Mengenelemente und Elektrolyte in der Schwangerschaft

Nahezu jeder Mensch hat schon einmal von der Bedeutung der Elektrolyte für unseren Körper gehört. Vor allem im Bereich des Leistungssports aber auch im alltäglichen Leben taucht dieser Begriff immer wieder auf. Doch welche Rolle spielen Elektrolyte in einer Schwangerschaft und in welchem Zusammenhang stehen sie mit den sognannten Mengenelementen?

Was genau sind eigentlich Mengenelemente?

Abbildung verschiedener Mengenelemente: Makroelemente und Elektrolyte sind wichtig in der Schwangerschaft.

Materie bestehen aus chemischen Elementen – so auch der menschliche Körper. Den Hauptteil bilden hierbei mit etwa 96 Prozent die sogenannten Grundelemente Sauerstoff, Kohlenstoff, Wasserstoff und Stickstoff. Dicht gefolgt von den Mengenelementen (auch: Makroelemente), die mit ihren rund drei Prozent einen deutlich geringeren Anteil an der Körpermasse haben.1 Zu ihnen zählen mit einer Konzentration von über 50 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht folgende Mineralstoffe:

Mengenelemente können allerdings auch in der Form von Elektrolyten vorliegen. Elektrolyte sind definiert als chemische Stoffe, die in der Lage sind, die elektrische Spannung an den Zellwänden zu regulieren. Dies ist unter anderem wichtig für die Erregungsweiterleitung am Herzen. Gerät sie ins Stocken, können beispielsweise Herzrhythmusstörungen entstehen. Alle Mengenelemente (bis auf Schwefel) erfüllen in unserem Körper als Elektrolyt – vor allem auch während einer Schwangerschaft – höchst wichtige Aufgaben.

Hinweis:

Einen noch geringeren Anteil am Körper haben die Spurenelemente. Diese sind – wie ihr Name schon verrät – nur „in Spuren“ im menschlichen Organismus zu finden und machen etwa ein Prozent der Gesamtmenge aus. Ihr Gehalt liegt (mit der Ausnahme von Eisen) bei unter 50 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht. Zu ihnen zählen unter anderem auch Chrom, Jod, Kobalt, Kupfer, Fluor, Selen und Zink.

Diese Aufgaben haben Elektrolyte in der Schwangerschaft

Makroelemente liegen in einer flüssigen Umgebung wie dem Blut meistens in ihrer ionisierten Form vor, also als negativ oder positiv geladene Teilchen. Aufgrund dieser elektrischen Ladungen werden sie als Elektrolyte bezeichnet. Ihre Aufgaben umfassen die Flüssigkeitsverteilung im Körper, die Aufrechterhaltung des pH-Wertes und die Signalübertragung der Nerven. Die wichtigsten Elektrolyte sind:

  • Calcium (Ca2+): Spielt eine wichtige Rolle beim Aufbau der Knochen und Zähne – auch denen des ungeborenen Kindes. Besonders wichtig ist es im Körper für die Übertragung von Nervenimpulsen und die Muskelkontraktion.
  • Phosphat (PO43-): Phosphor kommt im menschlichen Körper in der chemischen Verbindung Phosphat vor. Es dient der Energiegewinnung, dem Knochenaufbau und der Zellteilung, womit ihm als Elektrolyt in der Schwangerschaft beim Wachstum des Embryos eine große Bedeutung zukommt.
  • Kalium (K+): Zuständig für die Übertragung von Nervenimpulsen und die Aufrechterhaltung des Wasserhaushaltes im Körper. Außerdem sorgt es für eine regelmäßige Herztätigkeit.
  • Natrium (Na+): Reguliert ebenfalls den Wasserhaushalt und ist wichtig für die Erregbarkeit von Muskelzellen und ein ausgeglichenes Säure-Basen-System.
  • Chlorid (Cl): Im Körper ist Chlor größtenteils als Chlorid an Natrium gebunden und beeinflusst die Wasserverteilung im Körper, die Nervenleitung und den Säure-Basen-Haushalt.
  • Magnesium (Mg++): Dieser Mineralstoff ist als Elektrolyt in der Schwangerschaft von größter Wichtigkeit, um einen gesunden Knochenaufbau des Neugeborenen zu gewährleisten und die Knochengesundheit der werdenden Mutter zu erhalten.

Je ausgewogener die Versorgung mit diesen lebensnotwendigen Elektrolyten ist, desto reibungsloser können die in der Schwangerschaft notwendigen Wachstumsprozesse ablaufen.

Elektrolyte in der Schwangerschaft: Wie viel wovon?

Die genannten Mengenelemente und Elektrolyte sind auch in der Schwangerschaft essentiell. Dies bedeutet, dass sie dem Körper in ausreichender Menge über die Nahrung zugeführt werden müssen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung gibt folgende Schätzwerte zur täglichen Aufnahme der Makroelemente an 2:

Mengenelement Zufuhr in Miligramm pro Tag
Calcium 1000
Phosphor 800
Kalium 4000
Natrium 1500
Chlorid 2300
Magnesium 310

Die angegebenen Werte entsprechen denen, die auch eine nicht-schwangere Frau in einem Alter von 25 bis 51 Jahren täglich zu sich nehmen sollte. Lediglich zwei Elektrolyte bilden hierbei während der Schwangerschaft eine Ausnahme: Der Phosphorbedarf steigt um 100 Milligramm, der Magnesiumbedarf um zehn Milligramm pro Tag an. Dies liegt daran, dass der Fötus die Stoffe vermehrt für sein Wachstum benötigt.

Zu Schwefel existieren keine genauen Angaben über die täglich notwendige Zufuhr, da dieser Mineralstoff in der Regel in ausreichenden Mengen aufgenommen wird.

So decken Sie Ihren Bedarf an Mengenelementen

Bei einer ausgewogenen Ernährung kann der gesamte Nährstoffbedarf des Körpers gedeckt werden. Damit es aber auch während der Schwangerschaft zu keinem Mangel an wertvollen Elektrolyten und anderen lebensnotwendigen Stoffen kommt, muss hier noch genauer auf die Nahrungsaufnahme geachtet werden. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt vor allem Folsäure und Jod zusätzlich in Form von Nahrungsergänzungsmitteln aufzunehmen.

Um den täglichen Bedarf an Calcium zu decken, spielen vor allem Milchprodukte, Nüsse und grünes Gemüse eine Rolle. Gute Lieferanten für Phosphor können Fleisch, Linsen, Weizenkleie und Haferflocken sein. Um einem Mangel an Kalium vorzubeugen, ist der Verzehr von Spinat, Fisch und Bohnen angeraten. Chlorid kommt vor allem in Käse, Fleisch und Getreideprodukten vor, während Magnesium vor allem in Hülsenfrüchten, Nüssen und Spinat zu finden ist. Natrium gehört wie Schwefel zu den Makroelementen, deren Zufuhrempfehlung laut nationaler Verzehrstudie in der Bevölkerung zu nahezu 100 Prozent erreicht wird3. Dies liegt vor allem daran, dass die wesentliche Natriumquelle für den Menschen Kochsalz ist und Schwefel in fast jedem Lebensmittel als Bestandteil vorkommt.

Wie hoch der genaue Mineralstoffgehalt in den genannten Lebensmitteln ist, hängt zu einem großen Teil von ihrem Anbau, ihrer Herstellung und ihrer Verarbeitung ab. Achten Sie daher bei der Wahl Ihrer Lebensmittel auf deren Herkunft und auf eine möglichst schonende Zubereitung.

Zu Störungen im Elektrolythaushalt und damit möglicherweise zu Mangelzuständen führen unter anderem starkes Schwitzen und Erbrechen oder Durchfälle – häufige Beschwerden in der Schwangerschaft. Hierbei kann sich das Gleichgewicht der Elektrolyte so weit verschieben, dass es zu Schwindel, Übelkeit und Erschöpfung kommt. In schwereren Fällen können auch Herzrhythmusstörungen, Muskelkrämpfe, Muskelschwäche und Wassereinlagerungen die Folge sein. Im Zweifelsfall sollten Sie daher immer den Rat eines Arztes einholen.

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1Menche, Nicole: Biologie, Anatomie, Physiologie. München: Urban & Fischer 2003. S. 14.
2Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. URL: http://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/ (29.01.2018).
3Max Rubner-Institut: Nationale Verzehrsstudie II. URL: https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Ernaehrung/NVS_Ergebnisbericht.pdf;jsessionid=4D724F298370530874B126244975CF1F.1_cid376?__blob=publicationFile (30.01.2018).