So können Kinder gesundes und richtiges Essverhalten lernen

Bei der Erziehung ist Lernen von Vorbildern das Entscheidende. Was man sagt, ist zwar auch wichtig, aber vor allem messen Ihre Kinder Sie an Ihren Taten. Sie lernen primär aus Beobachtung. Das prägt sich viel besser ein als Ermahnungen, Ge- oder Verbote. Und es fängt schon bei Kleinkindern an und setzt sich bis ins jugendliche Alter fort. Da aber Ihr Einfluss auf das Essverhalten bei Kleinkindern besonders groß ist, sollten Sie Ihr Kind so früh wie möglich an eine gesunde Ernährung gewöhnen. Gewohnheiten aus der Kindheit halten sich meist ein Leben lang. Wenn Ihr Kind nur Limonade trinkt und Pommes frites oder Fischstäbchen isst, wird es sich auch im späteren Leben sehr wahrscheinlich ungesund und einseitig ernähren – mit den bekannten negativen Folgen für seine Gesundheit.

Doch was ist richtiges Essverhalten?

  • regelmäßiges essen und zwar nach bestimmten Regeln
  • Tisch- und Essmanieren lernen
  • auch neue Speisen und Geschmäcke ausprobieren
  • bei der Auswahl und Zubereitung der Speisen mit einbeziehen

Richtiges Essverhalten zu lernen bedeutet also: Ihr Kind muss lernen, eigenständig das Richtige zu essen und nach und nach Mitverantwortung für die eigene Ernährung zu übernehmen.

Kind pflegt schlechtes Essverhalten am Tisch

Essverhalten schon beim Baby prägen

Unter anderem wird sogar der Geschmack von Nahrungsmitteln über das Fruchtwasser transportiert, sodass schon Ungeborene im Mutterleib verschiedenste Geschmacksnuancen kennenlernen. Später kommt das Baby beim Stillen mit all dem in Kontakt, was die Mutter zu sich nimmt; der Geschmack von Muttermilch variiert von Mal zu Mal. Kindern, die rein mit Flaschenmilch aufgezogen wurden, fällt es häufiger schwer, sich auf eine Vielzahl an Lebensmitteln einzulassen, da ihnen noch nicht so viele unterschiedliche Geschmacksnoten bekannt sind. Mütter haben also von Anfang an einen sehr großen Einfluss auf die geschmacklichen Präferenzen ihrer Kinder. Stillen und eine bunte Beikost tragen deshalb stark dazu bei, das Kind später an unterschiedliche und damit abwechslungsreiche Nahrung zu gewöhnen.

So können Sie das Essverhalten Ihres Kindes beeinflussen

Reden Sie nicht über gesundes Essen

  • Der langfristige Nutzen gesunder Ernährung lässt sich schon Erwachsenen nur schwer vermitteln, Kindern fast gar nicht. Halten Sie Ihrem Kind also keine Vorträge über gesunde Ernährung. Denn schon die Wörter „gesund“ und „Ernährung“ können bei Kindern Widerstände auslösen. Kindern schmeckt fast immer das am besten, was als „ungesund“ gilt. „Gesund“ assoziieren sie deshalb automatisch mit „Schmeckt mir nicht!“ und schlimmstenfalls mit Bevormundung und Zwang. „Gesund“ bedeutet für sie dann: „Ich muss das essen, obwohl ich das nicht will.“ Verzichten Sie auf das Werten von Lebensmitteln und sagen Sie nicht: „Iss das Gemüse, das ist gesund“, sondern: „Auf deinem Teller fehlt noch etwas Grün und Rot, so ist das langweilig.“1
  • Setzen Sie Essen nicht als Belohnung oder Bestrafung ein! Mit dieser Strategie senden Sie genau die falschen Signale: Das Essen wird von den natürlichen Reizen Hunger und Sättigung entkoppelt.

Gemeinsames Essen am Tisch ist wichtig, um richtiges Essverhalten zu lernen

  • Elementar ist gemeinsames Essen am Tisch. Das zeigt den Kindern, dass das Essen und die familiäre Gemeinschaft wichtig sind. Es geht um Kommunikation, um Bindungen. Wann sitzt die ganze Familie sonst schon einmal zusammen? Aber vermeiden Sie Konflikte und streiten Sie nicht beim Essen, denn das würde das gemeinsame Essen negativ besetzen. Schaffen Sie bei der Tischrunde eine gute Atmosphäre. Essen mit Freude ist die Basis einer gelungenen Esserziehung.
  • Regeln und Rituale bei Tisch geben Kindern Sicherheit und vermeiden Stress. Die Regeln müssen aber für Kinder wie Erwachsene gleichermaßen gelten.
  • Bieten Sie neue Geschmackserlebnisse, dass fördert das Essverhalten ihres Kindes

  • Bringen Sie Ihre Kinder dazu, offen zu sein für neue Geschmackserlebnisse. Kinder sollten geschmacklich regelmäßig mit Neuem in Kontakt kommen, dann ist die Hürde beim nächsten Mal deutlich niedriger. Aber seien Sie geduldig, manchen Kindern schmeckt es vielleicht erst nach fünf bis zehn Versuchen. Es empfiehlt sich, unbekannte Speisen immer mit bekannten und geliebten Lebensmitteln zu kombinieren.
  • Wenn Ihr Kind ein gesundes Nahrungsmittel, zum Beispiel ein Gemüse, nicht mag, versuchen Sie es in unterschiedlichen Varianten. Bieten Sie das Gemüse zum Beispiel einmal gekocht und ein anderes Mal roh als Fingerfood (mit einem Dip) an. Kinder brauchen jedoch keine speziellen Kinderlebensmittel. Sie sollten an der ganz normalen Familienkost teilnehmen.
  • Zwingen Sie Ihr Kind nicht, etwas Bestimmtes oder eine definierte Menge zu essen. Schon von klein auf sollte es in dieser Hinsicht Souveränität lernen und selbst sagen, wann es satt ist. Sie dürfen darauf vertrauen, dass Ihr Kind ein gesundes Sättigungsgefühl hat. Statt Zwang ist also Spaß am Essen angesagt!
  • Auch Kinder essen mit allen Sinnen. Ein Teller mit bunten, grünen, roten, gelben Lebensmitteln verlockt automatisch zum genussvollen Essen. Kinder essen auch gerne mit den Fingern und lieber rohes Gemüse als gekochtes, weil es so schön „knackt“. Nutzen Sie solche Vorlieben, um den Appetit Ihres Kindes auf gesunde Nahrungsmittel zu steigern.

Binden Sie Ihr Kind mit ein

  • Beziehen Sie Ihre Kinder in Speisenplanung und Einkauf mit ein. Dadurch erreichen Sie eine höhere Wertschätzung gegenüber allem, was mit Essen zu tun hat. Legen Sie gemeinsam ein Kräuter- oder Gemüsebeet an. Das weckt die Neugier der Kinder und lässt sie mit Spaß gesunde Lebensmittel entdecken.
  • Binden Sie Ihre Kinder auch beim Kochen ein. Kinder lernen so, das Essen mehr zu schätzen, und erfahren, wie viel besser selbst zubereitete, frische Mahlzeiten schmecken können. Mit der Zeit lehnen sie ganz von sich aus den „Einheitsbrei“ ab, den man häufig vorgesetzt bekommt.

Und zu guter Letzt: Unterstützen Sie Ihre Kinder darin, ein gesundes, souveränes Essverhalten zu entwickeln – selbst wenn dies ein langer und bisweilen nervenzehrender Weg ist.

Richtiges Essverhalten lernen: Kinder und Süßigkeiten – was sollten Sie beachten?

Kinder bevorzugen vor allem Süßes. Das ist angeboren und das müssen Sie berücksichtigen. Süßigkeiten tragen aber nicht zur Versorgung mit Nährstoffen bei. Im Gegenteil, zu viel davon schadet. Ihr Kind muss deshalb dringend lernen, bewusst mit den süßen Leckereien umzugehen. Auch wenn Süßwaren heute an jeder Ecke präsent sind, sollte ihr Verzehr unbedingt etwas Besonderes bleiben. Durch eine unumstößliche Abmachung, wie viele Süßigkeiten Ihr Kind essen darf und bei welchen Gelegenheiten eine Ausnahme gilt, können Sie einen Kompromiss zwischen Gesundheit und Naschsucht finden. Absolute Verbote sind kein guter Weg, denn sie machen den Süßkram nur noch attraktiver.

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Welche Lebensmittel sind gesund für mein Kind? >>

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1Jörg Burger: Eltern, hört endlich auf, von gesundem Essen zu reden! Zeit, April 2011. http://www.zeit.de/2011/17/Genuss-Interview