Reizdarm bei Kindern und Babys: Was Sie darüber wissen müssen

22. November 2018

Ihr Kind leidet schon länger an Verdauungsproblemen wie Durchfall, Verstopfung oder klagt über Bauchkrämpfe? Dann könnte ein Reizdarm dahinterstecken. Treten solche dauerhaften Symptome auf, geht damit vor allem bei den Kleinen eine Verminderung der Lebensqualität einher – Spielen beispielsweise macht mit Bauchschmerzen keinen Spaß. Was genau einen Reizdarm beim Kind auslöst, ist schwer festzustellen. Mögliche Ursachen können Störungen der Darmbewegung sowie bakterielle Infektionen sein. Gibt es noch weitere Auslöser und welche Reizdarm-Behandlung bietet sich bei Kindern an?

Reizdarm: Kind mit Magenkrämpfen

Reizdarm: Baby mit chronischen Bauchbeschwerden

Gelegentliche Beschwerden in der Magen-Darm-Gegend sind bei Kindern nicht ungewöhnlich. Doch fallen Ihnen immer wiederkehrende Unregelmäßigkeiten bei der Darmentleerung oder eine veränderte Stuhlkonsistenz in Verbindung mit Schmerzen in einem Zeitraum über drei Monate auf, könnte Ihr Kind an Reizdarm leiden.1 Folgende Merkmale sind typisch:

  • Bauchschmerzen, die sich nach dem Stuhlgang verbessern
  • eine wechselnde Häufigkeit der Darmentleerung
  • die Konsistenz des Stuhls ist verändert (fest oder wässrig)
  • Schleim wird mit dem Stuhl abgesondert

Neben diesen Anzeichen leidet ein Kind mit einem Reizdarm möglicherweise an Blähungen und einem Völlegefühl. Vor allem bei älteren Kindern tritt der Drang, auf die Toilette zu müssen, oft von einem Moment auf den anderen auf. Bemerken Sie diese Symptome bei Ihrem Kind, sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um andere ernsthafte Erkrankungen auszuschließen.

Welcher Reizdarm-Typ könnte Ihr Kind sein?

Reizdarm ist nicht gleich Reizdarm. Die Symptome der Erkrankung können von Mensch zu Mensch verschieden sein. Der Diarrhö-Typ leidet an Durchfall während der Obstipations-Typ vorwiegend mit Verstopfung kämpfen muss. Doch nicht immer sind diese Typen strikt getrennt: Beim Mischtypen treten Durchfall und Verstopfung gleich oft im Wechsel auf.

Die Ursachen eines Reizdarms sind meist unklar

Was genau löst einen Reizdarm aus? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler und Ärzte schon seit mehr als 100 Jahren. Klar ist, dass bei den Patienten der Verdauungstrakt in seiner Funktion gestört ist – jedoch liegt dabei keine organische, nachweisbare Ursache für den Reizdarm vor. Allerdings konnte durch verschiedene Studien gezeigt werden, dass die Bakterien im Darm eine Rolle spielen. Eine intakte Darmflora (Zusammensetzung aus verschiedenen Mikroorganismen, die den Darm besiedeln) ist Voraussetzung für eine gesunde Verdauung.

Sind die Gene beteiligt?

Auch hier hat die Forschung noch keine exakte Antwort. Gene, die im Zusammenhang mit einem Reizdarm stehen, wurden noch nicht gefunden. Allerdings ist man sich ziemlich sicher, dass Kinder deren Eltern erkrankt sind, eine höhere Wahrscheinlichkeit haben, ebenfalls einen Reizdarm zu entwickeln.

Gerade bei Kindern äußert sich Stress (in der Schule oder auch familiär) in den meisten Fällen durch Beschwerden im Magen-Darm-Trakt. Stress alleine löst jedoch noch keinen Reizdarm beim Kind aus. Es wird vermutet, dass eine beeinträchtigte Darmmotilität (Bewegung des Darms, um Nahrung zu transportieren) oder eine Überempfindlichkeit des Darms mit verantwortlich ist und in Kombination mit psychischen Belastungen, die Reizdarm-Symptome hervorrufen kann. Ebenso sind familiäre, vererbbare Faktoren oder häufige Darminfektionen mögliche Verursacher der Krankheit.

Kind mit Reizdarm – Behandlung meist ohne Medikamente

Kindern fällt es schwer, Symptome in der Bauchgegend genau zu beschreiben. Daher müssen gerade die kleinen Patienten mit Problemen im Magen-Darm-Trakt über einen längeren Zeitraum beobachtet werden. Eltern sind hier eine sehr große Hilfestellung für den Arzt, um Hinweise über die Zusammensetzung oder die Häufigkeit des Stuhlgangs zu geben. Im Gegensatz zu Erwachsenen erfolgt die Behandlung eines Reizdarms beim Kind häufig in Kombination mit einer psychosozialen Betreuung, da Stress bei den Kleinen oft als Auslöser angesehen wird.
Außerdem ist eine Ernährungsumstellung eine geeignete Maßnahme gegen die Reizdarm-Beschwerden. Auf welche Nahrungsmittel verzichtet werden sollte, ist von Patient zu Patient unterschiedlich. Häufig bringt der Verzicht auf glutenhaltige Speisen Besserung. Ein Symptom-Tagebuch, in dem die Mahlzeiten und die Reizdarm-Beschwerden eingetragen werden, kann helfen, die Übeltäter zu ermitteln.

Hypnose für den Darm?
Richtig gelesen: Nicht nur unser Gehirn, sondern auch das „Bauchhirn“ kann beeinflusst werden. Das sogenannte enterische Nervensystem steuert den Magen-Darm-Trakt eigenständig, steht dauernd in Kommunikation mit dem Gehirn und kann bei Reizdarm-Patienten durch eine erhöhte Reizempfindlichkeit beispielsweise Durchfall auslösen. Die Darmhypnose (durch spezialisierte Ärzte oder als Hörbücher erhältlich) soll betroffene Nerven beruhigen und so längerfristig für Linderung der Symptome sorgen. Eine bessere Eigenkontrolle der Darmaktivität kann durch die Vorstellungskraft erzielt werden, damit Patienten längerfristig weniger mit Beschwerden wie Durchfall oder Verstopfung kämpfen müssen.

Die gute Nachricht für Eltern: Wenn Ihr Kind an einem Reizdarm leidet, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sich die Probleme von alleine verbessern. Durch das Wachstum und die Entwicklung des Magen-Darm-Trakts sind viele kleine Reizdarm-Patienten innerhalb von zwei Jahren laut einer Studie beschwerdefrei.2

Reizdarm beim Baby

Auch Babys können an Reizdarm leiden. Häufig fällt es den Eltern schwer, diese Erkrankung als solche auszumachen, denn Verdauungsbeschwerden bei den Kleinsten sind nicht ungewöhnlich. Die Anpassungen an die neue Nahrung und die vollständige Ausbildung des Verdauungstraktes lösen in vielen Fällen Blähungen oder auch Verstopfungen im Darm aus. Halten die Beschwerden wie zum Beispiel wechselnde Häufigkeit der Darmentleerung oder veränderte Stuhlkonsistenz über mehrere Wochen an, sollten Sie mit Ihrem Schützling einen Arzt aufsuchen. Er stellt fest, ob es sich bei Ihrem Baby um Reizdarm handelt.

Romina Enz
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Medizinredakteurin und Biologin