Die Geburt und ihr natürlicher Ablauf

Die natürliche Geburt folgt einem festen Ablauf, der dafür sorgt, dass das Baby möglichst sicher zur Welt kommt. Unabhängig davon, empfindet ihn jede Frau, insbesondere wenn sie zum ersten Mal entbindet, ganz individuell. Eine intensive Geburtsvorbereitung kann die Entbindung erleichtern und der Mutter dabei helfen, mit den Schmerzen und anderen Emotionen umzugehen.

Arzt klärt werdende Mutter auf, wie natürliche Geburt abläuft

Wie läuft eine Geburt ab?

Die Geburt beginnt mit den Vor-Wehen, die anfangs noch unregelmäßig sind, aber im weiteren Verlauf häufiger und stärker werden. Wehen sind Muskelkontraktionen der Gebärmutter, die bewirken, dass sich der Muttermund öffnet und langsam weitet. Meist löst sich zu Beginn oder im Laufe dieser Phase der Schleimpfropf, der den Muttermund bis dahin verschlossen hat. Diese sogenannte Latenzphase kann sich von wenigen Stunden bis über mehrere Tage hinziehen, wobei sie bei der ersten Geburt in der Regel deutlich länger dauert als bei den folgenden.

Die ersten Wehen: Solange die Fruchtblase nicht geplatzt ist oder andere Komplikationen auftreten, können Frauen sich ganz in Ruhe und ohne Hektik auf den Weg in die Entbindungsklinik oder das Geburtshaus machen. Sind die Wehen noch sehr leicht, ist es auch möglich, zu Hause abzuwarten, bis sie sich verstärken. Ein überstürzter oder panischer Aufbruch ist nicht nötig.

Sobald der Muttermund drei bis vier Zentimeter geöffnet ist, beginnt der aktive Teil der Geburt – die Eröffnungsphase. Die Wehen kommen nun regelmäßiger und werden schmerzhafter. Beträgt der Abstand zwischen den Wehen etwa zehn Minuten, ist es Zeit ins Kranken- oder Geburtshaus zu fahren. Der weitere Ablauf der Geburt findet hier in Begleitung von Fachleuten statt. Die Eröffnungsphase dauert im Durchschnitt acht bis dreizehn Stunden, kann aber ab dem zweiten Kind schneller verlaufen. In dieser Zeit öffnet sich der Muttermund auf etwa zehn Zentimeter. Dann hat das Babyköpfchen genug Platz und es beginnt die entscheidende Phase der Geburt.

Tipp: Durch Gehen beschleunigt sich bei bevorstehender Geburt der Ablauf der Eröffnungsphase. Das Baby übt mit seinem Kopf Druck nach unten aus und schiebt in Richtung Geburtskanal. Wenn möglich, spazieren Sie daher ein wenig umher und haken sich dabei bei Ihrem Partner oder einer Begleitperson ein.

Ist der Muttermund vollständig geöffnet, rutscht das Baby mit dem Köpfchen voran in den Geburtskanal. Nun fängt die Austreibungsphase mit den Presswehen an, die das Baby Stück für Stück durch den engen Kanal schieben. Bei der ersten Geburt kann es auch hier bis zu einer Stunde dauern, während es beim zweiten Kind in der Regel schon zügiger vorangeht.

Tipp: Durch aktives Mitpressen lässt sich die letzte Hürde schneller überwinden. Mit bestimmten Atemtechniken können Sie Ihre Kraft gezielt einsetzen. Vertrauen Sie während der Geburt auf Ihre Hebamme und folgen Sie deren Anweisungen. Sie hat bereits viele natürliche Geburten begleitet und kennt den Ablauf.

Eine Hebamme oder ein Arzt empfängt das Baby und stellt mit geübten Handgriffen fest, ob alles in Ordnung ist. Sofern das Kind gesund ist und es der Mutter gut geht, kann das Baby einige Minuten auf die linke Brust der Mutter gelegt werden, wo es sich beim Klang des vertrauten Herzschlags von den Strapazen der Geburt erholen darf. Erst dann erfolgt die Abnabelung.

Für die Mutter ist die Geburt zu diesem Zeitpunkt noch nicht ganz vorüber. Erst muss noch die Plazenta ausgestoßen werden. Die Hebamme oder der Arzt stellt im Anschluss sicher, dass keine Rückstände des Mutterkuchens in der Gebärmutter verblieben sind, die später zu Komplikationen führen können. Ist es während der Austreibungsphase zu einem Dammriss oder Dammschnitt gekommen, wird dieser jetzt genäht. Erst dann dürfen sich Mutter und Baby ganz in Ruhe ihren ersten gemeinsamen Momenten widmen.

Geburtspositionen und ihre Einflüsse auf den Ablauf einer Geburt

In modernen Krankenhäusern der westlichen Welt werden Babys überwiegend im Liegen geboren. Bei Naturvölkern hingegen erfolgt die natürliche Geburt eher stehend oder hockend. Jede Position hat ihre Vor- und Nachteile und wirkt sich auf den Ablauf der Geburt aus.

  • Rückenlage: Die Rückenlage erleichtert die medizinische Versorgung, verlängert jedoch aufgrund der fehlenden Schwerkraftwirkung den ohnehin schon kräftezehrenden Prozess.
  • Vierfüßlerstand: In dieser Position lassen sich starke Wehen während der Eröffnungsphase leichter „ausatmen“ und werden erträglicher. Allerdings ist der Vierfüßlerstand körperlich anstrengend, weswegen ihn viele Frauen nur über einen begrenzten Zeitraum halten können.
  • Hockend, kniend oder stehend: Befindet sich der Oberkörper in einer aufrechten Position, kann die Schwerkraft ihre Wirkung während der Geburt voll entfalten und dadurch den Ablauf beschleunigen. Dabei ist es meist erforderlich, dass ein oder zwei Helfer die Gebärende stützen.

Bezüglich der Positionen gilt es bei der Geburt herauszufinden, welche die werdende Mutter in den unterschiedlichen Phasen als angenehmer empfindet. Zwischen den Wehen ist es möglich, die Position immer wieder zu verändern und anzupassen.

Schmerzmittel während der Geburt

Neben der Frage „Wie läuft eine Geburt ab?“ wollen Frauen kurz vor der Entbindung vor allem eines wissen: Wie schmerzhaft ist eine Geburt? Sie ist, darum soll kein Geheimnis gemacht werden, ziemlich schmerzhaft. Je nach persönlicher Konstitution und individuellem Schmerzempfinden gehen Frauen damit allerdings unterschiedlich um.

Wer der Geburt ängstlich entgegensieht, leidet meist stärker unter Schmerzen, da Verkrampfungen den natürlichen Ablauf behindern und den Geburtsvorgang erschweren. Neben Atemübungen können sanfte Entspannungstechniken wie Hypnobirthing oder Akupunktur bei der Angst- und Schmerzbewältigung helfen.

Es ist aber ebenso legitim, auf erprobte Schmerzmittel zurückzugreifen. Weit verbreitet und sehr effektiv ist die rückenmarksnahe Betäubung durch die Periduralanästhesie (PDA). Diese setzt allerdings eine liegende Geburt voraus und wird mit einer höheren Anzahl von Zangen- und Glockengeburten in Verbindung gebracht. Als schonendere Variante gilt die Inhalation von Lachgas (Distickstoffmonoxid). Das farblose Gas wirkt euphorisierend und senkt dadurch die Schmerzwahrnehmung.

Wofür sich Frau letztlich entscheidet, liegt in der Regel aber ganz bei ihr. Negative Auswirkungen auf Kind oder Mutter sind weder bei der PDA noch beim Lachgas bekannt.

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