Typ-1 oder Typ-2 Diabetes in der Schwangerschaft

29. November 2018

Um von vornherein Verwirrung zu vermeiden: Diabetes in der Schwangerschaft und Schwangerschaftsdiabetes sind zwei Paar Stiefel. Der Schwangerschaftsdiabetes taucht zumeist erst während der Schwangerschaft auf und verschwindet im Regelfall nach der Geburt wieder. Bei etwa 0,8 Prozent der Schwangerschaften sind die Mütter dagegen bereits vor dem Kinderwunsch von einem Typ-1 oder Typ-2 Diabetes mellitus betroffen gewesen.

Ärztin misst Blutzucker bei schwangeren Frau, da Diabetes in der Schwangerschaft nicht selten ist

Kinderwunsch und Schwangerschaft trotz Diabetes mellitus

Eine Schwangerschaft trotz Diabetes-Erkrankung ist heutzutage bei guter ärztlicher Begleitung und Vorbereitung ohne Weiteres möglich. Zu verdanken ist dies in erster Linie den wesentlichen Fortschritten in der diabetologischen Versorgung. Noch vor einigen Jahrzehnten war für Diabetikerinnen eine Schwangerschaft mit deutlich höheren Risiken behaftet. Bis Ende der 70er Jahre lag die Sterblichkeit der Kinder bei über 50 Prozent, auch die Gefahr für mögliche Komplikationen bei den Müttern war bei vorliegendem Diabetes in der Schwangerschaft wesentlich größer. Grundsätzlich ist dabei zu unterscheiden, ob ein Typ-1 oder Typ-2 Diabetes mellitus vorliegt.

  • Diabetes Typ-2 betrifft etwa 90 Prozent der Diabetiker. Er taucht häufig begleitet von Bluthochdruck und hohen Cholesterinwerten auf. Das Hormon Insulin leitet bei gesunden Menschen Zuckermoleküle aus dem Blut in die Zellen weiter. Bei Diabetes Typ-2 gelingt das nur unzureichend – Zucker staut sich in den Blutgefäßen an und der Zuckerspiegel erhöht sich. Zur Behandlung werden Medikamente verabreicht, die den Blutzucker senken. Außerdem sollte eine Anpassung der Ernährungs- und Lebensgewohnheiten erfolgen. Wenn der Körper die Insulinproduktion aufgrund längerer Erkrankung eingestellt hat, muss Insulin gespritzt werden.
  • Diabetes Typ-1 ist eine Autoimmunerkrankung: Das Immunsystem greift fälschlicherweise in die Insulinproduktion ein und erzeugt einen Mangel an Insulin. Patientinnen müssen regelmäßig ihre Werte kontrollieren, Insulin spritzen und die Kohlenhydrate im Essen berechnen.

Sonderfall Schwangerschaftsdiabetes: Der sogenannte Gestationsdiabetes ist eine Kohlenhydrat-Stoffwechselstörung. Besonders Frauen mit Übergewicht haben ein höheres Risiko, daran zu erkranken. In der Regel tritt der Diabetes erst während der Schwangerschaft auf und verschwindet zumeist nach der Geburt wieder. In diesem gesonderten Fall lassen sich die Blutzuckerwerte oftmals bereits durch eine Ernährungsumstellung ausreichend senken.

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Stoffwechsel frühzeitig einstellen: Diabetes in der Schwangerschaft

Wenn sich der Kinderwunsch leise bemerkbar macht, sollten sich Frauen mit Diabetes mellitus an ihren Arzt wenden und eine bevorstehende Schwangerschaft und vorbereitende Maßnahmen besprechen. Planung ist das halbe Leben – und in diesem speziellen Fall – sogar das ganze. Ist der Diabetes nicht optimal eingestellt, steigt das Risiko für Komplikationen wie eine Frühgeburt oder Fehlbildung beim Kind deutlich an. Um diese Risiken weitestgehend auszuschließen, gilt es bei Diabetes mellitus, vor der Schwangerschaft vom Arzt einige Werte genau ins Visier nehmen zu lassen:

  • Stoffwechsel
  • Blutdruck
  • Blutfettwerte
  • Schilddrüsenwerte, um Über- und Unterfunktion auszuschließen

Entsprechend der individuellen Werte und ihrer bisherigen Stabilität kann der Arzt bei Bedarf die Diabetes-Therapie anpassen. Die Blutzucker-Zielwerte sind im Einzelfall mit ihm abzuklären. Zur Vorbereitung gehört auch eine ausreichende Versorgung mit Folsäure. Nach einem umfassenden Check und der optimalen Einstellung können sich Frauen mit Diabetes mellitus ganz dem Schwangerwerden widmen. Wenn es soweit ist, muss die werdende Mutter ihren Blutzucker gut im Auge behalten und mehrmals täglich kontrollieren. Die Blutzucker-Selbstkontrolle sollte mit einem sicheren und zuverlässigen Messgerät erfolgen.

Bei Kinderwunsch zum Augenarzt: Die diabetische Retinopathie ist eine Netzhauterkrankung, die häufig als Komplikation bei Diabetes mellitus auftritt. Die diabetische Retinopathie verläuft zu Beginn meist unauffällig. Wenn die Erkrankung fortgeschritten ist, können Sehstörungen (verschwommenes und unscharfes Sehen) durch Netzhautschädigungen auftreten. Um auszuschließen, dass eine bereits vorliegende Retinopathie erst im Verlauf der Schwangerschaft festgestellt wird, sollte vorab eine augenärztliche Abklärung erfolgen. Eine Behandlung der Retinopathie ist ansonsten aufgrund der Risiken für das ungeborene Kind schwierig.

Insulin und Medikamente bei Diabetes in der Schwangerschaft

Frauen mit Typ-2-Diabetes nehmen oftmals Medikamente ein, die den Blutzucker senken. Für Schwangere sind diese, wie viele andere Wirkstoffe, in der Regel tabu. Bei Typ-2-Diabetes in der Schwangerschaft müssen sich Frauen deshalb von den blutzuckersenkenden Tabletten auf Insulin-Spritzen umstellen lassen. Der Gedanke an das Spritzen erzeugt bei „Anfängern“ zumeist ein mulmiges Gefühl – hier empfiehlt sich deshalb eine ärztliche Einweisung oder die Beratung in einer Diabetespraxis. Spezielle Schulungen helfen dabei, Ängste und Unsicherheiten zu beseitigen. Die Kosten dafür werden in der Regel von der Krankenkasse übernommen.

Frauen mit Typ-1-Diabetes sind die Insulintherapie oder auch den Umgang mit einer Insulinpumpe bereits gewohnt. Sie sollten vor einer Schwangerschaft aber in jedem Fall ihr Umfeld und den Partner darüber informieren, wie im Falle einer Stoffwechselentgleisung bei schwerer Unterzuckerung das Glukagon-Notfall-Set einzusetzen ist. Frauen mit Typ-1-Diabetes haben insbesondere im ersten Drittel der Schwangerschaft ein erhöhtes Risiko für Hypoglykämien (Unterzuckerungen).

Technik für Typ-1: In der Forschung wird bereits seit Längerem daran gearbeitet, eine künstliche Bauchspeicheldrüse zu entwickeln. Als Implantat könnte diese in Zukunft dabei helfen, den Blutzucker von Typ-1-Diabetikerinnen während einer Schwangerschaft zu stabilisieren. Aktuell ist die Entwicklung aber noch nicht ausreichend ausgereift.

Letztlich gilt für Diabetes in der Schwangerschaft – eine gute Blutzuckereinstellung ist das A und O und schützt Mutter und Kind. Auch bei stabiler diabetischer Stoffwechsellage ist es sinnvoll, bei der Geburtsvorbereitung eine Entbindungsklinik mit angeschlossener Kinderklinik auszuwählen. So besteht nach der Geburt bei einer möglichen Unterzuckerung des Neugeborenen die Möglichkeit einer Glukosebehandlung. Denken Sie daran, sich in der Klinik rechtzeitig vor Entbindungstermin mit Ihrem Mutterpass und Ihrem Blutzucker-Protokollheft vorzustellen.

Still-Empfehlung: Gemäß einer ärztlichen Leitlinie zur Betreuung von Neugeborenen diabetischer Mütter wird empfohlen, über mehrere Monate zu stillen. Das Stillen senkt demnach das Risiko für ein späteres Übergewicht des Kindes und so auch die Wahrscheinlichkeit, an einem Diabetes Typ-2 zu erkranken. Ebenso sollten Mütter mit Typ-1 Diabetes ihr Baby stillen – wenngleich das Vererbungsrisiko davon unberührt bleibt.
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