Neurodermitis bei Babys – ein Überblick

29. November 2018

Fast jeder kennt es: Ein einziger Mückenstich kann ganz schön nervig sein. Er juckt und juckt. Von gefühlten 100 Mückenstichen übersäht zu sein, lässt einen dann schier verrückt werden. So ungefähr fühlt sich ein Baby oder Kleinkind, das an Neurodermitis erkrankt ist. Und das ist heutzutage relativ oft der Fall. Neurodermitis ist eine der häufigsten chronischen Hauterkrankungen bei Babys. Was genau es mit der Krankheit auf sich hat und wie Sie Ihrem Kind helfen können, erfahren Sie hier.

Eine Schnellübersicht

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Neurodermitis bei Babys: Was ist der Auslöser?

Kind mit Neurodermitis

Auch, wenn bekannt ist, dass 85 Prozent der Betroffenen bereits als Baby an Neurodermitis erkranken – meistens innerhalb des ersten Lebensjahres – bleibt die chronische Hauterkrankung weiterhin ein Rätsel für Forscher. Vor allem, was ihre Ursachen angeht, sind noch nicht alle Einzelheiten geklärt.

Generell lässt sich festhalten, dass Neurodermitis (medizinischer Fachausdruck: atopisches Ekzem) eine chronische, nicht ansteckende Hautentzündung ist, die in Schüben auftritt. Die eine zugrundeliegende Ursache lässt sich nicht ausmachen. Es sind – laut Wissenschaftlern – vielmehr mehrere Puzzleteile, die Neurodermitis bei Babys auslösen können.

Die Hauptrollen für die Entstehung von Neurodermitis bei Babys spielen demnach:

  • eine erbliche Veranlagung für Überempfindlichkeitsreaktionen der Haut (Atopie). Das ist der Fall, wenn die Eltern schon an Neurodermitis leiden oder aber von Asthma oder starkem Heuschnupfen betroffen sind. Zwischen diesen Erkrankungen scheint ein Zusammenhang zu bestehen, auch wenn noch nicht ganz klar ist, welcher genau.
  • eine gestörte Hautbarriere des Babys. Diese kann ebenfalls dazu führen, dass es an Neurodermitis erkrankt. Kleinkindern, bei denen das der Fall ist, fehlen Feuchthaltefaktoren und Hornfette. Dadurch ist die Haut trocken und leichter durchdringbar für Krankheitserreger.

Wenn Ihr Baby von einem oder beiden der Faktoren betroffen ist, besteht die Wahrscheinlichkeit, dass Neurodermitis-Schübe entstehen können. Diese werden meistens durch sogenannte Trigger hervorgerufen. Zu den möglichen Auslösern gehören neben bestimmten Lebensmitteln wie Zitrusfrüchten oder Nüssen beispielsweise auch raue oder kratzende Kleidungsstoffe (zum Beispiel Wolle oder Leine).

Juckreiz, trockene Haut und Co. – Symptome von Neurodermitis bei Babys

Wie sich die Neurodermitis bei einem Kleinkind äußert, ist individuell verschieden. Die ersten sichtbaren Symptome treten oft zwischen dem zweiten und vierten Lebensmonat auf. Typisch sind:

  • nässende, gerötete Hautstellen
  • trockene, schuppige Flächen auf der Haut
  • Bläschen oder teilweise Krusten
  • stark anhaltender Juckreiz

Diese Hautveränderungen zeigen sich im Kleinkindalter vor allem am Kopf und den Außenseiten von Armen und Beinen. Mit zunehmendem Alter verändert sich meistens sowohl das Aussehen der Neurodermitis, als auch die Stellen, die betroffen sind. Ab dem vierten Lebensjahr verschwinden die Symptome teilweise sogar ganz. Eine extrem trockene und pflegebedürftige Haut bleibt jedoch oft bis ins Erwachsenenalter.

Milchschorf – erstes Anzeichen für Neurodermitis bei Babys?

Milchschorf ist eine gelbe, schuppige und krustige Schicht, die sich am Kopf eines Babys im Laufe des ersten Lebensjahrs bildet und mit einem starken Juckreiz einhergehen kann. Babys, die von Milchschorf betroffen sind, haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, auch an Neurodermitis zu erkranken.

Diagnose Neurodermitis bei Babys

Ob Ihr Baby Neurodermitis hat oder nicht, findet der Arzt bei einer Diagnose in mehreren Schritten heraus. Als Erstes führt er ein ausführliches Gespräch über die Krankengeschichte, bei dem er auch abklärt, ob im Verwandtenkreis bereits atopische Erkrankungen bekannt sind. Im Anschluss führt der Kinderarzt eine körperliche Diagnose durch und betrachtet die veränderten Hautstellen. Ein bekanntes Anzeichen für Neurodermitis ist der weiße Dermographismus (weiße Hautzeichnung). Um diesen festzustellen, fährt der Fachmann mit einem Stift oder seinem Fingernagel mit festem Druck über die Haut. Reagiert die Haut, indem sie weiß wird, statt wie bei einer gesunden Haut rot, ist das ein Anzeichen für Neurodermitis.

Festigt sich die Vermutung auf Neurodermitis bei Ihrem Baby, kann noch ein Bluttest durchgeführt werden, der den Immunglobulin E-Spiegel (Eiweiße, die Bestandteile der Immunabwehr sind) misst. Ist dieser erhöht, stützt das den Verdacht einer Erkrankung.

Was hilft gegen Neurodermitis bei Kleinkindern?

Eine Möglichkeit, Neurodermitis gänzlich zu heilen, wurde bislang noch nicht entdeckt. Aber durch Medikamente, Hausmittel oder alternative Methoden können schmerzende Entzündungen und der Juckreiz zumindest gelindert werden.

Die folgende Tabelle gibt einen kurzen Überblick, welche Maßnahmen die Neurodermitis für Ihr Baby erträglicher machen können.

Hilfsmaßnahmen gegen Babys Neurodermitis
Medikamente Bei einem akuten Neurodermitis-Schub mit entzündeten Hautstellen empfehlen Ärzte bei Babys und Kleinkindern in erster Linie Präparate mit Kortison. Diese wirken entzündungshemmend und lindern gleichzeitig den Juckreiz.
Hautpflege Da die Haut von Babys mit Neurodermitis sehr trocken und leicht reizbar ist, sollten Eltern diese täglich mit einer reichhaltigen und rückfettenden Basiscreme einschmieren. So verbessert sich die Schutzfunktion der Haut wieder und einem erneuten Schub kann vorgebeugt werden.
Hausmittel Als unterstützendes Hausmittel bei Neurodermitis haben sich für Kleinkinder Wickel oder Auflagen bewährt, die vorher eingeweicht (zum Beispiel in Kamillenblütensud) auf die betroffene gereizte Hautstelle aufgelegt werden.
alternative Methoden Viele Eltern setzen als Begleitung zu einer Neurodermitis-Therapie bei ihren Babys auch auf Homöopathie oder andere alternative Heilverfahren wie Akupunktur. Auch hier steht im Vordergrund, vor allem die Entzündungen und den Juckreiz zu lindern.
Wichtig: Jede Behandlungsmaßnahme der Neurodermitis bei Babys sollten Sie vorab mit dem Kinderarzt absprechen, damit keine Komplikationen auftreten.

Tipps: Darauf sollten Eltern bei Babys Neurodermitis achten

Ein Patentrezept, um Neurodermitis bei Babys zu lindern, gibt es nicht. Jede Behandlung sollte individuell auf die kleinen Patienten abgestimmt sein. Für Eltern und Kinder bedeutet das: Geduldig nach der richtigen Therapie für ihr Baby zu suchen. Bis dahin ist es sinnvoll, folgende grundlegende Maßnahmen durchzuführen:

  • eine Creme-Sortiment mit unterschiedlichen Fettgehalten zulegen, da die Haut nicht immer die gleiche Pflege benötigt
  • den Kleiderschrank des Kleinkinds mit kratzfreier und luftiger Kleidung ausstatten
  • neue Kleidungsstücke immer mehrfach waschen, damit diese beim ersten Tragen von jeglichen Chemikalien befreit sind
  • die Fingernägel des Babys möglichst kurzhalten, um ein Aufkratzen der Haut zu verhindern
  • nach dem Händewaschen darauf achten, dass die Kinder sorgfältig jegliche Seifenreste abwaschen
  • ein Ernährungstagebuch führen und aufschreiben, bei welchen Lebensmitteln die Haut des Kindes reagiert. Diese dann bestenfalls meiden.

Diese Tipps können dafür sorgen, dass ein erneuter Neurodermitis-Schub des Babys ausbleibt.

Schon in der Schwangerschaft Neurodermitis bei Babys vorbeugen?

Da Neurodermitis vor allem genetisch bedingt ist, ist eine gezielte Vorbeugung während der Schwangerschaft schwierig. Wichtig ist in jedem Fall, dass werdende Mütter Tabakrauch und Stress meiden. Ist das Baby bereits auf der Welt, sollten Mütter ihr Kind zumindest die ersten vier Monate stillen. Denn in der Muttermilch sind viele wichtige Nährstoffe, die das Immunsystem stärken und so einen wichtigen Schutz gegen Überempfindlichkeitsreaktionen auf harmlose Substanzen bieten.

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