Welches Virus plagt Babys bei Erkältung und Grippe?

Kaum auf der Welt und schon quält sich das Baby mit einer laufenden Nase, Husten und Schluckbeschwerden herum – das kann auch für Eltern sehr nervenaufreibend sein. Grund für diese Beschwerden sind in den allermeisten Fällen Viren, welche die Atemwege der Babys und Kinder befallen. Wir zeigen Ihnen, wie eine Erkältung entsteht und welche Unterschiede es zur echten Grippe gibt.

Mutter spielt mit erkältetem Baby

Warum stecken sich Kinder und Babys so oft mit einem Virus an?

Manchmal bringt das Neugeborene den Schnupfen schon aus dem Krankenhaus mit. Nicht jedes Baby kommt mit der Umstellung – von der geschützten Gebärmutter in die Welt der Erwachsenen – gleich gut zurecht und steckt sich nach der Geburt mit einem Erkältungsvirus an. Kommen Babys mit einem Virus in Kontakt, hat der kindliche Organismus oft noch keine eigenen Abwehrstoffe parat – die Viren können sich zunächst leichter ausbreiten. Babys sind also deutlich häufiger erkältet als Erwachsene, wenn auch nicht so oft wie Kindergartenkinder. Die Hochphase der Erkältungen beginnt für Kinder nämlich in der Regel erst nach einer gewissen Schonzeit:

  • Säuglinge sind in den ersten sechs bis neun Monaten noch durch die in der Schwangerschaft übertragenen Abwehrstoffe der Mutter geschützt.1
  • Auch durch die Muttermilch werden Abwehrkörper an das Baby weitergegeben, die dieses vor der Ansteckung mit einem Virus bewahren.

Diese sogenannte Leihimmunität von Babys endet mit dem Abstillen und dem Umstieg auf feste Nahrung. Mediziner gehen davon aus, dass das kindliche Immunsystem erst im Alter von circa zehn Jahren vollständig ausgereift ist.

Fazit: Erkältungen kommen bei Säuglingen häufiger vor als bei Erwachsenen. Besonders oft erkranken jedoch Kindergartenkinder, unter anderem deswegen, da diese über keine Leihimmunität mehr verfügen. Acht bis zehn Erkältungen jährlich gelten bei Kindergartenkindern als völlig normal.2

Wie entsteht eine Erkältung bei Kindern?

Die Ursache für eine Erkältung ist in den allermeisten Fällen eine Infektion mit Viren. Im Gegensatz zu Bakterien können sich Viren nicht selbst vermehren – sie befallen fremde Zellen und zwingen diese dazu, mehr Viren herzustellen. Wissenschaftler gehen von über 200 unterschiedlichen Virentypen aus, die eine Erkältung verursachen können.3 Zu den geläufigsten zählen:

  • Adenoviren
  • Rhinoviren
  • Coronaviren
  • Humane Respiratorische Synzytial-Viren (RSV)

Die Erkältungsviren befallen bei Babys – ebenso wie bei Erwachsenen – zunächst die Schleimhäute von Nase und Rachen und lösen dort eine vermehrte Produktion von Schleim aus. Die Folge sind Schnupfen, Halsschmerzen und weitere Symptome. Ist das Immunsystem der Kinder zu schwach, um die Erreger rechtzeitig zu bekämpfen, können die Viren weiter in die Nasennebenhöhlen oder die Bronchien wandern und dort eine akute Nasennebenhöhlenentzündung oder Bronchitis auslösen. Bei Säuglingen und Kleinkindern kommt als Komplikation auch eine Mittelohrentzündung infrage. Besonders das RS-Virus kann bei Babys und jüngeren Kindern zu schweren Entzündungen der tieferen Atemwege führen.

Wie lange beträgt die Dauer einer Erkältung bei Babys? Je nachdem, wie fit das Immunsystem der Kleinen ist, variiert die Dauer einer Erkältung bei Babys zwischen einigen Tagen und mehr als einer Woche und lässt sich in der Regel gut mit Hausmitteln behandeln. Bei über 50 Prozent der Babys hält die Erkältung länger als vier Tage an, bei 20 Prozent sogar länger als sieben Tage.4 Ist die Erkältung nach einer Woche bis zehn Tagen noch nicht verschwunden oder werden die Beschwerden und das Fieber eher stärker als schwächer, sollten Sie mit Ihrem Nachwuchs zum Arzt gehen.

Grippe? Wenn das Influenza-Virus Ihr Baby erwischt hat

Erkältungen gehören zu den häufigsten Erkrankungen von Kindern und können den Familienalltag zwar belasten, sind aber für ansonsten gesunde Babys in der Regel harmlos. Anders sieht es da mit der „echten“ Grippe (medizinisch: Influenza) aus: Diese Viruserkrankung ist gefährlicher,

  • weil sie heftigere Symptome wie hohes Fieber und starke Gliederschmerzen auslöst,
  • länger andauert und
  • öfter zu stärkeren Komplikationen, beispielsweise einer Lungenentzündung, führt.

Ausgelöst wird die Grippe bei Babys durch das Influenza-Virus, von welchem es drei Typen, A, B und C gibt. Während die Dauer einer Erkältung bei Babys meist auf wenige Tage beschränkt ist, geht es dem Sprössling mit einer echten Grippe nicht selten zwei Wochen schlecht.

Interessant: Gegen die Grippe gibt es eine saisonale Schutzimpfung. Diese wird von der Ständigen Impfkommission für Kinder mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge einer Grunderkrankung ab einem Alter von sechs Monaten empfohlen.5 Dies trifft beispielsweise bei bestimmten Leber- oder Nierenkrankheiten, Diabetes oder anderen Stoffwechselleiden zu.

Da der Unterschied zwischen einer hartnäckigen Erkältung und der Grippe anhand der Symptome nicht sicher möglich ist, sollten Sie mit Ihrem Baby bei starken Beschwerden sicherheitshalber einen Kinderarzt aufsuchen.

Tröpfchen- und Schmierinfektion als Ursache für eine Erkältung

Doch wie kommen die Kleinen überhaupt in Kontakt mit den lästigen Krankheitserregern? Dies geschieht hauptsächlich über zwei Wege:

  • Bei der Tröpfcheninfektion gelangt das Virus in den Körper der Babys, indem diese infizierte Partikel aus der Umgebungsluft einatmen.
  • Die zweite gängige Ursache für eine Erkältung oder Grippe ist die sogenannte Schmierinfektion. Dabei verbreiten sich die Viren über von Kranken angefasste Gegenstände, beispielsweise Essbesteck oder Schnuller.

Eltern, Freunde oder Bekannte, die mit dem Nachwuchs schmusen, spielen oder essen, sind also die Hauptüberträger von Viren, welche dem Baby gefährlich werden könnten. Wer weiß, wie eine Erkältung entsteht, kann die Kleinen durch einige einfache Hygienemaßnahmen vor Ansteckung schützen. Dazu gehören beispielsweise häufiges Händewaschen, das Husten oder Niesen in die Ellenbeuge statt in die Hand und regelmäßiges Lüften. Auch sollten Sie den Schnuller Ihres Babys nicht am Mundstück anfassen, um einer Ansteckung vorzubeugen.

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1Menche, Nicole / Renz-Polster, Herbert / Schäffler, Arne: Gesundheit für Kinder. Kinderkrankheiten verhüten, erkennen, behandeln. Kempten: Kösel 2013. S. 11.
1Ebd., S. 261.
1Ebd., S. 229.
1Ebd., S. 261.
1Robert-Koch-Institut: Saisonale Influenzaimpfung: Häufig gestellte Fragen und Antworten. URL: https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/Impfen/Influenza/faq_ges.html;jsessionid=9CFA8E587FC73ADF0C7160A731AE9E85.2_cid390?nn=2375548 (22.01.18).