Muttermilchunverträglichkeit, Kuhmilchallergie oder Laktoseintoleranz — eine Begriffserklärung

9. November 2021
9 Min.

Stillen ist zwar natürlich und Muttermilch durchaus das Beste für einen Säugling — vor allem für eine frischgebackene Mutter kann der Prozess aber insbesondere zu Beginn herausfordernd sein. Neben Startschwierigkeiten beim Stillen treten gelegentlich auch Beschwerden auf, die möglicherweise auf eine Kuhmilchallergie beim Baby hindeuten oder als Muttermilchallergie bezeichnet werden. Doch wie finden Eltern die Ursache dafür heraus, dass ihr Schützling zum Beispiel schlecht trinkt, nach dem Stillen schreit oder ihn Hautausschläge plagen? Wir gehen der Sache auf den Grund.

Baby weint beim Stillen, da es möglicherweise an einer Muttermilchallergie leidet.


Überblick:


Häufige Fragen zur Muttermilchallergie beim Baby:

Was ist eine Muttermilchallergie oder -unverträglichkeit? — Diese Begriffe bezeichnen kein eigenständiges Krankheitsbild, vielmehr beschreiben sie Verdauungsprobleme beim Baby, die meist nach dem Stillen auftreten. Häufig ist die Ursache dabei nicht die Milch selbst, sondern das noch nicht entwickelte Verdauungssystem des Neugeborenen.

Wie äußert sich Milchunverträglichkeit bei Babys? — Meist macht sie sich durch Symptome wie beispielsweise Erbrechen, Koliken, Durchfall, Blähungen, Schreien und grundsätzliche Unruhe bemerkbar.

Was tun bei einer Kuhmilchallergie beim Baby? — Bei einer solchen Allergie reagieren Babys auf Kuhmilchbestandteile in der Muttermilch. Hier ist es häufig hilfreich, wenn die Mutter vorübergehend auf Milchprodukte verzichtet. Ist diese Maßnahme nicht ausreichend, sollten Eltern zunächst auf spezielle Flaschennahrung zurückgreifen.

Bleibt eine Kuhmilchunverträglichkeit ein Leben lang bestehen? — Eine Kuhmilchallergie bleibt nicht zwingend dauerhaft bestehen. Bei mehr als der Hälfte aller betroffenen Kinder verschwindet die Unverträglichkeit nach den ersten drei Jahren wieder.1

Symptome nach dem Stillen: Muss es immer eine Allergie sein?

Bauchschmerzen, Blähungen oder Durchfalldas Verdauungssystem von Babys muss erst noch ausreifen. Dass die Kleinen nach der Geburt zunächst mit Beschwerden zu kämpfen haben, ist normal. Hat der Säugling aber Schwierigkeiten mit der Nahrungsaufnahme und Symptome wie Blähungen oder Durchfall, können auch Unverträglichkeiten infrage kommen. Hierbei tauchen immer wieder folgende drei Begriffe auf:

Was diese Begriffe bedeuten und wie sie sich unterscheiden, erklären wir im weiteren Verlauf.

Das Baby verträgt die Muttermilch nicht – kann das sein?

Eine Muttermilchallergie oder -unverträglichkeit ist keine eigenständige Erkrankung. Vielmehr wird der Begriff von Eltern meist dann verwendet, wenn das Neugeborene regelmäßige Verdauungsprobleme nach dem Stillen hat. Vor allem beim ersten Kind machen sich sowohl der Vater als auch die Mutter verständlicherweise Gedanken und suchen nach Gründen, warum das Kind beim Anlegen quengelt oder nach dem Stillen lauthals schreit. Diesen Eltern sei gesagt: In den meisten Fällen hängt die Reaktion des Neugeborenen nicht mit der Muttermilch per se zusammen, sondern oft mit seinem noch unausgereiften Verdauungssystem.

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Babys Darm muss sich nach der Geburt zunächst an Nahrung gewöhnen. Häufig äußert sich das – neben Blähungen oder Durchfall – zusätzlich durch Schreien. Normalerweise legt sich diese Situation nach einigen Wochen, wenn Babys Darm etwas reifer ist und die Verdauung besser funktioniert.

Ein Begriff, der in Zusammenhang mit Blähungen und häufigem Schreien immer wieder fällt, ist „Dreimonatskolik“. Doch auch hier gibt es Aufklärungsbedarf, denn der Begriff „Dreimonatskolik“ ist veraltet. Experten sprechen mittlerweile von „Regulationsstörungen“. Die genauen Ursachen für die Entstehung werden weiterhin erforscht, es stehen aber eine Reihe von Auslösern wie eine Überempfindlichkeit gegenüber Umweltreizen oder Störungen der Darmflora im Verdacht.

Vorsicht!

Hat Ihr Baby plötzlich allergische Symptome wie Ausschlag oder Juckreiz, sollten Sie umgehend den Kinderarzt aufsuchen. Denn in diesem Fall kann es sich beispielsweise um eine allergische Reaktion handeln.

Kuhmilchunverträglichkeit beim Baby: Mögliche Symptome

Schätzungsweise rund 10 Prozent der Säuglinge sind von einer Unverträglichkeitsreaktionen aufgrund von Kuhmilchproteinen betroffen.1 Sie sind die ersten potenziellen Allergene, mit denen Babys – zum Beispiel in Form von Ersatzmilch oder wenn die stillende Mutter regelmäßig Milchprodukte verzehrt – konfrontiert werden.

Zu den möglichen Symptomen bei einer Unverträglichkeit von Kuhmilch gehören:

Im schlimmsten Fall kann es zu einer anaphylaktischen Reaktion kommen, bei der der Kreislauf des Kindes zusammenbricht. In dem Fall sollten Eltern sofort den Notarzt rufen.

Bei allen weiteren Symptomen hilft zunächst der Kinderarzt weiter, der das Baby gegebenenfalls an einen Spezialisten (Allergologen) überweist. Der Experte stellt die finale Diagnose und findet heraus, wie stark die Kuhmilchallergie beim Kind ist und welche Maßnahmen Eltern in Zukunft treffen müssen.

Was tun bei einer Kuhmilchallergie beim Baby?

Wichtig ist zunächst, herauszufinden, wie stark die Allergie ausgeprägt ist. Bei einer leichten Form muss die Mutter zum Beispiel nicht zwingend auf Milch von Kühen verzichten. Häufig genügt es dann, die Milch beispielsweise abzukochen oder alternativ zu Produkten mit Säuerung (etwa Joghurt oder Quark) zu greifen.

Darüber hinaus gibt es aber auch sehr starke Kuhmilchallergien beim Baby. In diesem Fall reagieren betroffene Kinder sogar dann, wenn nur Spuren von Kuhmilchproteinen in der Muttermilch oder in Lebensmittel wie beispielsweise Wurst, Backwaren oder Fertiggerichten enthalten sind. Kann ein solch hoch allergischer Säugling dann nicht gestillt werden beziehungsweise wird er mit Flaschennahrung gefüttert, müssen Eltern auf ein spezielles Milchpulver zurückgreifen.

Spezialnahrung bei Kuhmilchproteinallergie

Neben der normalen Säuglingsmilch auf Kuhmilchbasis gibt es stark hydrolysierte Formula-Nahrung, die HA-Milch (hypo-allergen). Bei dieser werden durch ein spezielles Herstellungsverfahren die Eiweißbausteine der Kuhmilch, welche die Allergie auslösen, in zahlreiche kleinere Bestandteile gespalten. Diese lösen nur noch in seltenen Ausnahmefällen eine Allergie aus, da sie vom Immunsystem in der Regel nicht erkannt werden. Wichtig zu wissen: Es gibt darüber hinaus Säuglingsmilch aus Ziegen- statt aus Kuhmilch. Doch auch diese Variante eignet sich nicht für Babys mit einer Kuhmilchunverträglichkeit, da beide Eiweiße ähnlich aufgebaut sind.

Eine Allergie gegen Kuhmilch beim Baby muss nicht dauerhaft bestehen bleiben. Bei über der Hälfte der betroffenen Kinder verschwindet die Kuhmilchunverträglichkeit nach den ersten drei Lebensjahren wieder.1

Selten, aber möglich: Die angeborene Laktoseintoleranz

Es gibt grundsätzlich mehrere Formen der Laktoseintoleranz. Bei der neonatalen Laktoseintoleranz handelt es sich um eine seltene, angeborene Erkrankung. Dabei sind die Neugeborenen durch einen Gendefekt nicht in der Lage, das Enzym Laktase zu bilden. Dieses wird aber benötigt, um Milchzucker, also die Hauptenergiequelle des Kindes, im Darm in seine Bestandteile Glukose (Traubenzucker) und Galaktose (Schleimzucker) aufzuspalten, damit er vom Körper verwertet werden kann. Es entstehen folgende Symptome:

  • Durchfall
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Dehydrierung
  • starke Gedeihstörungen

Eltern, die befürchten, ihr Säugling leide an einer Laktoseintoleranz, sollten ihn umgehend beim Kinderarzt beziehungsweise in einer Klinik vorstellen.

Als Therapie kommt nur eine laktosefreie Diät infrage. Das Problem: Sowohl Muttermilch als auch herkömmliche Ersatzmilch auf Kuhmilchbasis enthalten Laktose. Es gibt jedoch spezielle Präparate, die laktosefrei sind — Ihr behandelnder Kinderarzt wird Sie beraten. In manchen Fällen, vor allem bei ärztlich nachgewiesenen Allergien, übernehmen Krankenkassen Teile der Kosten für die Ersatzprodukte. Informieren Sie sich darüber bestenfalls bei Ihrer Kasse.

Physiologischer Laktasemangel

Babys, die zunächst keine Probleme hatten, können auch nach der Entwöhnung von der Muttermilch (Abstillen) einen natürlichen Laktasemangel aufweisen. Die Produktion des Enzyms geht zurück und die Verträglichkeit gegenüber Milchzucker sinkt. Wie viele Milchprodukte ein Kind dann verträgt, ist sehr individuell und hängt von verschiedenen Faktoren wie etwa der genetischen Veranlagung ab. Manche Kinder können im Anschluss an das Stillen bereits bei kleineren Mengen Milchzucker reagieren, andere wiederum überhaupt keine Symptome einer Laktoseintoleranz zeigen.

Monika Hortig
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Medizinredakteurin
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