Vitamine in der Schwangerschaft – welche sind wichtig?

29. November 2018

Früher hielt sich das Gerücht, dass Schwangere für Zwei essen sollen. Doch heute ist klar: Zumindest in Bezug auf die Kalorienzufuhr ist das nicht nötig. Der Energiebedarf erhöht sich nur um einen sehr geringen Anteil. Anders sieht es bei wichtigen Mineralstoffen wie Mengenelementen (zum Beispiel Magnesium, Kalium) und Spurenelementen (zum Beispiel Eisen, Kupfer) aus. Und auch genügend Vitamine in der Schwangerschaft sind wichtig, um für eine gesunde Entwicklung des Embryos zu sorgen. Welche davon für Mutter und Kind besonders relevant sind und ob eine Überdosierung Folgen mit sich bringen kann, erfahren Sie hier.

Schwangere Frau isst Granatapfel im Bett, da Vitamine in der Schwangerschaft wichtig sind

Diese Vitamine sind in der Schwangerschaft wichtig

Mengenelemente, Spurenelemente und Vitamine – schwangere Frauen müssen sich mit vielen Ernährungsbestandteilen genau auseinandersetzen. Am besten sollten sie auch noch auswendig wissen, welche Menge von welchen Nährstoffen sie täglich zu sich nehmen dürfen. Um Ihnen dies etwas zu erleichtern, sind hier die wichtigsten Vitamine in der Schwangerschaft aufgelistet.

Folsäure unterstützt Entwicklung des Nervensystems

Folsäure ist sehr wichtig bei der Entstehung des embryonalen Neuralrohrs. Die Gewebestruktur bildet sich gegen Ende des ersten Trimesters und ist die Vorstufe des zentralen Nervensystems, welches aus Gehirn und Rückenmark besteht. Im Zusammenhang mit einem Folsäure-Mangel können Entwicklungsstörungen in Form eines Neuralrohrdefekts auftreten. Eine mögliche Folge des Neuralrohrdefekts sind freiliegende Nerven am Rücken des Babys (Spina bifida, offener Rücken).

Um einem Neuralrohrdefekt vorzubeugen, sollten Sie daher bereits bei einem bestehenden Kinderwunsch Ihren Folsäure-Speicher auffüllen. Grünes Blattgemüse wie Spinat, Sojabohnen oder Vollkornprodukte sind Lebensmittel, die im Vergleich zu anderen sehr viel Folsäure enthalten. Doch allein über die Ernährung ist es oftmals schwierig, die benötigte Menge aufzunehmen. In der Schwangerschaft und mindestens vier Wochen zuvor wird daher eine zusätzliche Einnahme des Vitamins empfohlen.

Vitamin A für Augen und Haut

Vitamin A spielt bei einer Vielzahl von Entwicklungsprozessen eine Rolle: Augen, Haut, Immunsystem und die Bildung von Zellen sind nur ein paar Beispiele, an deren Entstehung und Funktionalität Vitamin A in der Schwangerschaft beteiligt ist. Bei werdenden Müttern steigt der Bedarf zwar leicht an, jedoch muss die Aufnahme genau überwacht werden. Zu viel Vitamin A kann sich schädigend auf das Kind auswirken und zu Missbildungen führen. In der Regel ist der Vitamin A-Speicher von Schwangeren schon gut gefüllt und es bedarf keiner zusätzlichen Einnahme.

Sonnen-Vitamin D für das Immunsystem

Die Vitamin D-Versorgung erfolgt nur zu einem sehr geringen Anteil über Lebensmittel, denn der größte Vitamin D-Lieferant ist die Sonne. Die UVB-Strahlung löst in unserer Haut die Umwandlung der Vitamin D-Vorstufe (7-Dehydrocholesterol) in ihre aktive Form (Calcitriol) aus.

Vitamin D ist in der Schwangerschaft hauptsächlich zuständig für die Entwicklung des Immunsystems und des Gehirns. Zudem wird ein Mangel mit Schwangerschaftsdiabetes in Verbindung gebracht. Zu wenig Vitamin D liegt meistens in den Wintermonaten aufgrund der hauptsächlich tristen und dunklen Zeit vor. Da in vielen Ländern die Sonnenphasen über das Jahr gesehen meist zu gering ausfallen, ist es von Vorteil, neben dem Sonnenbaden zusätzlich Vitamin D-Präparate einzunehmen, damit dem Körper eine ausreichende Menge zur Verfügung steht.

Vitamin C in der Schwangerschaft

Vitamin C steckt in vielen Lebensmitteln: Paprika, Zitrusfrüchte, Grünkohl, Acerola-Kirschen und Brokkoli enthalten eine große Menge des wichtigen Nährstoffs. Der Bedarf von Vitamin C steigt in der Schwangerschaft an, doch im Gegensatz zu einigen anderen Vitaminen kann in der Regel eine ausreichende Dosis über die Nahrung aufgenommen werden. Während der Kindesentwicklung ist Vitamin C vor allem für das Gehirn, insbesondere für die Funktion des Erinnerungszentrums, von großer Bedeutung.

Gut zu wissen!

Vitamin C kann im menschlichen Körper nicht gespeichert oder selbst hergestellt werden. Von der Menge, die wir über die Nahrung aufnehmen, nimmt sich der Körper so viel Vitamin C, wie er benötigt, und scheidet den Rest über den Urin aus.

Schwangere Frauen können zusätzlich Vitamin C-Präparate einnehmen. Allerdings ist in den meisten Fällen eine ausgewogene Ernährung ausreichend, um den Bedarf zu decken. Eine erhöhte Vitamin C-Aufnahme in der Schwangerschaft stellt kein Risiko dar, denn ein Überschuss wird vom Körper einfach ausgeschieden.

Vitamin B12 und B6 fürs Blut

Diese beiden Vitamine sind essentiell für die Blutbildung beim ungeborenen Kind. Während Vitamin B12 zur Entstehung der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) beiträgt, ist Vitamin B6 am Aufbau der körpereigenen Eiweiße beteiligt und fördert ebenfalls die Bildung des Blutes.

Eine Ernährung in der Schwangerschaft, die eine passende Menge an Milchprodukten, Hülsenfrüchten und Fisch enthält, sorgt für einen angemessenen Vitamin B12- und B6-Spiegel der Mutter und gleichzeitig für eine gute Versorgung des Fötus. Eine Überdosierung dieser Vitamine in der Schwangerschaft ist auch hier – aufgrund der Ausscheidung überschüssiger B-Vitamine über den Urin – nicht gefährlich.

Eine ausreichende Vitamin-Versorgung in der Schwangerschaft

Welche Lebensmittel schwangere Frauen zu sich nehmen dürfen, die Art der Nährstoffe, die sie dringend benötigen, und wann es sogar einer zusätzlichen Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln bedarf, ist manchmal schwer zu überblicken. Es besteht die Möglichkeit, den Gehalt an Spurenelementen und Mengenelementen im Körper zu analysieren und bei Bedarf passende Maßnahmen zu ergreifen. Grundsätzlich besteht kein Grund zur Sorge, denn wenn ein Vitamin-Mangel in der Schwangerschaft vorliegt, können Sie diesem unter Absprache mit Hebamme und Arzt sehr gut entgegenwirken.

Vitaminversorgung in Deutschland:

Studien zeigen, dass bei der deutschen Bevölkerung kein besorgniserregender Mangel an Vitaminen besteht. Eine Ausnahme bildet die Versorgung mit Folsäure und Vitamin D in Bezug auf alle Altersschichten.1 Erwachsene, die mit einem Mangel von Folsäure leben, leiden unter Umständen an Haarausfall, Blutarmut oder depressiven Verstimmungen. Eine zusätzliche Einnahme von Folsäure Vitamin-Präparaten vor und in der Schwangerschaft, aber auch wenn Sie nicht schwanger sind, sollte dann in Erwägung gezogen werden.

Mit einer ausgewogenen Ernährung sowie viel Zeit an der frischen Luft und in der Sonne ist schon ein großer Schritt getan, um für eine gesunde Entwicklung des Kindes zu sorgen. Auch nach der Geburt, also während der Stillzeit, ist eine angemessene Versorgung mit Vitaminen wichtig, um das Baby beim Wachsen zu unterstützen.

Romina Enz
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Medizinredakteurin und Biologin