Vorbereitung auf Schwangerschaft: Tipps zum Kinderwunsch

23. Juni 2020
7 Min.

Wünscht sich ein Paar ein Kind, kann es meist gar nicht schnell genug gehen. Sehnlichst warten die Partner dann auf den positiven Schwangerschaftstest. Aber bereits in der Zeit vor der freudigen Nachricht können die zukünftigen Eltern einiges zur Vorbereitung auf die Schwangerschaft tun. Was lässt sich bereits vor der Empfängnis eines Kindes beachten?

Frau bereitet zur Vorbereitung auf die Schwangerschaft Essen zu.


Überblick:


Vorbereitung auf die Schwangerschaft: Ausgewogene Ernährung

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Im Vorfeld und während einer Schwangerschaft sollte besonders eine gesunde Ernährung im Fokus stehen. Zu den Nährstoffen, die Frauen in dieser Zeit vermehrt benötigen, gehören:

Wird der weibliche Körper nicht ausreichend mit den genannten Inhaltsstoffen versorgt, reduziert sich die Fortpflanzungsfunktion. Aber auch der Mann sollte auf eine ausgewogene Ernährung achten, da die Spermienqualität unter einem Nährstoffmangel leiden kann. Als Vorbereitung auf eine Schwangerschaft sollten daher beispielsweise viel Obst und Gemüse auf dem Speiseplan stehen. Während Geflügel, Fisch, Eier, Nüsse und Hülsenfrüchte den Organismus zudem mit Eiweiß versorgen, füllen Milchprodukte wie Quark, Käse und Joghurt oder auch verschiedene Gemüsesorten (etwa Grünkohl, Rucola, Brokkoli) die Calciumvorräte auf. Mit rotem Fleisch und grünem Blattgemüse wie Spinat kann darüber hinaus auch der Bedarf an Eisen gedeckt werden.

Nahrungsergänzungsmittel zur Vorbereitung auf die Schwangerschaft?

Bei einer ausgewogenen Ernährung werden in der Regel alle essenziellen Inhaltsstoffe aufgenommen. Dennoch können — in Absprache mit dem Allgemein- oder Frauenarzt — Nahrungsergänzungsmittel (sogenannte Supplemente) bei der Vorbereitung auf eine Schwangerschaft unterstützen. Vor allem Vitamine wie Folsäure und Spurenelemente (etwa Jod und Eisen) müssen dem Körper bereits vor der Schwangerschaft ausreichend zur Verfügung gestellt werden.

Über diese Ergänzungen sollten Sie Bescheid wissen:

  • Der Bedarf an Folsäure steigt während der Schwangerschaft an. Bei einem Folsäuremangel besteht das Risiko für sogenannte Neuralrohrdefekte— das Kind könnte dabei mit schweren Fehlbildungen zur Welt kommen. Durch eine ausreichende Versorgung bereits zu Beginn der Schwangerschaft kann das Risiko um bis zu 70 Prozent reduziert werden. Frauen, die schwanger werden möchten, wird geraten, täglich mindestens 400 Milligramm Folsäure aufzunehmen1.
  • Häufig empfiehlt der Arzt zudem Jod-Tabletten als Nahrungsergänzung zur Vorbereitung auf eine Schwangerschaft, da es schwierig ist, den gesteigerten Bedarf allein über die Ernährung abzudecken. Das Spurenelement ist wichtig für eine gesunde körperliche und geistige Entwicklung des ungeborenen Kindes.
  • Auch der Eisenbedarf einer Schwangeren steigt an. Zwar lässt sich die Eisenaufnahme gut über die Auswahl der Speisen (wie Spinat) steuern, doch wer den Bedarf nicht decken kann, hat die Möglichkeit, zu Eisen-Supplementen zu greifen.

Wichtig:

Lassen Sie sich bezüglich der Supplementierung von Ihrem Arzt beraten. Sieht er die Notwendigkeit, dass Sie zusätzlich Nahrungsergänzungsmittel benötigen, kann er Ihnen Tipps geben und geeignete Präparate empfehlen.

Mengenelemente: Kalium, Calcium und Magnesium

Die Bezeichnung„Mengenelement“ fasst Nährstoffe zusammen, von denen der Körper täglich mehrere Gramm (also große Mengen) aufnehmen muss. Dazu gehören Natrium, Chlorid, Schwefel, Phosphor, Magnesium, Calcium und Kalium. Vor allem die drei letztgenannten sollten bereits im Vorfeld einer Schwangerschaft ausreichend eingenommen werden, um eine gesunde Kindesentwicklung zu sichern:

  • Kalium kommt vermehrt in Getreideprodukten und Früchten vor. Schwangere benötigen etwa 4000 Milligramm des Mineralstoffs pro Tag1.
  • Calcium ist hauptsächlich in Milchprodukten enthalten und unterstützt das gesunde Knochenwachstum des Kindes
  • Magnesium ist an zahlreichen körperlichen Prozessen (etwa Zellteilung und Muskelfunktion) beteiligt. Da die Mutter während einer Schwangerschaft einerseits Magnesium an das Kind abgibt und andererseits den Nährstoff aufgrund hormoneller Veränderungen vermehrt über den Urin ausscheidet, steigt der Bedarf insgesamt an. Vollkornprodukte, ungeschälter Reis und Hülsenfrüchte sind gute Lieferanten für Magnesium.

Normalerweise führt eine zu hohe Menge dieser Mengenelemente durch Lebensmittel nicht zu Nebenwirkungen, der Körper scheidet die überschüssigen Mineralstoffe einfach wieder aus. Bei einer Überdosierung durch Nahrungsergänzungsmittel sind jedoch in seltenen Fällen Komplikationen möglich. Bemerken Sie Anzeichen wie Übelkeit oder plötzliche Müdigkeit im Zusammenhang mit der Einnahme, sollten Sie daher unbedingt einen Arzt aufsuchen.

Auf Alkohol und Nikotin verzichten

Wer schwanger werden möchte, sollte sich zur Vorbereitung einen gesunden Lebensstil angewöhnen — denn eine Schwangerschaft verlangt dem Körper viel ab. Daher sollten Sie bereits bei bestehendem Kinderwunsch auf Genussmittel verzichtet werden. Zu diesen gehören beispielsweise Alkohol und Nikotin. Doch wie verhält es sich mit Koffein? Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. sind 200 Milligramm Koffein pro Tag unbedenklich, was in etwa 400 Milliliter Filterkaffee entspricht2. Zu viel des Wachmachers kann sich negativ auf den Körper und das Baby auswirken, denn das erhöht die Wahrscheinlichkeit, ein Kind mit geringem Geburtsgewicht zu bekommen3.

Impfungen im Vorfeld der Schwangerschaft auffrischen

Grundsätzlich können auch noch ungeborene Kinder durch Impfungen vor unterschiedlichen Krankheitserregern geschützt werden. Allerdings dürfen vor allem Lebendimpfstoffe (abgeschwächte Krankheitserreger beispielsweise gegen Masern, Mumps oder Röteln) während einer Schwangerschaft nicht verabreicht werden. Es wird vermutet, dass hier ein gewisses Risiko besteht, sie über die Plazenta auf das Ungeborene zu übertragen, was zu möglichen Schäden führen kann.

Empfehlenswert wäre es demnach, Impfungen rechtzeitig und mit einem Abstand von mindestens drei Monaten vor einer geplanten Schwangerschaft abzuschließen.4 Vor allem, wenn fehlende oder unvollständige Impfungen (etwa bei Polio, Tetanus, Diphtherie) vorliegen, empfiehlt die STIKO (Ständige Impfkommission) diese im Vorfeld der Schwangerschaft zu vervollständigen. Ebenso erachtet sie den Grippeschutz als sehr wichtig, da es zu schweren Grippeverläufen bei Schwangeren kommen kann, die mitunter das ungeborene Kind gefährden können.5

Jan Zimmermann
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