Angst vor einem Dammschnitt oder Dammriss ist meist unnötig

21. November 2018

Der Dammriss gehört zu den häufigsten Geburtsverletzungen. In der Vergangenheit wurde sogar standardmäßig ein Dammschnitt durchgeführt, um der Frau die Geburt zu erleichtern und unkontrollierten Gewebeverletzungen vorzubeugen. Heutzutage gehen die Meinungen auseinander, ob ein Dammschnitt tatsächlich besser ist als ein Dammriss. Wann ist welches Verfahren erforderlich? Welche Möglichkeiten gibt es, den Heilungsverlauf zu fördern und die Unannehmlichkeiten abzumildern?

Arzt und Schwangere vereinbaren einen Dammschnitt

Wie entsteht ein Dammriss und welche Risiken bringt er mit sich?

Als Damm wird das Gewebe zwischen der Scheidenöffnung und dem After bezeichnet. Es besteht aus Muskeln, Bindegewebe und Haut. Während der Austreibungsphase, der letzten Phase im Geburtsverlauf, werden Schamlippen und Damm extrem gedehnt. Köpfchen und Schultern des Babys pressen sich dann durch den Geburtskanal. Dabei kann es passieren, dass das Gewebe nachgibt und einreißt.

Beim Dammriss werden vier Schweregrade unterschieden:

  • 1. Grad: Das Dammgewebe ist nur leicht eingerissen, die darunterliegende Muskulatur trägt keinen Schaden davon.
  • 2. Grad: Neben Haut und Bindegwebe ist auch die Dammmuskulatur betroffen, der Riss bleibt aber oberflächlich.
  • 3. Grad: Der Dammriss geht so tief, dass auch der Schließmuskel des Afters beschädigt wird.
  • 4. Grad: Zusätzlich reißt die Schleimhaut des Darms ein.

Je höher der Schweregrad, desto schmerzhafter ist der Dammriss und desto langwieriger ist der Heilungsverlauf. Am häufigsten treten Narbenschmerzen auf, die jedoch mit fortschreitender Heilung nachlassen. Auch der Geschlechtsverkehr kann anfangs Schmerzen verursachen.

Ab dem dritten Schweregrad besteht die Gefahr einer Stuhlinkontinenz, die aber in der Regel nur den Gasabgang betrifft. Ist auch die Darmschleimhaut in Mitleidenschaft gezogen, kann es zur Bildung von Fisteln oder Abszessen kommen, die eine Operation erforderlich machen. Ein solches Ausmaß nehmen die Folgen bei einem Dammriss jedoch nur äußerst selten an.

Tipp: Einem Dammriss vorbeugen

Durch eine regelmäßige Dammmassage mit speziellem Dammöl in den letzten vier bis fünf Wochen vor der Geburt und durch Beckenbodentraining wird das Dammgewebe geschmeidiger sowie dehnfähiger. Eine aufrechte Gebärposition, zum Beispiel die Hocke oder auch eine Wassergeburt, entlasten den Damm. Angst, Verkrampfung und zu starkes Pressen hingegen erhöhen das Risiko für einen Dammriss.

Auf bestimmte Faktoren wie beispielsweise die Größe des Köpfchens oder Komplikationen bei der Geburt hat die werdende Mutter hingegen keinen Einfluss. Entsprechend helfen hier auch keine vorbeugenden Maßnahmen.

Wann ist ein Dammschnitt erforderlich?

Es gibt verschiedene Gründe, die dafür sprechen, das Gewebe zwischen Scheide und After bei einer Geburt kontrolliert durchzutrennen. Bei einer Frühgeburt wird beispielsweise ein Dammschnitt durchgeführt, damit das Köpfchen des noch nicht ganz ausgereiften Babys weniger gedrückt wird. Erforderlich ist ein Dammschnitt auch, wenn während der Geburt Komplikationen auftreten. Dann muss das Kind möglichst schnell, gegebenenfalls mithilfe von Saugglocke oder Zange, auf die Welt gebracht werden.

Manche Ärzte und Hebammen entscheiden sich aber auch spontan während der Geburt für einen Dammschnitt, um einen Dammriss dritten oder gar vierten Grades zu vermeiden. Ein Dammriss verheilt zwar tendenziell schneller als ein Dammschnitt, das gilt aber nur für Verletzungen ersten und zweiten Grades.

Da die Ansichten darüber, wann ein Dammschnitt sinnvoll ist, auseinandergehen, sollten Frauen bei der Auswahl der Geburtsklinik im Vorfeld erfragen, wie die Praxis bei den jeweiligen Ärzten und Hebammen aussieht.

Tipps für einen angenehmeren Heilungsverlauf

Allgemein gilt: Jeder Dammschnitt und etwas tiefere Dammriss wird genäht. Heutzutage kommen dafür selbstauflösende Fäden zur Anwendung. In den allermeisten Fällen heilt die Wunde danach komplikationslos ab. Verletzungen ersten oder zweiten Grades, zu denen auch der Dammschnitt gehört, machen in der Regel nach zwei Wochen kaum noch Probleme. Ein Dammriss dritten oder vierten Grades bereitet hingegen länger Schmerzen und benötigt eine intensivere Nachversorgung, um Komplikationen zu verhindern.

Zu Hause können Frauen selbst etwas tun, damit der Dammschnitt oder –riss schneller heilt und weniger Schmerzen bereitet. So zum Beispiel:

  • Grundsätzlich sollten es junge Mütter in den ersten Wochen ruhig angehen lassen. Der Begriff Wochenbett kommt nicht von ungefähr.
  • Sitzbäder mit Kamille oder eine dexpanthenolhaltige Salbe, die direkt auf den Damm aufgetragen wird, können den Heilungsverlauf fördern. Dexpanthenol gehört zur Gruppe der A-Vitamine, die unter anderem die Neubildung von Zellen und Gewebe anregen.
  • Brennt der Urin unangenehm in der Wunde, hilft ein Übergießen mit warmem Wasser. Entweder stellen Sie sich eine Kanne direkt neben die Toilette oder Sie gehen in den ersten Tagen zum Wasserlassen in die Dusche.
  • Kälte betäubt den Wundschmerz. Ein gut bewährtes Hausmittel ist, Wasser in ein Kondom oder den abgeschnittenen Finger eines Gummihandschuhs zu füllen, einzufrieren und anschließend in ein Tuch gewickelt zwischen die Schamlippen zu legen. Aber Vorsicht: Wenn Sie zu Blasenentzündungen neigen oder Ihnen auch sonst Kälte im Intimbereich unangenehm ist, verzichten Sie lieber auf die Behandlung.
  • Bis zur vollständigen Heilung ist mitunter etwas Geduld gefragt, der Dammriss oder Dammschnitt heilt letztendlich aber von selbst.

Peggy Richter
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