Kosmetik in der Schwangerschaft: Worauf Sie achten sollten

29. Juli 2020
16 Min.

Stoffe, denen Schwangere ausgesetzt sind, haben auch eine Wirkung auf das Baby in ihrem Bauch. Haare färben? Bräunungscreme verwenden? Oder die Nägel lackieren? Davon ist nicht alles während der Schwangerschaft erlaubt. Lesen Sie, auf was Sie achten sollten und welche Inhaltsstoffe als kritisch für die Entwicklung des Babys gelten.

Schwangere Frau cremt sich mit unbedenklichem Kosmetikprodukt den Bauch ein.


Überblick:


Kosmetik in der Schwangerschaft – die wichtigsten Fragen:

Ist Haare färben in der Schwangerschaft erlaubt?

Grundsätzlich gibt es bislang keine Hinweise darauf, dass die verwendeten chemischen Substanzen ins Blut und von dort zum Ungeborenen gelangen. Es ist aber auch nichts gegenteiliges bekannt. Deshalb raten die meisten Experten vom Färben der Haare in der Schwangerschaft ab.

Was ist beim Make-up in der Schwangerschaft zu beachten?

Da Wimperntusche, Lidschatten und Co. nur auf der Hautoberfläche aufgetragen werden, spricht nichts gegen die Verwendung von Make-up in der Schwangerschaft.

Dürfen Schwangere sich die Zähne bleichen (Bleaching)?

Zwar ist es nicht grundsätzlich verboten, dennoch wird in der Schwangerschaft vom Zahn-Bleaching abgeraten. Der Grund: Es ist noch nicht ausreichend erforscht, wie sich die verwendeten chemischen Stoffe auf das Baby auswirken.

Welche kosmetischen Inhaltsstoffe gelten als kritisch?

Bei der Verwendung von Kosmetika in der Schwangerschaft sollten Frauen unter anderem auf folgende kritische Substanzen verzichten: Retinoide, Tetracyclin, Parabene, Dermatika, Phthalate, Formaldehyd sowie Triclosan.


Färben, tönen, waschen: Haarpflege in der Schwangerschaft

Manche Frauen wollen auch in der Schwangerschaft nicht auf das Färben ihrer Kopfhaare verzichten. Dabei gibt es jedoch ein Problem: In herkömmlicher Haarfarbe finden sich verschiedene Chemikalien wie Ammoniak. Bislang gibt es zwar keine Hinweise dafür, dass die Substanzen über die Kopfhaut der Schwangeren in den Blutkreislauf bis zum Fötus gelangen und dessen Entwicklung schädigen. Die Möglichkeit kann jedoch aufgrund der Vielzahl an Produkten und Inhaltsstoffen nicht ausgeschlossen werden. Daher raten die meisten Experten vom Färben der Haare in der Schwangerschaft ab.

Werdende Mütter müssen dennoch nicht auf die Farbenpracht verzichten. Es gibt Alternativen, so zum Beispiel:

  • Peppen Sie Ihre natürliche Haarfarbe mit Strähnchen auf. Hierbei kommt die Farbe in der Regel nicht mit der Kopfhaut in Berührung.
  • Verwenden Sie Haarfärbemittel auf pflanzlicher Basis (Naturprodukte, Henna).
  • Färbeshampoos sind ebenfalls eine Möglichkeit. Diese enthalten meist natürliche, schonende Farbstoffe aus beispielsweise Walnuss oder Kastanie.

Übrigens: Während der Schwangerschaft spielen die Hormone im Körper verrückt – das kann sich auch auf die Haarstruktur auswirken. In der Folge kann es sein, dass beim Färben der Haare nicht das gewünschte Ergebnis erzielt wird. Um herauszufinden, wie die Haare auf die Farbe reagieren, sollte das Haarfärbemittel zunächst an einer Strähne ausprobiert werden. Wer auf Nummer sicher gehen will, sucht am besten einen Friseur auf. Er kennt sich mit kritischen Inhaltsstoffen aus und kann Sie entsprechend beraten. Bei Unsicherheit ist zudem der Frauenarzt ein guter Ansprechpartner.

Gut zu wissen:

Blondieren, dauerhaftes Glätten oder Dauerwelle – auch bei diesen Haarverschönerungen wird während der Schwangerschaft zur Vorsicht geraten, da hier oftmals Chemikalien wie Formaldehyd zum Einsatz kommen. Diese gelten als potenziell gesundheitsgefährdend, beispielsweise steht Formaldehyd im Verdacht, Krebs zu erzeugen.9

Vom Haarefärben einmal abgesehen, haben einige Frauen in der Schwangerschaft meist noch ein anderes Problem: Sie kämpfen mit fettigem oder sprödem Haar. Dagegen gibt es im Handel Shampoo ohne Silikone, PEGs (Polyethylenglykole) und anderen Substanzen wie Farb- oder Duftstoffe zu kaufen. Alternativ kann eine Spülung mit lauwarmem Brennesselwasser, Trockenshampoo oder Heilerde helfen.

Wer hingegen unter Schuppen in der Schwangerschaft leidet, sollte bei speziellen Anti-Schuppen-Shampoos vorsichtig sein. Einige davon enthalten Stoffe wie Salicylsäure oder Teer, die über die Haut aufgenommen werden und so zum Kind gelangen können. Auf das Ungeborene wirken die Inhaltsstoffe möglicherweisen schädigend. Es gibt jedoch Spezialshampoos, die auch in der Schwangerschaft zum Einsatz kommen dürfen – am besten lassen Sie sich in der Apotheke beraten. Wer trotzdem auf Nummer sicher gehen will, greift zu Hausmitteln wie lauwarmem Brennnesseltee oder zinkhaltiger Haartinktur.

Schöne Haut in der Schwangerschaft: Selbstbräuner und Co.

Ob Sie nun Beinhaare entfernen möchten oder sich einen schönen Teint wünschen — in der Schwangerschaft sollten Sie nicht alle Kosmetika an Ihre Haut lassen. Welche Produkte sind erlaubt und was ist tabu?

Selbstbräunungscreme

Wenn der Sommer beginnt, wünschen sich viele Frauen gebräunte Haut. Einige greifen dann zu Selbstbräunern. Doch ist das auch in der Schwangerschaft zulässig? Ja, Selbstbräunungssprays und -Cremes können von werdenden Müttern bedenkenlos angewandt werden. Der Grund: Die chemische Färbung wirkt lediglich auf der obersten Hautschicht. Der Inhaltsstoff von Selbstbräunern, meist Dihydroxyaceton (DHA), reagiert mit den Aminosäuren in den obersten Hornzellen der Haut. Dieser Vorgang gilt selbst bei regelmäßiger Anwendung in der Schwangerschaft als unproblematisch.

Aber: Achten Sie darauf, Produkte ohne Psoralene (Kohlenwasserstoff-Verbindung) zu kaufen. Diese dienen als Bräunungsbeschleuniger und stehen im Verdacht, Krebs zu erzeugen.

Sonnencreme

Wer sich natürlich bräunen lassen möchte, sollte auf ausreichend Sonnenschutz achten. Der Grund: Die Haut von Schwangeren ist besonders lichtempfindlich, weshalb es häufiger zu beispielsweise Hautreizungen, Hautverfärbungen oder Sonnenallergien kommen kann. Daher empfehlen sich Sonnencremes mit hohem Lichtschutzfaktor. Am besten greifen Sie auf Produkte mit mineralischen Filtern zurück: Substanzen wie Zinkoxid und Titandioxid bilden eine Schutzschicht auf der Haut, wodurch sie die UV-Strahlung reflektieren und so ein Eindringen in die Haut verhindern.

Schon gewusst?

Während der Schwangerschaft produziert der weibliche Körper vermehrt Melanin, ein Pigment, das unter anderem für die Färbung der Haut zuständig ist. Aufgrund der erhöhten Produktion kann es sein, dass es bei Sonneneinstrahlung zu Pigmentveränderungen kommt. Zudem werden bei einigen Schwangeren Muttermale, Sommersprossen sowie Pigmentflecken dunkler.

Übrigens: Auf übermäßiges Sonnenbaden sollten Sie während der Schwangerschaft verzichten. Einerseits, weil Ihr Körper auf die warmen Temperaturen möglicherweise mit Kreislaufproblemen reagiert. Andererseits gibt es Hinweise darauf, dass eine intensive Sonneneinstrahlung zu einem Abbau von Folsäure führt. Ein Mangel des wichtigen Vitamins kann Fehlbildungen beim Baby zur Folge haben. Insbesondere Frauen im ersten Trimester sollten auf Ihre Folsäureversorgung achten, um Entwicklungsstörungen beim Kind zu verhindern.

Enthaarungscreme

Im Sommer Rock oder kurze Hosen tragen — aber bitte ohne lästige Beinhaare. Wer unschöne Haare, sei es an den Beinen, der Bikinizone oder unter den Achseln loswerden möchte, aber keine Lust auf Rasieren hat, dem bieten sich Enthaarungscremes an. Auch für Schwangere gelten diese Produkte als unbedenklich. Alternativen zur chemischen Haarentfernung stellen Cremes aus reinen Naturprodukten mit beispielsweise Bienenwachs dar.

Deodorants und Antitranspirants

Während Deodorants sicherstellen, dass es bei Schweißbildung unter den Achseln nicht unangenehm riecht, hemmen Antitranspirants den Schweißfluss mithilfe von Aluminiumsalzen. Letztere gelten jedoch — nicht nur in der Schwangerschaft — als umstritten, da sie im Verdacht stehen, das Krebsrisiko zu erhöhen. Werdende Mütter sollten deshalb auf Antitranspirants verzichten. Gegen ein Deodorant — am besten aus zertifizierter Naturkosmetik und ohne Duftstoffe — spricht hingegen nichts.

Pickelcreme

Aufgrund der hormonellen Veränderungen kämpfen manche Frauen, vor allem im ersten Schwangerschaftsdrittel, mit Hautveränderungen. Während sich dies bei einigen Schwangeren positiv äußert und die Haut rein sowie feinporig wirken lässt, leiden andere an vermehrten Pickeln und Unreinheiten.

Um dem Problem entgegenzuwirken, können Sie folgende Maßnahmen ergreifen.

  • Setzen Sie auf sanfte und gründliche Pflege. Am besten reinigen Sie die Haut mit einem pH-neutralen Reinigungsmittel.
  • Für die Tagespflege bieten sich ölfreie Feuchtigkeitscremes an.
  • Auf Peelings müssen Schwangere ebenfalls nicht verzichten. Dabei sollten die Produkte jedoch keine chemischen Wirkstoffe enthalten, sondern lieber Heilerde oder Salz als Basis aufweisen.

Bei sehr starken Hautunreinheiten ist es ratsam, den Hautarzt aufzusuchen. Er kann geeignete, für Schwangere zugelassene Präparate verschreiben.

Was ist beim Make-up in der Schwangerschaft zu beachten?

Bei Make-up handelt es sich um kosmetische Produkte, die lediglich auf der Hautoberfläche aufgetragen werden. Daher ist davon auszugehen, dass keine negativen Auswirkungen für das Ungeborene bestehen. Sie können daher Wimperntusche, Lippenstift und Co. weiterhin bedenkenlos anwenden.

Anders sieht es jedoch mit permanent Make-up aus. Zwar liegen derzeit noch keine eindeutigen Daten zum Kosmetikprodukt vor, allerdings handelt es sich dabei um eine Art der Tätowierung. Dabei werden Farbpigmente in die Haut injiziert und möglicherweise vom Körper aufgenommen. Die Farbe kann in den Blutkreislauf und von dort zum ungeborenen Kind gelangen. Aufgrund des potenziellen Risikos führen seriöse Kosmetikstudios deshalb keine permanent Make-up-Behandlung bei Schwangeren durch.

Darf Lack an meine Nägel?

Der Einsatz von Nagellack und Nagellackentferner ist auch in der Schwangerschaft bedenkenlos möglich. Zwar enthalten beide Produkte giftige Stoffe, jedoch sind diese in unerheblichen Mengen enthalten, sodass gesundheitliche Folgen als unwahrscheinlich gelten. Um das Einatmen von Dämpfen und Gerüchen beim Auftragen oder Entfernen des Lacks zu verringern, achten Sie sowohl Zuhause als auch im Kosmetikstudio auf ausreichend Belüftung und Abstand.

Und wie sieht es mit künstlichen Nägeln aus? Während der Schwangerschaft sollten Sie auf Acrylnägel besser verzichten, da die verwendeten chemischen Substanzen als fragwürdig gelten. Anders sieht es mit Gelnägeln aus. Zu beachten ist dann jedoch, dass die künstlichen Nägel möglicherweise nicht richtig haften oder sich schon nach kurzer Zeit lösen. Schuld sind auch in diesem Fall die Hormone, welche die Struktur der Nägel verändern.

Zahn-Bleaching während der Schwangerschaft — eine gute Idee?

Für ein strahlendes, weißes Lächeln gibt es die Möglichkeit des Zahn-Bleachings (Zähne bleichen). Die ästhetische Behandlung ist zwar während der Schwangerschaft nicht generell verboten, allerdings sollten Sie sie lieber meiden. Der Grund: Es ist noch nicht ausreichend erforscht, inwieweit sich die Behandlung mit den chemischen Substanzen auf die Entwicklung des Kindes auswirkt. Zudem kann die hohe Konzentration des Bleichmittels das Zahnfleisch angreifen — dieses ist durch die hormonelle Umstellung gerade bei werdenden Müttern sehr empfindlich und wird stärker durchblutet. Alternativ zum Bleaching empfiehlt sich die professionelle Zahnreinigung (Dentalhygiene) beim Zahnarzt, mit der bis zu einem gewissen Maß ebenfalls eine Aufhellung erreicht wird.

Tipp:

In der Schwangerschaft nimmt die hormonelle Umstellung ebenfalls Einfluss auf die Zähne, beispielsweise kann sich das Zahnfleisch leichter entzünden. Eine gute Mund- und Zahnhygiene ist deshalb umso wichtiger. Experten empfehlen deshalb, ab dem vierten Monat mehr als zweimal täglich die Zähne zu putzen und während der Schwangerschaft mindestens zweimal zum Zahnarzt zu gehen.1

Kosmetik- und Pflegeprodukte: Schädliche Stoffe im Überblick

Egal ob Hautcreme, Shampoo oder Make-up — zwar sind die meisten Inhaltsstoffe in geringen Mengen unbedenklich, dennoch sollte Frau in der Schwangerschaft besondere Vorsicht walten lassen. Denn einige Inhaltsstoffe in kosmetischen Produkten gelten als gefährlich für das (ungeborene) Kind.

Welche Substanzen Schwangere und Stillende besser meiden sollten, kann der nachfolgenden Tabelle entnommen werden:

Inhaltsstoff Vertreter Kritisch, denn sie können…
Retinoide (chemische Substanz; beispielsweise zur Therapie von Schuppenflechte oder Akne) Retinsäure, Retinylpalmitat, Retinaldehyd, Adapalene, Tretinoin, Tazaroten, Isotretinoin … schädigende Effekte beim Ungeborene haben (vor allem bei oraler Einnahme).2
Tetracyclin (antibiotisch wirksame Arzneistoffe; beispielsweise in Akne-Cremes enthalten) Doxycyclin, Minocyclin, Lymecyclin … sich im Skelett des Ungeborenen ablagen und zu einem gestörten Knochenaufbau führen.3
Parabene (Konservierungsmittel in Kosmetikprodukten) Methyl-, Ethyl-, Propyl-, Isopropyl-, Butyl-, Isobutyl-, Pentyl- und Phenylparaben (enden oft auf „-parabene“) … das Risiko für die Entstehung von kindlichem Übergewicht fördern.4
Dermatika (Depigmentierungsmittel) Hydrochinon, Arbutin, Kojisäure … zu lokalen Irritationen der Haut führen (Hydrochinon)5; unter Umständen Leberschäden begünstigen (Arbutin)6; Hautirritationen und allergische Reaktionen wie eine Kontaktdermatitis hervorrufen (Kojisäure).7
Phthalate / Phthalsäureester (Weichmacher in Kosmetikprodukten) Diethylphthalat (DEP), Dimethylphthalat (DMP) (enden oft auf „-phthalat“) … das Risiko für die Entwicklung von allergischem Asthma erhöhen.8
Formaldehyd (Konservierungsmittel in kosmetischen Mitteln) Methanal, Methylaldehyd, Oxomethan, Formylhydrat, Ameisensäurealdehyd, Ameisenaldehyd, Formalin/Formol … Krebs erzeugen.9
Triclosan (Konservierungsmittel in Kosmetikmitteln; desodorierende Substanz) 5-Chlor-2-(2,4-dichlorphenoxy)phenol … Einfluss auf den Hormonhaushalt nehmen, beispielsweise den früheren Beginn der weiblichen Pubertät begünstigen.10
Aceton, Phenol, Trichlorethylen (Lösungsmittel in beispielsweise Nagellackentferner) … das Risiko für eine Fehlgeburt erhöhen.11
Tanja Albert
Redakteur/in