Wassergeburt: Alles Wissenswerte zur Entbindung in der Wanne

26. August 2019
11 Min.

Bei dieser Geburtsmethode befindet sich die Frau während der Wehen und/oder unmittelbar bei der Geburt des Kindes in einer Wanne. Das Baby gleitet so besonders sanft in die neue Welt. Neben vielen Vorteilen kann eine Geburt im Wasser aber auch Nachteile haben. Wir informieren Sie über den typischen Ablauf einer Entbindung in der Wanne und klären über Chancen und Risiken auf.

Frau hält ihr Kind nach Wassergeburt im Arm


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Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Bei einer Wassergeburt findet die Entbindung in der Wanne statt.
  • Die Geburtsmethode kommt leider nicht für alle Schwangeren infrage. Es müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein.
  • Das warme Wasser soll auf Mutter und Kind entspannend wirken.
  • Neben vielen Vorteilen sind auch Risiken wie eine erhöhte Infektionsgefahr in Betracht zu ziehen.

Entbinden im Wasser: Was sind die Voraussetzungen?

Viele Frauen wünschen sich eine Entbindung im Wasser. Dennoch wird die Mehrzahl der Kinder im Entbindungsbett geboren. Das liegt auch daran, dass eine Wassergeburt nur geeignet ist, wenn die Schwangerschaft ohne Komplikationen verläuft, also beispielsweise keine Blutungen auftraten oder eine vorgeburtliche Wachstumsverzögerung festgestellt wurde.

Grundsätzlich spricht nichts gegen eine Wassergeburt, falls:

  • sich die werdende Mama mindestens in der 37. Schwangerschaftswoche befindet1.
    Grund: bei einem Frühchen ist das Atmungssystem unausgereift und der Diving-Reflex noch nicht stark genug ausgeprägt )
  • das Kind mit dem Köpfen nach unten liegt,
  • Herzrhythmus und -frequenz des Kindes normal sind
  • im bisherigen Geburtsablauf noch keine zentral dämpfenden Schmerzmittel (Analgetika) gegeben oder auch noch keine Periduralanästhesie (PDA) gemacht wurde.

Und auch ein vorangegangener Kaiserschnitt ist nicht unbedingt ein Hindernis für eine Wassergeburt.

Aber selbst wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind, gibt es noch Situationen, in denen die Geburt im Wasser abgebrochen werden muss. Sei es auf den ausdrücklichen Wunsch der Mutter hin oder weil die Geburt nicht voranschreitet. Treten Komplikationen beim Baby wie Änderungen der Herzfrequenz auf, beschließen Hebamme und Arzt ebenfalls einzuschreiten.

Außerdem muss zu jeder Zeit der Wassergeburt gewährleistet sein, dass das Wasser (im Falle auftretender Probleme) in etwa einer Minute abgelassen werden und die Schwangere durch die Unterstützung einer Hilfsperson aus der Gebärwanne steigen kann. 3

Wann kommt eine Entbindung im Wasser nicht infrage? Generell nicht möglich ist eine Wassergeburt bei einer Mehrlingsschwangerschaft oder wenn die Mutter an einer Infektionskrankheit wie HIV leidet, da ein hohes Ansteckungsrisiko für Kind und Klinikpersonal besteht.4

Wie können Sie sich auf die Wassergeburt vorbereiten?

Wenn Sie sich für eine Wassergeburt entscheiden, sollten Sie sich rechtzeitig vor dem Geburtstermin eine Klinik und Hebamme suchen, die diese Methode anbieten. Einige Krankenhäuser ermöglichen es sogar, in der Geburtswanne Probe zu sitzen. Zudem gibt es spezielle Geburtsvorbereitungskurse, in denen sich Schwangere informieren und Gebärpositionen üben können. Die Kosten werden in der Regel von der Krankenkasse übernommen, am besten Sie informieren sich jedoch über etwaige Zusatzleistungen, die berechnet werden könnten.

Ist die Geburt in einer Klinik geplant, können Sie Musik, spezielle Düfte oder andere persönliche Gegenstände mit zum Geburtstermin bringen. Zudem können Sie sich ein bequemes T-Shirt oder ein Bikini-Oberteil einpacken. Viele Frauen fühlen sich jedoch während der Entbindung nackt am wohlsten.

Soll das Kind hingegen in den eigenen vier Wänden per Wassergeburt zur Welt kommen, sollten Sie überlegen, sich einen sogenannten Geburtspool zu kaufen oder zu leihen. Dieser muss vor allem entsprechend groß und zugänglich sein und spezielle hygienische Vorschriften erfüllen.

Wie läuft eine Geburt im Wasser ab?

Vor der Entbindung werden von Arzt oder Hebamme einige körperliche Untersuchungen durchgeführt. Dazu gehören beispielswiese das Messen des Blutdrucks oder das Feststellen der Position des Babys durch Abtasten des Bauches. Zudem wird den Frauen ein Darmeinlauf empfohlen, um Wasserverunreinigungen später zu vermeiden. In Absprache mit der betreuenden Hebamme entscheidet die Schwangere selbst, wann sie in die Badewanne möchte – sprich, schon während der Wehen (Eröffnungsphase) oder erst zur Geburt selbst (Austreibungsphase).

Während des gesamten Ablaufes überwacht die Hebamme die kindlichen Herztöne sowie die Wehentätigkeit mittels eines Induktions-CTGs (Kardiotokografie). In die Innenwände der Badewanne können Induktionsschleifen (Drahtschleifen) integriert sein, die ein elektromagnetisches Feld erzeugen. Ein Gerät, das sich außerhalb der Wanne befindet, liest die empfangenden Daten aus. Ein herkömmliches CTG-Gerät findet keine Anwendung – es besteht die Gefahr von Stromschlägen.

Steht die Geburt im Wasser kurz bevor, führt die Hebamme, falls nötig, vom seitlichen Beckenrand aus den Dammschutz durch. Darunter versteht man Handgriffe, mit denen sich das Durchtrittstempo des Babyköpfchens etwas steuern lässt, um so einen Dammriss im besten Fall zu vermeiden.

Ist die Geburt geschafft, legt die Hebamme das Neugeborene sofort auf den Bauch der Mutter. Die übliche Überwachung von Mutter und Neugeborenem wird dann im Entbindungsbett weitergeführt.

Welche Temperatur hat das Wasser?

Die Wassergeburt wird von einer Hebamme und/oder einem Arzt begleitet. Sie kontrollieren auch die Wassertemperatur in der speziellen Geburtswanne, die zwischen 32 und 37 Grad Celsius liegen sollte.3 So überwärmt oder unterkühlt das Baby nicht, wenn es ins Wasser gleitet. Ist die Temperatur zu hoch, erhöht das die Kreislaufbelastung für die Mutter zusätzlich.

Welche Position wird in der Wanne eingenommen?

In der Wanne ist die Schwangere nicht auf eine bestimmte Gebärposition festgelegt. Rückenlage, hockend oder auch der Vierfüßlerstand (Knie-Ellenbogen-Lage) sind möglich.

Kann das Baby ertrinken?

Der angeborene Tauchreflex (Diving-Reflex) bei Neugeborenen verhindert, dass sie Wasser einatmen. Das Baby darf sogar maximal eine Minute lang unter Wasser bleiben.5 Den ersten Atemzug macht der Säugling erst, wenn sich sein Köpfchen außerhalb des Wassers befindet.

Bei einem Frühchen besteht hingegen die Gefahr, dass dieser Reflex noch nicht vollständig ausgeprägt ist. Aus diesem Grund wird eine Wassergeburt auch erst ab der 37. Woche durchgeführt.1

Ist eine Nachgeburt im Wasser möglich?

Generell kann im Wasser auch die Geburt der Plazenta, die sogenannte Nachgeburt, erfolgen. Je nach Klinik wird die Mutter jedoch gebeten, dafür die Gebärwanne zu verlassen, da sich der Blutverlust außerhalb des Wassers besser kontrollieren lässt.

Vorteile für Mama und Kind bei einer Wassergeburt

Unlängst bekannt ist die entspannende Wirkung warmen Wassers. Doch es gibt weitere Gründe, warum sich Frauen für diese Art der Geburt entscheiden:

  • mögliche Beschleunigung des Geburtsvorgangs (Muttermund öffnet sich schneller)
  • verringerter Bedarf an Schmerzmitteln (durch geringer empfundenen Wehenschmerz)
  • Entlastung des Rückens (durch den Auftrieb des Körpers)
  • positiver Effekt auf die Elastizität des Dammgewebes (Gewebe zwischen Scheide und After), somit auch vermindertes Risiko für Dammschnitt oder -riss
  • Wehenveratmung kann leichter fallen (das warme Wasser wirkt entspannend)

Aber auch für das Babys kann eine Geburt im Wasser vorteilhaft sein: Vom schützenden Fruchtwasser gleitet das Neugeborene sanft direkt ins Badewasser. Das bedeutet deutlich weniger Stress für das Kind.

Nachteile einer Wassergeburt

Bei einer Wassergeburt gibt es aus medizinischer Sicht auch einige Nachteile, über die Schwangere im Vorfeld informiert sein sollten:

  • Eine Periduralanästhesie (PDA) zur Schmerzdämpfung ist nicht möglich, solange die Frau in der Wanne liegt. Die Schwangere muss hierfür aus dem Becken steigen. Zudem muss die Zugangsstelle nach dem Legen der PDA wasserdicht abgeklebt werden, um das Eindringen von Keimen zu vermeiden. Aufgrund des damit verbundenen Aufwands und Infektionsrisikos bieten viele Kliniken keine PDAs während der Wassergeburt an.
  • Werden Hygienevorschriften für die Nutzung von Gebärwannen nicht ordnungsgemäß eingehalten, besteht zudem allgemein eine erhöhte Infektionsgefahr für die Schwangere und das Baby, aber auch für die Hebamme.

Zusätzlich kann bei Komplikationen nicht so schnell eingegriffen werden wie bei einer Geburt im Entbindungsbett. Das Aussteigen aus der Wanne ist bei fortgeschrittener Geburt möglicherweise sehr unangenehm für die werdende Mutter.

Fazit: Nicht zu sehr auf den Wunsch einer Wassergeburt versteifen

Sicher ist es hilfreich, sich über die Möglichkeiten einer Wassergeburt in der Geburtsklinik zu informieren und bereits bei der Anmeldung zur Geburt im Arztgespräch zu erwähnen, dass man das Baby im Wasser entbinden möchte. Doch nicht alles im Leben ist planbar, am allerwenigsten der genaue Ablauf einer natürlichen Geburt. Möglicherweise spielt der Kreislauf der Schwangeren nicht mit, sie fühlt sich in der Wanne unwohl oder entscheidet sich doch für eine Periduralanästhesie. Auch medizinische Gründe können gegen eine Wassergeburt sprechen. Das Wichtigste ist jedoch, sich vor Augen zu führen, dass es nicht den einen richtigen Weg gibt, sein Kind zur Welt zu bringen. Im Vordergrund sollte immer die Gesundheit und das Wohlbefinden beider stehen, des Kindes und der Mutter.

Julia Lindert
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Miriam Och
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