gewissen Anteil auch von seinen Genen ab.

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm: Hatte Ihr Kind schon als Baby ein sanftes Gemüt oder ein wildes Temperament – dann betreiben Sie doch mal charakterliche Ahnenforschung und beginnen Sie zuallererst bei sich selbst. Sicherlich werden Sie schnell fündig! Über die Frage, wie viel Persönlichkeit über die Gene von einer Generation an die nächste weitergegeben wird, und wie viel sich ein Mensch im Laufe seines Lebens an Charakter aneignet, wird in der Forschung kontrovers diskutiert.

Bis sich der Charakter eines Babys richtig zeigt, muss der Nachwuchs zunächst einmal ins Kindergartenalter kommen. In der Gruppe stellt sich schnell heraus, ob ein Kind eher introvertiert oder extrovertiert, gefühlsbetont, ein bisschen gemütlich oder sehr aktiv ist. Zudem spielen bei der psychischen Entwicklung äußere Umweltfaktoren und die Lebensumstände des Kindes eine große Rolle, dazu zählen:

  • soziale Verhältnisse
  • familiäre Umstände und Erziehung
  • Schule und Ausbildung
  • kulturelle Einflüsse wie Religion
  • persönliche Erfahrungen

Ein Kessel Buntes also – die psychische Entwicklung eines Menschen ist ein sehr individuelles und komplexes Zusammenspiel von Erbanlagen, Familie, Umfeld und eigenem Erleben und Handeln. Eine Redewendung umschreibt es so: „Kein Mensch ist perfekt, aber jeder ist auf seine Weise einzigartig.“

Baby, Kleinkind, Schulkind, Teenager: Die Psyche und den Charakter prägen

Ab dem Moment, in dem Eltern ihr Baby zum ersten Mal in die Arme schließen, prägen sie die psychische und charakterliche Entwicklung ihres Kindes. Das Vertrauen ihres Babys in sie und die Welt wird bestärkt, indem es erfährt, dass Mama oder Papa verlässlich herbeieilen, wenn es schreit, es füttern, feinfühlig trösten und liebevoll umsorgen.

Für den Münchner Kinder- und Jugendpsychiater und Bindungsforscher Prof. Dr. med. Karl Heinz Brisch ist Urvertrauen die entscheidende Grundlage für eine gesunde Persönlichkeitsentwicklung. Er unterstützt Eltern, die Psyche ihres Babys richtig zu verstehen und gesundes Vertrauen aufzubauen. Brisch äußert sich zum Thema Urvertrauen folgendermaßen: „Mit einer sicheren Bindung werden die Eltern große Freude an ihrem Kind haben, weil sicher gebundene Kinder eine bessere Sprachentwicklung haben, flexibler und ausdauernder Aufgaben lösen, sich in die Gefühlswelt von anderen Kindern besser hineinversetzen können, mehr Freundschaften schließen und in ihren Beziehungen voraussichtlich glücklichere Menschen sein werden.“1 Sie dürfen Ihr Baby im ersten Lebensjahr also ohne schlechtes Gewissen verwöhnen!

Stark für das Leben mit sechs einfachen Regeln

Ohne es mit der Frühförderung zu übertreiben, können Sie die Psyche und die Gehirnentwicklung Ihres Babys und Kleinkindes mit einfachen Mitteln positiv beeinflussen.

Sechs goldene Regeln für ein starkes Leben:

  • Gönnen Sie Ihrem Kind häufig Hautkontakt und Streicheleinheiten.
  • Machen Sie Bewegungs- und Fingerspiele, bieten Sie unterschiedliche Spielmöglichkeiten.
  • Schaffen Sie eine farbenfrohe und belebte Umgebung.
  • Fordern Sie Ihr Kind und geben Sie ihm interessante Aufgaben.
  • Schenken Sie Ihrem Kind positive Zuwendung und Aufmerksamkeit.
  • Sprechen Sie viel mit Ihrem Kind und hören Sie ihm aufmerksam zu.

So helfen Sie Ihrem Kind seinen Charakter zu stärken, sich gut emotional und sozial zu entwickeln und auch mit starken Gefühlen wie Wut, Traurigkeit und Frust umgehen zu können.

Vom Baby zur Persönlichkeit – positive Formulierungen machen den Charakter stark

Der Psychologe und Buchautor Steve Biddulph beschreibt in seinem Elternratgeber ‚Das Geheimnis glücklicher Kinder‘ wie Eltern die Psyche ihres Kindes ab dem Babyalter allein durch Sprache unbewusst prägen.2 Biddulph rät Eltern unter anderem, darauf zu achten, wie sie etwas sagen und positive Formulierungen zu verwenden. Klettert ein Kind beispielsweise auf einen Baum und Mama ruft: „Fall nicht vom Baum“, muss das Kind unmittelbar an zwei Dinge denken: „nicht“ und „vom Baum fallen“. Gleichzeitig stellt es sich lebhaft vor, wie es wäre, vom Baum zu fallen, und läuft so tatsächlich eher Gefahr herunterzufallen. Besser wäre eine positive Formulierung wie: “Halte dich gut fest“. Das Kind lernt so positiv zu denken und sich vorzustellen, was es tun soll – und nicht, was es nicht tun soll.

Du bist, was Mama isst: Essverhalten und Geschmacksbildung werden vorgelebt

Kinder brauchen Vorbilder – sie orientieren sich in vielen Verhaltensweisen nicht daran, was Mama und Papa ihnen erzählen, sondern was sie von den Erwachsenen konkret vorgelebt bekommen. Auch beim Essverhalten vermischen sich angeborene Vorlieben und Prägungen von außen. Kinder übernehmen gerne die Geschmacksvorlieben und Ernährungsgewohnheiten der Eltern: Mehr zum Thema Kinder-Ernährung lesen Sie hier

Mir reicht‘s, ich geh schaukeln! Freiraum für glückliche Kinder und glückliche Eltern

Gesunde Kinder sind laut, turbulent und bewegen sich gerne. Wenn es Ihnen gelingt, dafür zu sorgen, dass Ihr Baby und heranwachsendes Kind viel Bewegung an der frischen Luft bekommt und seine körperlichen Fähigkeiten testen und trainieren kann, wird seine Psyche ausgeglichener und zufriedener sein. Bewegung ist für den Körper gut, sorgt für eine gesunde Kinderseele und beugt einer kindlichen Depression vor. Zahlreiche Studien belegen die positiven Auswirkungen von Bewegung auf die kindliche Psyche, so zum Beispiel die „Trondheim Early Secure Study“ von 20173. Was für Kinder gut ist, gilt übrigens auch für Eltern – achten Sie auf sich und Ihr Wohlbefinden, denn nur, wenn es Ihnen gut geht, können Sie auch voll und ganz für Ihr Kind da sein.

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