Hat mein Baby Neurodermitis? Das sind die ersten Anzeichen

21. November 2018

Für viele Kinder ist der quälende Juckreiz bei einem atopischen Ekzem (Neurodermitis) das schlimmste an der Erkrankung. Er lässt sie tagsüber unkonzentriert sein und abends nicht schlafen. Doch nicht nur das andauernde Bedürfnis, sich kratzen zu müssen, ist ein erstes typisches Anzeichen für Neurodermitis bei Babys. Woran können Eltern die chronische Hautkrankheit noch erkennen?

Mädchen kratzt sich - Hautjucken als Symptom einer Neurodermitis

An welchen Hautstellen sind erste Neurodermitis-Anzeichen bei Babys zu finden?

Erste sichtbare Anzeichen von Neurodermitis bei Babys treten klassischerweise im zweiten bis vierten Lebensmonat auf.1 Typisch ist eine nässende, gerötete Haut, die zusätzlich mit Bläschen oder teilweise auch Krusten sowie weißlichen Schuppen bedeckt ist. Von dieser Hautentzündung sind vor allem folgende Bereiche betroffen:

  • die Kopfhaut
  • die Außenseite von Armen und Beinen
  • das Gesicht, vor allem Wangen und Stirn

In besonders schlimmen Fällen breitet sich ein Hautausschlag am ganzen Körper aus. Für Babys ist es typisch, dass Hautrötungen an der Außenseite der Arme auftreten, dennoch kann es vorkommen, dass diese auch in der Ellenbeuge zu finden sind. Generell können sich die betroffenen Hautstellen jedoch individuell von Patient zu Patient unterscheiden.

Besonders quälend für die Kleinen: Der permanente Juckreiz

Neben nässenden Hautstellen und Bläschen ist auch der ständige Juckreiz ein erstes Anzeichen für Neurodermitis bei Babys. Dieser ist für die Kleinen besonders schlimm, da es für sie kaum möglich ist, sich dagegen zu wehren. Das Kratzen sorgt zudem dafür, dass die Immunzellen der Haut ihre entzündlichen Botenstoffe freisetzen – dadurch kommt die Neurodermitis dann erst richtig in Fahrt.

In den meisten Fällen ist der Juckreiz so stark, dass sich die Kinder blutig kratzen. Der Schmerz, der dabei entsteht, ist für sie oftmals eher zu ertragen als der Juckreiz an sich. Durch die aufgekratzten, offenen Hautstellen haben Bakterien, Viren und Pilze nun ein leichtes Spiel, einzudringen und eine Entzündung zu verursachen. Ob Ihr Kind von einer Hautinfektion betroffen ist, kann der Arzt daran erkennen:

  • Bläschen, die eine eitrige, gelbe Flüssigkeit absondern und teilweise unangenehm riechen.
  • Wunde Haut, die noch röter ist als sonst und sich warm anfühlt.

Infektionen durch die Bakterien Staphylokokken sind bei Babys mit Neurodermitis besonders häufig. Diese verstärken dann die bereits vorhandene Neurodermitis noch.2 Als Behandlung verschreibt der Arzt entzündungshemmende Medikamente, die beispielsweise die Wirkstoffe Kortison oder Antihistaminika enthalten.

Milchschorf – ebenfalls ein erstes Anzeichen für Neurodermitis bei Babys

Neurodermitis tritt bei 85 Prozent der Betroffenen bereits im ersten Lebensjahr auf. Dabei kann der sogenannte Milchschorf ein erstes Anzeichen für eine mögliche Neurodermitis-Neigung des Babys sein. Denn dieser erhöht die Wahrscheinlichkeit bei Babys, ein atopisches Ekzem (Neurodermitis) zu bekommen. Wichtig ist jedoch sich zu merken, dass Milchschorf ein Vorbote für Neurodermitis sein kann, aber nicht muss. Er kündigt sich am Kopf des Babys mit gelben Schuppen, Krustenbildung und einem starken Juckreiz an. Oft sind auch die Arme gerötet und mit einer schuppigen Kruste bedeckt. Da sich die Symptome sehr ähnlich sind wird Milchschorf auch oft mit Neurodermitis oder Kopfgneis verwechselt.

Milchschorf versus Kopfgneis – was ist was?

Milchschorf und Kopfgneis sind beide schuppige Hautveränderungen der Babyhaut und werden im allgemeinen Sprachgebrauch oft vermischt. Um den Unterschied zwischen den beiden Hautveränderungen zu erkennen, ist in den meisten Fällen der geschulte Blick eines Kinderarztes nötig. Diagnostiziert der Arzt Kopfgneis, handelt es sich um ein vorübergehendes kosmetisches Problem und bedarf keiner notwendigen Behandlung. Milchschorf hingegen kann einen Juckreiz auf der Kopfhaut der Babys hervorrufen und sollte ärztlich behandelt werden.

Nicht alle Hautveränderungen bei Babys sind erste Anzeichen für Neurodermitis

Wenn Kinder Symptome wie permanenten Juckreiz, Bläschen und gerötete Hautstellen aufweisen, kann der Arzt relativ schnell und eindeutig Neurodermitis diagnostizieren. Oft verläuft eine Neurodermitis bei Babys jedoch ohne erkennbare erste Anzeichen. Tritt eine Neurodermitis in einer leichten Form auf, so haben Kinder vorerst nur eine trockene Haut. Kommen sie dann mit äußeren Faktoren wie Reizstoffen, extremen Temperaturen oder Allergenen in Berührung, zeigen sich erst dann Hautbeschwerden.

Die Grenzen zwischen einer Neurodermitis und anderen Hautveränderungen sind teilweise fließend. Hautkrankheiten von Babys, die der Neurodermitis ähneln, sind beispielsweise folgende:

Erkrankung Anzeichen
Reibeisenhaut pickelige und leicht gerötete Stellen an der Außenseite der Arme (vor allem am Oberarm), jedoch kein extremer Juckreiz
mehr Speichelfluss Völlegefuehl
Lippenleckekzem tritt häufig im Winter auf; durch das ständige Befeuchten der Lippen werden diese und die umgebene Haut trocken, rot und entzünden sich
drückendes Gefühl hinter dem Brustbein Magendruck, vor allem direkt nach dem Essen
Faulecken (Perléche) rote, nässende Krusten an den Mundwinkeln, Ohrläppchen sowie zwischen den Fingern und Zehen
atopisches Handekzem Hautreizungen wie Bläschen oder Schuppen an den Handflächen und den Seitenflächen der Finger

Auch raue Wangen sind nicht unbedingt immer ein erstes Anzeichen für Neurodermitis bei Babys. Im Winter weisen beispielsweise viele Säuglinge aufgrund der Kälte und trockenen Heizungsluft raue Hautstellen auf. Um sicher zu gehen, unter welcher Krankheit Ihr Sprössling leidet und um eine geeignete Therapie zu finden, ist ein Besuch beim Kinderarzt empfehlenswert.

Wie sich die Symptome von Neurodermitis mit dem Alter des Kindes verändern

Mit fortschreitendem Alter des Kindes verändern sich die Symptome einer Neurodermitis. Während im ersten Jahr vor allem Bläschen und nässender Ausschlag das Hautbild von Betroffenen ausmachen, werden diese Symptome im zweiten und dritten Lebensjahr von

  • Knötchen,
  • trockenen Hautstellen und
  • Hautverdickungen abgelöst,2

Die Hauterscheinungen verlagern sich im Kindesalter von den Außenseiten der Arme und Beine vermehrt in die Ellenbeugen und Kniekehlen sowie die Handgelenksinnenseiten. Ab dem vierten Lebensjahr verbessert sich die Neurodermitis bei vielen Kindern oder verschwindet gar ganz.ii Dennoch besteht selbst im Erwachsenenalter noch die Möglichkeit, an einer trockenen und sehr pflegeintensiven Haut zu leiden, anfälliger für Erkrankungen wie Heuschnupfen oder Asthma zu sein oder im schlimmsten Fall lebenslang Neurodermitis-Patient zu bleiben.

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