Seborrhoisches Ekzem beim Baby: Ursachen, Symptome und Therapie

18. Oktober 2019
13 Min.

Ein seborrhoisches Ekzem (auch seborrhoische Dermatitis) ist eine mit klebrigen Schuppen einhergehende Hautentzündung, die nicht ansteckend ist. Sie tritt nicht nur bei Neugeborenen auf, sondern kann auch bei Erwachsenen vorkommen. Bei Säuglingen beschränkt sich die klebrige Schuppenbildung häufig nur auf den Kopf und ist deshalb als Kopfgneis bekannt. Dieser verschwindet meist innerhalb des ersten Lebensjahres wieder und ist harmlos.1 Dennoch fragen sich viele Eltern: Lässt sich die Erkrankung der Haut behandeln?

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Kurze Worterklärung:

seborrhoisch = die gesteigerte Talgproduktion (Seborrhoe) betreffend

Ekzem = entzündliche Hautveränderungen

Dermatitis = entzündliche Reaktion der Haut

Seborrhoisches Ekzem: Ursachen und Entstehung

Baby mit seborrhoischem Ekzem

Warum manche Babys eine seborrhoische Dermatitis bekommen und andere nicht, ist bisher unklar. Weit verbreitet ist jedoch die Annahme, dass das Säuglingsekzem durch eine Überproduktion der Talgdrüsen zustande kommt. Wissenschaftler gehen unter anderem davon aus, dass das unter dem Einfluss mütterlicher Hormone (Androgene) geschieht, die sich beim Säugling nach der Geburt stetig abbauen.


Interessant:

Die Talgdrüsen scheiden Fett (Sebum) aus, um einen Hautschutz vor Trockenheit, Fremdstoffen und Krankheitserregern zu bilden. Jedoch verändert zu viel produzierter Talg die Hautoberfläche in dem Ausmaß, dass manche Mikroorganismen vermehrt Nahrung und somit ideale Lebensbedingungen vorfinden. So können sich bestimmte Pilze, die zum normalen Hautbild gehören, zunehmend ausbreiten und die Symptome eines seborrhoischen Säuglingsekzems verstärken.


Auch eine Störung des Fettsäurestoffwechsels (beispielsweise Verdauung sowie Transport von Fettsäuren im Organismus) steht zur Diskussion. Bei betroffenen Säuglingen wurde ein vorrübergehender Defekt eines bestimmten Enzyms (Delta-6-Desaturase) festgestellt. Der Funktionsverlust des Enzyms führt dazu, dass einige Fettsäuren nicht ausreichend gebildet werden können, die eine wichtige Funktion für die Hautbarriere (gegen äußere Einflüsse) erfüllen.

Verbreitet ist auch die Annahme, dass die Ernährung einen Einfluss auf das seborrhoische Ekzem beim Baby hat. Allerdings gibt es hierfür bislang keine wissenschaftlichen Belege.

Schuppenbildung: Anzeichen der seborrhoischen Dermatitis

Mutter kämmt ihr Baby und bemerkt die Symptome eines seborrhoisches Ekzem

Typisch für das seborrhoische Ekzem ist eine schuppende Haut und Krustenbildung in Bereichen mit vielen Talgdrüsen. Dazu gehören Kopfhaut, Ohren und die Haut um die Augenbrauen. Darüber hinaus kann eine feine Schuppung auf Stirn und Gesicht beobachtet werden. Die Haut unter den Krusten ist bei leichteren Formen nicht oder nur gering gerötet. Seltener ist bei Babys ein Befall der Wangen, der Brust, des Rückens oder der Beugefalten (beispielsweise unter den Achseln oder im Windelbereich) zu beobachten.

Die deutlichsten Anzeichen für ein seborrhoisches Ekzem beim Baby sind

  • dicke, fettige sowie festsitzende Schuppen auf der Kopfhaut,
  • die weißlich, gelblich oder bräunlich erscheinen und
  • meist keinen Juckreiz auslösen.

Bei schweren Verläufen und Entzündungen der Haut können die betroffenen Hautstellen jedoch in Folge von zusätzlichem Bakterien- oder Pilzbefall jucken.


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Wie lange dauert das seborrhoische Ekzem?

Im Säuglingsalter tritt die Hautentzündung vor allem in den ersten Lebensmonaten auf, verschwindet in der Regel jedoch bis zum 1. Lebensjahr von allein wieder. Diese Beobachtung deckt sich mit der Annahme, dass die Hauterkrankung beim Baby an einer Überproduktion der Talgdrüsen liegt. Denn nach ein paar Lebensmonaten kommt es zu einer Inaktivität dieser Drüsen, was das Abklingen des seborrhoischen Ekzems beim Baby im ersten Lebensjahr begründen kann. Erst mit Beginn der Pubertät werden die Talgdrüsen wieder aktiver.2

Seborrhoisches Ekzem oder Milchschorf – wo ist der Unterschied?

Das seborrhoische Ekzem beim Baby wird aufgrund ähnlicher Symptome (Rötung, Schuppenbildung, Nässen und Krusten auf der behaarten Kopfhaut) häufig mit Milchschorf verwechselt. Dennoch gibt es einige Merkmale, um die beiden Hauterkrankungen zu unterscheiden:

  • Beim seborrhoischen Ekzem ist Allgemeinbefinden des Säuglings nicht beeinträchtigt. Demgegenüber quengeln Kinder mit Milchschorf mehr und sind weinerlicher, weil die Haut unter den Schuppen stark juckt, entzündet ist und nässt.
  • Die seborrhoische Dermatitis kann bereits in den ersten Lebenswochen auftreten, während sich Milchschorf bei Säuglingen meist erst nach dem dritten Lebensmonat zeigt.1

Zwar lässt der Milchschorf oft nach mehreren Monaten von allein nach, doch kann dieser durch die beschwerlicheren Symptome behandlungsbedürftig sein. Eltern sollten zur genaueren Diagnose einen Kinderarzt aufsuchen, der sie zudem zur Linderung der Beschwerden bestens beraten kann.


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Wie sieht die Behandlung des seborrhoischen Säuglingsekzems aus?

Baby sitzt in der Badewanne, um das seborrhoische Ekzem zu behandeln.

Da der kleine Patient in der Regel keine Beschwerden hat und die Dermatitis meist von selbst wieder weggeht, müssen Eltern die Erkrankung nicht zwingend behandeln. Schwerere Verläufe können sich aber weiter auf den Körper ausbreiten und auch zu Entzündungen und Juckreiz führen. Dann sollten Eltern durchaus aktiv werden. Welche Optionen kommen bei der Behandlung infrage? Und lassen sich die unschönen Schuppen schonend entfernen?


Zu den therapeutischen Maßnahmen:

Kopfgneis schonend behandeln

Auch wenn keine Therapie erforderlich ist, können bei Babys äußerliche Maßnahmen zur Behandlung des seborrhoischen Ekzems zur Anwendung kommen – vor allem dann, wenn die Schuppen am Kopf stören sollten. Für das sanfte Ablösen haben sich Hausmittel wie Olivenöl oder Kokosfett bewährt. Alternativ eignen sich bei Kopfgneis auch sogenannte Keratolytika (hornlösende Mittel) aus der Apotheke.

  • Massieren Sie das Öl oder das medizinische Präparat sanft auf der Kopfhaut Ihres Babys ein und lassen es dort einige Zeit (am besten über Nacht) einwirken.
  • Die fettigen Krusten weichen auf und lösen sich, sodass Sie diese anschließend mit einem Kamm anheben und auskämmen können.
  • Danach hilft ein Bad mit einem milden Babyshampoo, um die restlichen Schuppen vom Haar und der Kopfhaut zu befreien.

Auf keinen Fall sollten Sie in Versuchung kommen, die Schuppen des Kopfgneis mit den Fingernägeln abzukratzen. Das kann nicht nur zu Eintrittspforten für Krankheitserreger führen, die auf der Haut für Entzündungen sorgen, sondern auch unschöne Narben hinterlassen.

Gut zu wissen:

Entwickelt sich das Ekzem bei Babys in den ersten Lebensmonaten, heilt es meist vollständig und folgenlos innerhalb des ersten Lebensjahres aus.1 Ganz anders bei Jugendlichen oder Erwachsenen: Tritt die seborrhoische Dermatitis zum ersten Mal im späteren Lebensalter auf, kann die Entzündung immer wieder zurückkehren.

Seborrhoisches Ekzem beim Baby mit Homöopathie behandeln

Homöopathie ist bei vielen Eltern eine beliebte alternative Behandlungsform, auch wenn sie wissenschaftlich umstritten ist, da es keinen eindeutigen Wirknachweis gibt. Nichtsdestotrotz berichten Anwender immer wieder vom positiven Nutzen. Sollten sich Eltern für eine alternative Heilmethode bei ihrem Kind entscheidet, empfiehlt sich vor der Anwendung dennoch die Rücksprache mit einem Arzt.

Je nachdem wie sich das Ekzem äußert, gibt es verschiedene homöopathische Wirkstoffe, die bei der Therapie zum Einsatz kommen können:

  • Graphites: nässendes Ekzem mit übelriechenden, klebrigen Absonderungen
  • Calendula (Ringelblume): bei trockener Haut zur Förderung neuer Hautzellen
  • Urea Pura (Harnstoff): bindet die Feuchtigkeit der Haut bei Trockenheit und Schuppenbildung

Meist werden Homöopathika als Globuli verabreicht. Dosis und Einnahmedauer sollten Sie immer mit einem erfahrenen Homöopathen abstimmen, der Ihnen zudem bei der richtigen Mittelauswahl hilft.

Wie funktioniert Homöopathie?

Die Wirkweise der homöopathischen Arznei beruht auf dem sogenannten Ähnlichkeitsprinzip. Dieses besagt, dass das jeweilige Präparat unverdünnt beim Gesunden ähnliche Symptome auslösen würde, wie die, die beim Erkrankten vorliegen. Ein Beispiel: Beim Schneiden einer Küchenzwiebel (Alium cepa) fängt meist die Nase an zu laufen. Wer an Schnupfen erkrankt ist, soll deshalb den homöopathischen Wirkstoff Alium cepa gegen das Symptom verwenden.

Wie oft und in welchem Verhältnis der Inhaltsstoff aus der jeweiligen Ursubstanz verdünnt wurde, wird über die verschiedenen Potenzen angegeben. Diese finden sich als Buchstabe und Zahl hinter der Bezeichnung des Mittels (beispielsweise D12). Je höher die Verdünnung, desto stärker soll die Wirkung ausfallen.

Behandlung des seborrhoischen Säuglingsekzems bei Entzündungen

In einigen Fällen ist die seborrhoische Dermatitis hartnäckiger und kann sich auch auf andere Körperstellen als den Kopf ausbreiten. Stirn, Gesicht, Ohren und die Haut um die Augenbrauen – überall dort, wo besonders viele Talgdrüsen sitzen, entstehen leicht Hautirritationen. Die Haut rötet sich und beginnt zu nässen. Dann ist es wichtig, die betroffenen Stellen zu behandeln.


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Der zuständige Arzt verschreibt eventuell eine leichte kortisonhaltige Creme. Aber auch Salben oder Shampoos mit Antibiotika (gegen Bakterien) oder Antimykotika (gegen Pilze) werden angewandt, sofern entsprechende Erreger festgestellt wurden. Zudem haben sich Präparate mit Hyaluronsäure oder Panthenol bei der Therapie von entzündeten Hautstellen bewährt, da sie entzündungshemmend und beruhigend wirken. Übrigens werden diese Substanzen gerne auch bei einem wunden Po angewandt.

Welche sonstigen Maßnahmen sollten Sie ergreifen?

Das Hautbild des Babys kann auch mit allgemeinen pflegenden Maßnahmen verbessert werden. Probieren Sie folgende Tipps aus:

  • Zur täglichen Hautreinigung verwenden Sie vor allem lauwarmes Wasser und einen frischen Waschlappen, um Schmutz und überschüssige Schuppen zu entfernen.
  • Wenn Sie auf pflegende Produkte nicht verzichten wollen, achten Sie darauf, dass die Pflegemittel pH-neutral sind und keine Farb-, Duft-, oder Konservierungsstoffe enthalten. Diese Inhaltsstoffe können die Haut zusätzlich reizen.

Außerdem ist es wichtig, ein feuchtes Hautmilieu zu verhindern. Daher sollten Eltern ihr Kind nicht zu warm anziehen und auf synthetische Kleidung zu verzichten. Im Winter hilft es, das Baby nach dem Zwiebelprinzip, also in mehrere Schichten, zu kleiden. So können Sie nach Bedarf, zum Beispiel beim Wechsel von der kalten Winterluft in beheizte Räume, Kleidungsstücke ablegen, um übermäßiges Schwitzen bei Ihrem Baby zu verhindern.

Zusätzlicher Tipp:

Um das seborrhoische Ekzem indirekt zu behandeln, empfiehlt sich der regelmäßige Aufenthalt an der frischen Luft. Denn die UV-Strahlen des Sonnenlichts können sich (in Maßen) positiv auf das Hautbild auswirken. Allerdings sollte vor allem im Sommer darauf geachtet werden, dass der Sonnenschutz beim Baby nicht zu kurz kommt, um einen Sonnenbrand zu vermeiden https://www.mutter-kind-gesundheit.de].

Wann zum Arzt?

Solange Ihr Baby nur ein paar Schuppen auf der Kopfhaut aufzeigt, ist ein Arztbesuch nicht unbedingt nötig, da dies keinerlei Auswirkungen auf das Wohlbefinden hat. Einen Kinderarzt sollten Sie aufsuchen, wenn

  • sich die betroffenen Hautpartien ausweiten oder
  • Rötungen sowie Juckreiz auftreten.

Der Arzt kann feststellen, ob tatsächlich ein seborrhoisches Säuglingsekzem vorliegt oder ob eine andere Hauterkrankung wie beispielsweise eine atopische Dermatitis (Milchschorf) oder Psoriasis vulgaris (Schuppenflechte) hinter den Beschwerden steckt. Entsprechend der Diagnose wird er die geeignete Therapie einleiten.

Tanja Albert
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Medizinredakteurin
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