Durchfall bei Babys: Ursachen und Hilfe

16. August 2020
11 Min.

Da das Verdauungssystem von Säuglingen erst noch ausreifen muss, sind Probleme im Magen-Darm-Trakt keine Seltenheit. Dabei gehört Durchfall zu den Beschwerden, die Babys im ersten Lebensjahr häufiger begleiten. Die Ursachen hierfür sind recht unterschiedlich und können von einer Darminfektion bis zur Lebensmittelvergiftung reichen. Infolge des Durchfalls verlieren die Kleinen allerdings viel Flüssigkeit, weshalb Eltern vor allem darauf achten müssen, dass ihr Schützling ausreichend trinkt.

Baby weint, weil es an Durchfall leidet.


Überblick:


Durchfall beim Baby: Die häufigsten Fragen

  • Welche Ursachen kommen für Durchfall beim Baby infrage?
    Meist liegt dem Durchfall beim Baby eine viral oder bakteriell bedingte Infektion zugrunde. Andere Ursachen können beispielsweise verunreinigte Nahrungsmittel oder eine Lebensmittelunverträglichkeit sein.
  • Wie lange hat ein Baby normalerweise Durchfall?
    Die Verdauungsbeschwerde kann bei Babys über mehrere Tage hinweg andauern.6
  • Was ist zu tun, wenn das Baby Durchfall hat?
    Da der Säugling viel Flüssigkeit verliert, ist vor allem das Trinken wichtig. Auch eine Anpassung der Beikost kann sinnvoll sein.
  • Wann sollten Eltern mit ihrem Kind bei Durchfall zum Arzt?
    Hält akuter, starker Durchfall länger als 6 Stunden an, sollten Sie einen Kinderarzt aufsuchen.1 Es gibt jedoch noch andere Hinweise, beispielsweise weißer oder blutiger Stuhlgang, bei dem ärztlicher Rat gefragt ist.

Wann ist von Durchfall die Rede?

Im ersten Lebensjahr verändert sich der Stuhlgang von Babys immer wieder – sowohl Farbe (von schwarzgrün bis hellgelb) als auch Konsistenz (weich bis flüssig) variieren. In der Regel müssen sich Eltern hier keine Sorgen machen. Aber: Der Stuhlgang kann durchaus Hinweise darauf liefern, ob mit dem Säugling alles in Ordnung ist. Aufhorchen sollten Eltern unter anderem bei Durchfall (Diarrhö). Ein solcher liegt vor, wenn

  • mehr als fünf Stuhlgänge täglich vorliegen,
  • der Stuhlgang unangenehm riecht und
  • flüssiger als normalerweise ist.1

Zudem wird Diarrhö meist noch von weiteren Symptomen begleitet, beispielsweise einer angespannten Bauchdecke, Bauchschmerzen oder Blähungen.

Mögliche Ursachen für Durchfall beim Baby

Leidet ein Baby an Durchfall, steckt in der Regel eine durch Viren oder Bakterien bedingte Infektion dahinter. Möglich ist beispielsweise eine Darminfektion, deren Auslöser häufig Rota- oder Noroviren sind. Die hochansteckenden Erreger werden per Schmierinfektion übertragen: Berühren Eltern kontaminierte Gegenstände wie Türklinken, Telefone oder Wasserhähne und fassen Ihrem Baby danach mit den Händen ins Gesicht, können die Viren in den Körper gelangen. Auch eine Übertragung über verunreinigte Lebensmittel oder das Trinkwasser ist denkbar.

Löst Zahnen Durchfall aus?

Viele Eltern beobachten, dass ihr Säugling während des Zahnens an Durchfall leidet. Jedoch stehen die beiden Symptome in keiner direkten Verbindung. Denn im Gegensatz zur weit verbreiteten Meinung, schwächt und belastet das Durchbrechen der ersten Beißerchen das kindliche Immunsystem nicht gravierend. Allerdings fällt bei den meisten Babys das erste Zahnen – etwa um den 6. Monat herum –2 mit dem Ende des Nestschutzes zusammen. Dabei handelt es sich um einen natürlichen Schutz vor Infektionskrankheiten, der jedoch mit der Zeit nachlässt. In der Folge sind vermehrt Infekte mit beispielsweise Durchfall, Erbrechen oder Fieber möglich. Das Auftreten der Symptome wird fälschlicherweise mit dem Zahnen in Verbindung gebracht.

Das Durchfallrisiko steigt, sobald das Baby Beikost erhält. Dann können weitere Ursachen zu wässrigem Stuhl führen, so beispielsweise:

  • verdorbene oder verunreinigte Lebensmittel wie ungewaschenes Obst oder ungekühltes Fleisch
  • ungünstige Ernährungsweise, beispielsweise zu viel Fruchtsaft
  • Lebensmittelunverträglichkeiten, zum Beispiel Glutenintoleranz

Darüber hinaus ist es denkbar, dass Medikamente, unter anderem Antibiotika, oder Stress (beispielsweise ausgelöst durch zu viele Besucher oder äußere Eindrücke) zu Durchfall beim Baby führen. Diarrhö kann zudem als Begleiterscheinung einer Mittelohrentzündung oder anderer Infekte wie Dreitagefieber auftreten. Weitere Anzeichen sind dann meist vermehrtes Schreien, Nahrungsverweigerung sowie eine erhöhte Temperatur (zwischen 37,6 und 38,5 Grad Celsius).3

Sind gestillte Babys vor Durchfall geschützt?

Größtenteils ja. Denn das Voll- und Teilstillen stellt für Kinder in den ersten Lebensmonaten einen effektiven Schutz vor Durchfallerkrankungen dar. Es wird angenommen, dass die Abwehrfaktoren in der Muttermilch die kindliche Immunfunktion unterstützen.4

Warum Durchfall für das Baby gefährlich werden kann

Hat ein Kind Diarrhö, verliert es neben Flüssigkeit wichtige Mineralstoffe wie Natrium und Kalium. Der kindliche Körper kann folglich schneller austrocknen und es kommt zu Störungen im Elektrolythaushalt. Vor allem dann, wenn es zusätzlich zu Erbrechen, hohem Fieber oder schlechtem Trinkverhalten kommt.

Eine drohende Dehydrierung (Austrocknung) zeigt sich typischerweise durch:

  • trockenen Mund
  • weiße Haut ohne Spannung
  • tiefe Mundatmung
  • Müdigkeit
  • wenig Urin

Bei den genannten Anzeichen sollten Sie umgehend handeln und einen Arzt aufsuchen. Wird der Flüssigkeitsverlust nicht ausgeglichen, kann dies beim Baby zu ernsten Problemen führen. In der Folge ist beispielsweise eine Störung des Stoffwechsels möglich, wodurch sich lebenswichtige Körperfunktionen nicht mehr aufrechterhalten lassen.

Hilfe bei Durchfall: Auf ausreichend Flüssigkeit achten

Um eine Austrocknung des Körpers zu verhindern, ist es wichtig, dass Ihr Nachwuchs bei Diarrhö ausreichend trinkt. Stillbabys sollten unbedingt weitergestillt werden und auch Flaschenkinder erhalten weiterhin die gewohnte Milchnahrung.5

Aha!

Auch bei richtiger Behandlung bleibt der Durchfall bei Babys meist über 2 bis 3 Tage bestehen.6

Zusätzlich sollte bei unkomplizierten Durchfallerkrankungen zu fertigen Glukose-Elektrolyt-Lösungen aus der Apotheke gegriffen werden, um das Ungleichgewicht im Mineralhaushalt – bedingt durch Verlust von Flüssigkeit und Salzen – auszugleichen. Bei Flaschenkindern kann das Pulver einfach mit Tee oder der Milchnahrung vermengt werden, während Stillbabys die Trinklösung während des Stillens mit einer Spritze nach und nach erhalten.

Ein Nachteil der Glukose-Elektrolyt-Mischungen ist jedoch, dass sie Kindern nicht schmecken und deshalb wenig gut angenommen werden. Alternativ bietet sich bei milder Symptomatik die Gabe von verdünntem Apfelsaft an. Das Getränk enthält reichlich Mineralien und kann gegen eine leichte Dehydration helfen.7 Ob Ihr Baby bereits alt genug ist, um Fruchtsaft zu trinken, weiß der Kinderarzt oder die Hebamme.

Wichtig!

Bei der Gabe von Elektrolytlösungen sollten Sie immer genau die Gebrauchsanleitung beachten. Bei falscher Dosierung sind Nebenwirkungen wie Durchfall oder Erbrechen möglich.

Handelt es sich um ein älteres Kind, das bereits Beikost erhält, können auch folgende Hausmittel zum Einsatz kommen:

  • Geriebene Äpfel sind reich an Pektin, einem Ballaststoff, der Wasser aufnimmt und so für ein Eindicken des Stuhlgangs sorgt.
  • Eine reife, zerdrückte Banane ist leicht verdaulich und enthält viel Kalium sowie Magnesium. Die Nährstoffe eignen sich dazu, den Mineralstoffhaushalt des Kindes wiederherzustellen.
  • Auch eine Reisschleimsuppe ist ein bewährtes Hausmittel bei Durchfall. Hierfür vermengen Sie 3 gehäufte Teelöffel Reisflocken mit 100 Millilitern gekochtem Wasser (abkühlen auf 60 Grad Celsius), 1 Prise Salz sowie 2 Teelöffeln Traubenzucker.8

Und wie sieht es mit Cola-Getränken bei Durchfall aus? Von solchen sollten Sie lieber absehen. Der Grund: Die Getränke enthalten viel Zucker, was die Wasserausscheidung sogar verstärkt – der Körper verliert bei Durchfall demnach noch mehr Wasser.

Tipp für die ganze Familie:

Um infektiöse Ansteckungen als Ursache für Durchfall zu vermeiden, sollten sich alle Familienmitglieder regelmäßig die Hände waschen – nach jedem Toilettengang, dem Wechseln von Windeln sowie vor jedem Essen. Sorgfältige Sauberkeit gilt auch bei der Zubereitung von Mahlzeiten.

Wann Sie besser einen Kinderarzt aufsuchen

Kommt es bei Babys zu akutem Durchfall, der länger als 6 Stunden anhält, sollten Sie einen Termin beim Kinderarzt vereinbaren.1 Gleiches gilt, wenn die folgenden Symptome oder Umstände eintreten:

  • Findet sich bei Stillbabys weißer Stuhl in der Windel, ist dies möglicherweise ein Hinweis darauf, dass die Gallenausscheidung nicht einwandfrei funktioniert.
  • Blutiger Durchfall kann ein Warnsignal für das Vorliegen einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa sein. In seltenen Fällen kann auch eine bakterielle Infektion mit Shigellen hinter dem Symptom stecken.
  • Treten weitere Symptome wie Fieber und/oder Erbrechen auf, lässt dies auf eine Entzündung des Magen-Darm-Trakts schließen.
  • Sind Lippen sowie Zunge trocken und uriniert Ihr Kind seltener als alle 6 Stunden, sind dies frühe Anzeichen für eine Austrocknung.9

Wenn Sie sich unsicher oder überfordert mit der Situation fühlen, sollten Sie ebenfalls nicht zögern, einen Arzt aufzusuchen oder Ihre Hebamme zu kontaktieren.

Übrigens:

Von chronischem Durchfall ist die Rede, wenn die Symptomatik länger als 10 bis 20 Tage besteht.10 Als Ursache kommen sowohl funktionelle Verdauungsstörungen wie ein Reizdarm oder Reizmagen als auch Lebensmittelunverträglichkeiten infrage.

Tanja Albert
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Medizinredakteurin
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