Reizdarm beim Kind erkennen: Das sind die Symptome

5. Juni 2018
7 Min.

Reizdarm gehört zu den sogenannten funktionellen Störungen des Verdauungssystems. Das bedeutet, dass sich Anzeichen einer Erkrankung zeigen – in diesem Fall beispielsweise Durchfall und Bauchschmerzen – ohne dass der Arzt eine körperliche Ursache für die Beschwerden findet. Die meisten Reizdarm Patienten entwickeln die ersten Symptome im Alter von 20 bis 30 Jahren, doch auch Kinder können bereits von der Erkrankung betroffen sein.1 Wir haben für Sie herausgefunden, auf welche Krankheitszeichen es ankommt.

Mädchen leidet an Reizdarm-Symptomen

Reizdarm Symptome bei Kindern und Erwachsenen

Typische Anzeichen für einen Reizdarm sind Beschwerden im unteren Bauchabschnitt, die oft mit Unregelmäßigkeiten beim Stuhlgang einhergehen. Möglich ist dabei sowohl das Auftreten von Durchfall als auch von Verstopfung. Bei einigen Patienten wechseln sich auch Phasen mit wässrigem und sehr festem Stuhl ab.

Im Einzelnen ist der Reizdarm mit folgenden Symptomen verbunden:

  • Schmerzen und Druckgefühl im unteren Bauch
  • Völlegefühl und Blähungen
  • Veränderung der Häufigkeit des Stuhlgangs (bis hin zu über vier Stuhlgängen am Tag oder weniger als zwei Stühle in der Woche)2
  • Veränderung der Beschaffenheit des Stuhls (wässrig oder fest)
  • starker, plötzlich einsetzender Stuhldrang
  • Gefühl der unvollständigen Entleerung des Darms
  • Absonderung von Schleim während des Stuhlgangs
Ein weiteres wichtiges Anzeichen dafür, dass ein Reizdarm hinter den Symptomen stecken könnte, ist das Fortdauern oder das Wiederkehren der Beschwerden über einen Zeitraum von mindestens zwei Monaten3. Sollten Sie derartige Symptome bei Ihrem Kind beobachten, ist unbedingt ein Arztbesuch angeraten.

Die Besonderheit bei Kindern:

Kinder, die an Reizdarm leiden, können die Symptome nicht auf dieselbe Weise beschreiben wie Erwachsene. Die ohnehin schon komplizierte und langwierige Diagnose wird dadurch zusätzlich erschwert. Aus diesem Grund sollten Eltern ihre Kinder, wenn diese über Bauchbeschwerden klagen, möglichst genau beobachten. Achten Sie beispielsweise darauf, ob ihr Kind weniger isst, um Schmerzen zu vermeiden. Infolgedessen kann das Kind an Gewicht verlieren. Doch Vorsicht: Unbeabsichtigter Gewichtsverlust kann auch auf eine andere Erkrankung hindeuten.

Das hauptsächliche Symptom bestimmt den Reizdarm-Typ

Reizdarm kann in mehrere Typen eingeteilt werden. Die Unterscheidung richtet sich dabei nach dem jeweils am stärksten ausgeprägten Symptom.

  • Typ 1: Bei dieser Form des Reizdarms leiden Patienten vor allem an Durchfall (Diarrhoe).
  • Typ 2: Das vorherrschende Reizdarm-Symptom ist in dem Fall Verstopfung (Obstipation).
  • Typ 3: Durchfall und Verstopfung wechseln sich bei diesen Patienten ab.
  • Typ 4: Hier überwiegen Schmerzen und Blähungen (ohne, dass die Gase abgehen können).

Eine besonders große Belastung für ein Kind entsteht, wenn das vorherrschende Reizdarm-Symptom Durchfall ist. Anders als Erwachsene, können sie den plötzlichen Stuhldrang oft nicht sofort richtig einordnen und suchen die Toilette zu spät auf. Die dadurch entstehende Scham und die Angst vor dem nächsten Zwischenfall kann ein Kind schwer verunsichern. Die Folge kann der Rückzug aus dem sozialen Umfeld sein – betroffene Kinder möchten dann beispielsweise nicht mehr die Schule besuchen.

Rom-III-Kriterien erleichtern die Diagnosestellung

Zu den Hauptursachen für das Reizdarmsyndrom gehört eine herabgesetzte Schmerzschwelle im Darm der Patienten sowie Störungen der Muskeltätigkeit im Verdauungstrakt (Motilitätsstörungen). Anders ausgedrückt bedeutet das, dass Betroffene beispielsweise den Dehnungsdruck im Magen-Darm-System früher als schmerzhaft empfinden als gesunde Menschen. Der Nachweis solcher körperlichen Besonderheiten ist allerdings schwierig und nicht an jeder Klinik möglich. Um festzustellen, ob eine herabgesetzte Schmerzschwelle für die Symptome verantwortlich ist, kann beispielsweise ein Test durchgeführt werden, bei dem ein Ballon in den Darm des Patienten eingeführt und allmählich mit Luft gefüllt wird. Menschen, die am Reizdarmsyndrom leiden fühlen den Ballon früher und empfinden den dabei entstehenden Druck eher als schmerzhaft, als gesunde Probanden. Bei der Überprüfung von bekannten Krankheitsparametern, beispielsweise durch die Analyse von Blut-, Urin-, oder Stuhlproben, können bei Patienten mit dem Reizdarmsyndrom hingegen keine Auffälligkeiten festgestellt werden.

Die Diagnose basiert deshalb zu einem Großteil auf dem Ausschluss anderer infrage kommender Erkrankungen. Dadurch bleibt jedoch sowohl beim Patienten als auch beim Arzt eine gewisse Unsicherheit bestehen. Um dem Arzt das verlässliche Erkennen von Reizdarm – insbesondere bei Kindern – anhand von genau festgelegten Symptomen und anderen Gesichtspunkten zu erleichtern, wurden im Jahr 2006 die sogenannten pädiatrischen Rom-III-Standards festgelegt, die folgendermaßen lauten:4

  1. Der Patient zeigt Beschwerden im unteren Bauchabschnitt (Schmerzen oder Unwohlsein), die zusammen mit mindestens zwei der hier aufgeführten Kriterien a bis c auftreten (während mindestens einem Viertel der Beschwerdedauer):

  2. a. Besserung von Schmerzen oder Unwohlsein nach dem Stuhlgang

    b. Abweichungen der Häufigkeit des Stuhlgangs

    c. Veränderung der Konsistenz des Stuhlgangs

  3. Der untersuchende Arzt findet keinen Hinweis auf eine andere Erkrankung.

Für eine verlässliche Diagnose von Reizdarm bei einem Kind müssen die Punkte 1 und 2 beide erfüllt sein und die Symptome müssen für eine Zeit von mindestens zwei Monaten mindestens einmal wöchentlich auftreten.

Krankheiten bei Kindern – kein Reizdarm trotz ähnlicher Anzeichen

Magen-Darm-Beschwerden gehören besonders bei Kindern zu den häufigsten Symptomen überhaupt und können neben dem Reizdarm auch auf zahlreiche andere – darunter auch gefährliche – Krankheiten hindeuten. Bei Säuglingen stecken möglicherweise Koliken hinter den Beschwerden. Symptome, die denen des Reizdarms ähneln, können bei Kindern außerdem durch Stoffwechselstörungen, Magen-Darm-Infekte oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten hervorgerufen werden.

Der Arzt wird mit Ihnen und Ihrem Kind zunächst ein ausführliches Gespräch führen und Ihr Kind eingehend auf körperliche Auffälligkeiten hin überprüfen sowie eine Blutprobe nehmen. Möglicherweise wird er Sie auch darum bitten zum nächsten Termin, eine Stuhlprobe Ihres Kindes mitzubringen. Um schwerwiegende Erkrankungen auszuschließen, achten Mediziner während der Untersuchung auf bestimmte Alarmzeichen – sogenannte „red flag signs“. Dazu zählen:

  • Fieber (ab 38,5 Grad Celsius)5
  • Blut im Stuhl
  • unbeabsichtigte Gewichtsreduktion
  • gestörtes Wachstum
  • deutlicher Leistungsabfall
  • das Vorliegen einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung (Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn) in der Familie

Hat keine der Untersuchungen zu einem Ergebnis geführt, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Symptome bei Ihrem Kind auf einen Reizdarm hindeuten. Die gute Nachricht lautet, dass funktionelle Verdauungsstörungen wie das Reizdarm- oder auch das Reizmagensyndrom nicht mit Komplikationen oder Folgeerkrankungen verbunden sind. Außerdem lassen sich die Beschwerden gut lindern, obwohl die Suche nach der Ursache sich bei dieser Erkrankung schwierig ist.

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