Windeldermatitis bei Babys: Ursachen, Symptome & Behandlung

17. September 2019
17 Min.

Der Begriff Windeldermatitis bezeichnet unter anderem Rötungen oder eine rissige Haut am Po von Babys. In erster Linie wird der Hautausschlag durch das tägliche Tragen der Windeln und dem darin entstehenden feuchten Klima durch Urin und Schweiß verursacht. Lesen Sie im Folgenden, wie Sie eine Windeldermatitis erkennen, was einen wunden Po noch hervorrufen kann und wie Sie die Heilung unterstützen können.


Inhalt:



Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Bei Babys ist die Widerstandsfähigkeit der Haut gegenüber äußeren Reizen im Vergleich zu Erwachsenen noch geringer.
  • Vor allem das Tragen von Windeln ist häufig Ursache einer Windeldermatitis. Durch den luftdichten Bereich und das darin feuchte Klima wird die Haut am Po bei Babys und Kleinkindern strapaziert.
  • Bei einer Windeldermatitis können sich leichter Pilze ansiedeln und einen Windelsoor verursachen.
  • Eine Windeldermatitis kann sich durch unterschiedliche Symptome wie Rötungen oder kleine Pickelchen äußern.
  • Ein wunder Po lässt sich im Regelfall gut selbst behandeln. Auch Hausmittel gegen Windeldermatitis verhelfen möglicherweise schon zur Besserung und Linderung der Symptome.
  • Bei starken Beschwerden sollte ein Kinderarzt aufgesucht werden.

Mögliche Ursachen für einen wunden Po bei Babys

Die Haut [/kindergesundheit/krankheiten/haut-haar/] von Babys und Kleinkindern ist sehr empfindlich. Sie ist zum einen dünner und dadurch leichter reizbar als die von Erwachsenen. Zum anderen ist der sogenannte Säureschutzmantel, der die Haut vor dem Austrocknen und vor Krankheitserregern schützt, noch nicht komplett ausgebildet.

Vor allem in der Windelregion ist die Haut vielen Einflüssen ausgesetzt. Da kann es passieren, dass der Po des Kleinkinds wund wird. Die Ursachen hierfür sind:

Windeln

Eine häufige Ursache der Windeldermatitis sind Plastikwindeln, die für ein feuchtwarmes Klima im Bereich des Pos sorgen. Der Grund: Sie sind meist wasser- und luftundurchlässig. Dadurch kann der Schweiß nicht verdunsten und Feuchtigkeit sowie Wärme stauen sich. Die oberste Schicht der Haut (Hornschicht) wird aufgeweicht und ist empfindlicher gegenüber weiteren Reizen. Scheuert die Windel dann in diesem Bereich, wird die Schutzhülle der Haut beschädigt und es kommt zu Rötungen.

Um die Ursachen eines wunden Pos bei Kleinkindern zu minimieren, ist es daher wichtig, so oft wie möglich die Windeln zu wechseln. Vor allem nach dem Stuhlgang sollten Sie den Babypo gut säubern und eine neue Windel (möglichst nicht zu eng) anlegen. Auch die Verwendung von Stoffwindeln kann in Betracht gezogen werden. Diese sind atmungsaktiver und sorgen dadurch für ein trockeneres Klima.

Mutter wickelt ihr Baby – es gibt vielfältige Ursachen für einen wunden Babypo

Urin und Stuhl

Urin erhöht die Feuchtigkeit in der Windel, was wiederum zu einer aufgeweichten Haut im Genitalbereich führt. Hat das Kind zusätzlich eine Darm- oder Harnwegsinfektion mit Bakterien, die das sogenannte Enzym Urease enthalten, können weitere Reizungen entstehen. Der Harnstoff wird durch dieses Enzym zu Ammoniak umgesetzt – eine chemische Verbindung, welche die Haut durch Zerstörung des Säureschutzmantels weiter schädigt.

Neben dem Urin gilt auch der Stuhl als Mitverursacher eines Windelausschlags. Schuld sind vor allem darin enthaltene Verdauungsenzyme, welche die Babyhaut angreifen. Aber auch eine Ernährungsumstellung, zum Beispiel wenn die ersten, nicht flüssigen Mahlzeiten verabreicht werden, kann zu einer größeren Menge an Stuhlgang führen. Dazu kommt eine veränderte Zusammensetzung des Stuhls. Kein Wunder also, wenn die Haut von Säuglingen darunter leidet.

Windeldermatitis durch Zahnen?

Zum Durchbruch der ersten Milchzähne kommt es etwa um den 6. Lebensmonat herum.1 Das Baby produziert in dieser Zeit oft mehr Speichel, schläft nachts schlechter und ist unruhig. Zudem ist sein Organismus etwas anfälliger für Infekte. Zum einen, durch den körperlichen Stress, den das Zahnen mit sich bringt und zum anderen, da genau in diesem Alter auch langsam der Nestschutz nachlässt. Infolgedessen kommt es häufiger zu beispielsweise Fieber, aber auch zu Durchfall, was wiederum das Risiko für einen wunden Po erhöht. Das Zahnen steht also oftmals in Verbindung mit einer Windeldermatitis, kann jedoch nicht automatisch als Auslöser betrachtet werden.

Unverträglichkeiten gegenüber verschiedenen Inhaltsstoffen

Manche Kinder reagieren auf verschiedene Pflegeprodukte mit geröteten Hautbereichen. Die Inhaltsstoffe in Cremes oder Seifen, aber auch Waschmitteln oder Weichspülern, können bei der empfindlichen Baby-Haut Allergien auslösen, die sich zu einer Windeldermatitis entwickeln. Auch Inhaltstoffe in Windeln werden unter Umständen nicht vertragen. Ist dies der Fall, sollten Sie unbedingt auf andere Windeln umsteigen. Unverträglichkeiten sind jedoch nur selten die Ursache für einen wunden Baby-Po.

Symptome: So macht sich eine Windeldermatitis bemerkbar

Bei einer leichten Windeldermatitis ist die Haut ein wenig entzündet und nur ein kleiner Bereich im Genital- oder Analbereich rötet sich. Stellen mit einer Ansammlung von Pickelchen sind möglich. Betroffene Babys verspüren eventuell beim Stuhlgang oder Wasserlassen brennende Schmerzen und sind in diesen Situationen quengelig und weinerlich.

In schweren Fällen können sich die hellroten Pickel und die rissige Haut großflächig bis auf die Innenseite der Oberschenkel ausbreiten. Das Baby ist zunehmend unruhig.

Wie lange die Symptome andauern, hängt von der Schwere der Infektion und der Behandlung ab. In der Regel ist die Hautreizung, sofern die Eltern einige Tipps beim Wickeln beachten, nach einigen Tagen wieder verschwunden. Wenn sie nicht zeitnah abheilt und der Arzt sogar Salben verschreiben muss, kann sich die Therapie unter Umständen zwei bis vier Wochen hinziehen.2

Windeldermatitis und Windelsoor: Den Unterschied erkennen

Bei einer Windeldermatitis ist die normale Schutzhülle der Haut beschädigt. Dadurch können sich auch Pilze (zum Beispiel der Hefepilz Candida albicans) leichter ansiedeln. Gelangen Pilze aus dem Darm auf die Babyhaut und lösen bei den betroffenen Hautstellen Entzündungen aus, sprechen Mediziner von Windelsoor. Es kommt zu stärkeren Beschwerden und einer Veränderung der Symptome.

Im Vergleich zur Windeldermatitis ist die Haut noch stärker gerötet und entzündet. Der flächige Ausschlag ist begrenzt von roten Pickeln oder Bläschen (Pusteln) und breitet sich unter Umständen sogar auf andere Körperteile, zum Beispiel auf Beine und Bauch, aus. Zusätzlich können die Hautfalten betroffen sein, was bei einer Windeldermatitis meist nicht der Fall ist.

Die Unterschiede im Überblick:

Windeldermatitis Windelsoor
  • Der Po ist gerötet und die Haut leicht entzündet.
  • Rissige Haut sowie Pickel breiten sich im gesamten Windelbereich aus.
  • Das Baby ist meist unruhig und quengelig und hat Beschwerden beim Wasserlassen und Stuhlgang.
  • Eine Windeldermatitis bekommt man mit einer geeigneten Behandlung selbst gut in den Griff.
  • Der wunde Baby-Po ist bei Windelsoor stärker gerötet und entzündet als bei einer Windeldermatitis.
  • Die Symptome können sich bis zum Bauch und den Beinen ausbreiten. Pickel begrenzen den Ausschlag und zusätzlich sind die Hautfalten betroffen.
  • Bei Windelsoor muss ein Arzt aufgesucht werden, denn hier sind für die Behandlung verschreibungspflichtige Salben nötig, um den Pilzerreger zu bekämpfen.

Auch ein Blick in den Mund ist hilfreich: Häufig tritt Windelsoor in Kombination mit dem sogenannten Mundsoor auf.3 Die Entzündung wird durch denselben Erreger (Candida albicans) ausgelöst und sorgt für weißlich-graue Flecken auf Wangen oder Zunge. Beobachten Sie diesen Belag im Mundraum Ihres Kindes, sollten Sie daher auch ein Auge auf den Windelbereich haben.

Wichtig:

Wenn Sie nicht sicher sind, ob es sich um die Symptome einer leichten oder starken Windeldermatitis handelt oder ob sogar Windelsoor vorliegt, fragen Sie Ihre Hebamme oder Ihren Kinderarzt um Rat. Zur Sicherung seiner Diagnose, hat der Arzt die Möglichkeit, einen Abstrich der Haut durchzuführen und im Labor untersuchen zu lassen. Für die Behandlung der Pilzinfektion sind spezielle Salben nötig, die eine antimykotische Wirkung aufweisen und dadurch den Pilzerreger bekämpfen können.

Tipps beim Wickeln: Was Sie bei einer Windeldermatitis tun können

Baby und Mutter mit Salbe gegen wunden Po.

Häufiges Wickeln ist das A und O bei einer Windeldermatitis. Um die Beschwerden so schnell wie möglich zu lindern, sollten Sie bei jedem Wickeln zudem folgendermaßen vorgehen:

  1. Windelbereich sanft mit warmem Wasser reinigen: Da Seife oder Feuchtigkeitstücher eher zu einer Verschlimmerung der Beschwerden führen, verwenden Sie am besten einen feuchten Waschlappen zum Säubern. Gerade wenn die Rötungen mit rissiger Haut und hellroten Pickeln verbunden sind, also schon eine stärkere Windeldermatitis vorherrscht, sollte der Bereich vorsichtig sauber getupft werden. Reiben kann die empfindliche Baby-Haut zusätzlich reizen.
  2. Windelfreie Zeiten einrichten: Lassen Sie das Kind ruhig nackt auf einer Decke im warmen Raum liegen und krabbeln. Etwas frische Luft am wunden Po Ihres Babys hilft dabei, die Wundheilung zu fördern.
  3. Gesäuberten Bereich trocknen lassen: Um eine Windeldermatitis zu behandeln, ist es sinnvoll, nach jedem Reinigen den Windelbereich komplett trocknen zu lassen. Feuchte Bereiche unter der Windel verschlimmern den wunden Po und die Symptome. Lufttrocknen ist gegenüber dem Handtuchtrocknen schonender.
  4. Mit einer Wundsalbe eincremen: Bevor Sie eine neue Windel anglegen, können Sie eine entzündungshemmende Creme auftragen. Salben mit dem Wirkstoff Dexpanthenol unterstützen zum Beispiel dabei, den natürlichen Heilungsprozess zu fördern und die Schutzfunktion der Haut wiederherzustellen. Auch nach dem Baden ist es für Ihr Baby wohltuend, wenn Sie die Stellen mit einer feuchtigkeitsspendenden Salbe eincremen, um eine Windeldermatitis zu behandeln. Anschließend könne Sie Ihr Kind ruhig noch etwas nackig strampeln lassen.

Beachten Sie diese Hinweise bei jedem Wickeln. Außerdem sollten Sie bei einem wunden Po noch häufiger die Windel wechseln als normal. Legen Sie gerade nach dem „großen Geschäft“ so schnell es geht eine frische Windel an, da dieses die geröteten Stellen weiter reizen kann. Verschließen Sie die Windeln außerdem nie zu fest. Es sollte immer ein Finger zwischen Bauch und Windel passen. Dadurch kann die Luft besser zirkulieren und die Haut wird nicht so sehr gereizt.



Wann zum Arzt?

Verbessern sich die Beschwerden nicht, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Gerade wenn ein scharf abgetrennter, flächiger Ausschlag begrenzt durch rote Pickel entsteht und auch die Hautfalten betroffen sind, kann eine Infektion mit Pilzen (Windelsoor) vorliegen. Der Arzt verschreibt in diesem Fall geeignete Salben zur Behandlung der Erkrankung.

Therapie: Windeldermatitis mit Hausmittel behandeln

Mutter behandelt den wunden Po ihres Babys mit Hausmitteln.

Neben den Behandlungstipps beim Wickeln bieten auch verschiedene Hausmittel Hilfe bei einem wunden Po. Zur Behandlung eignen sich zum Beispiel:

  • Schwarzer Tee: Die enthaltenen Gerbstoffe unterstützen die Wundheilung der Haut und tragen daher gut zur Regeneration des geröteten Pos bei. Den schwarzen Tee dafür mit kochendem Wasser übergießen und ruhig etwas länger als auf der Verpackung angegeben ziehen lassen. Dann warten, bis er abkühlt ist und ein Tuch darin eintauchen. Die wunden Bereiche damit abtupfen. Die Behandlung kann mehrmals täglich durchgeführt werden.
  • Wohltuende Bäder: Baden in heilenden Zusätzen ist ein angenehmes Hausmittel gegen den wunden Po Ihres Babys. Bäder mit Kamille (1 Liter Kamillentee ins Badewasser) können beispielsweise dazu beitragen, die wunde Haut zu beruhigen. Im Anschluss sollten Sie den Babypo gut abtrocknen.3
  • Muttermilch: Nicht nur als Nahrung, sondern auch zur Behandlung von wunder Haut, ist Muttermilch ein probates Mittel. Einfach etwas Milch auf die betroffenen Hautstellen auftragen und antrocknen lassen. Waschen Sie die Stelle im Anschluss gründlich mit Wasser.3

Sollte sich keine Besserung einstellen oder sogar eine Verschlechterung eintreten, suchen Sie einen Kinderarzt auf, der Ihnen weitere Hinweise zur Behandlung geben kann. Auch Ihre Hebamme steht Ihnen bei gesundheitlichen Fragen rund um Ihr Kind mit Rat und Tat zur Seite und hat häufig geeignete Tipps gegen einen wunden Babypo parat.

Windeldermatitis behandeln? Beugen Sie lieber vor!

Die Haut von Babys ist noch sehr empfindlich, daher bekommt fast jedes Kleinkind früher oder später einmal einen wunden Po. Doch Sie können das Risiko einer Windeldermatitis minimieren, indem Sie richtig vorbeugen. Was hilft, um einen wunden Baby-Po zu vermeiden?

  • Gerade bei Neugeborenen sind die einzelnen Hautschichten noch nicht vollständig ausgebildet. Deswegen wird die Haut durch häufiges Säubern schnell beschädigt. Baden Sie Ihr Baby nicht zu oft. Generell gilt: So oft wie nötig, so selten wie möglich! Ein- bis zweimal pro Woche ist in den ersten Lebensmonaten ein guter Anhaltspunkt.4
  • Auch die Baby-Ernährung sollte beobachtet werden. Haben Sie einen neuen Brei eingeführt oder bei der Zubereitung andere Zutaten verwendet? Säurehaltiges Essen, wie beispielsweise Zitrusfrüchte, führen zu einem sauren Stuhl, der die empfindliche Baby-Haut belasten kann.
  • Im Allgemeinen ist es besser, anstelle von Feuchttüchern oder Seife nur warmes Wasser zum Reinigen des Pos zu verwenden. Die Feuchttücher enthalten oft Alkohol, der Babys Po reizen kann. Seife führt zur Austrocknung im Windelbereich, vor allem, wenn die Haut sowieso schon durch eine reibende Windel vorgeschädigt ist.

Die Wahl der Windel spielt ebenfalls eine Rolle. Manche Babys reagieren auf bestimmte Materialien mit geröteter Haut. Das ist heutzutage zwar eher selten, aber es gibt noch Hersteller, die Kunststoff in den Windeln verarbeiten, der wiederum eine Hautreaktion auslösen kann.

Die Atmungsaktivität ist ebenfalls ein wichtiger Punkt. Stoffwindeln werden in Bezug auf ihre Umweltfreundlichkeit, ihre Luftdurchlässigkeit und das Wohl der Baby-Haut wieder beliebter. Sie lassen Luft an den Po und reduzieren dadurch die Feuchtigkeit.

Auch die Ernährung der Mutter kann unter Umständen zur Entstehung einer Windeldermatitis beitragen. Zumindest dann, wenn das Kind gestillt wird, denn über die Muttermilch gelangen die Nährstoffe zum Kind. Dadurch bekommt das Baby alle wichtigen Elemente, die für ein gesundes Wachstum nötig sind. Enthält Ihre Ernährung aber beispielsweise viel saures Obst, kann die Säure über den Stuhlgang des Babys zu Hautirritationen führen. Am besten meiden Sie während der Stillzeit deshalb säurehaltige Speisen. Auch stark gewürzte Gerichte sollten nur selten auf dem Teller landen, um zusätzliche Schädigungen der Haut zu umgehen.

Romina Enz
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Miriam Och
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