Kaiserschnitt: Ablauf der Operation und Anästhesieverfahren

21. November 2018

Der Kaiserschnitt ist eine Operation, die in Vollnarkose oder Regionalanästhesie durchgeführt werden kann. Das Baby erblickt zwar innerhalb von fünf bis zehn Minuten das Licht der Welt, insgesamt dauert der Eingriff jedoch dreißig bis sechzig Minuten. Die Risiken sind überschaubar, denn der Kaiserschnitt folgt einem erprobten Ablauf. Dennoch sind die Auswirkungen, speziell auf die Mutter, nicht zu unterschätzen.

Ärzte im OP: Ablauf des Kaiserschnitt unter Vollnarkose

Standardisierter Kaiserschnitt: Ablauf zur Vorbereitung der Operation

Bevor die Operation beginnt, wird der obere Bereich der Schamhaare abrasiert, da Haare potenzielle Keimträger sind. Außerdem wird vor dem Kaiserschnitt ein Blasenkatheter gelegt. Dadurch wird verhindert, dass sich die Blase während des Eingriffs füllt und den Ablauf der Entbindung behindert oder verletzt wird. Die Frau trägt während des Eingriffs ein OP-Hemd und Thrombosestrümpfe.

Ein Tuch schirmt das Operationsfeld ab und hält es so keimfrei. In einigen Krankenhäusern gibt es bereits Tücher mit Sichtfenster, sodass die werdenden Eltern bei der Geburt zuschauen können, ohne das Infektionsrisiko für das Baby zu erhöhen. Bei einer Teilnarkose darf der Partner üblicherweise am Kopfende der Frau sitzen und ihr so seelischen Beistand leisten. Wird der Kaiserschnitt unter Vollnarkose durchgeführt, darf der Vater erst nach der Entbindung in den OP-Saal.

Step-by-step zum Kaiserschnitt – Ablauf der Operation

Um zur Gebärmutter zu gelangen, setzt die Ärztin oder der Arzt knapp unterhalb der Schamhaargrenze einen horizontalen Schnitt. Dabei arbeitet sie sich Schicht für Schicht vor, um keine umliegenden Organe zu verletzen. Meist wird das Baby schon nach zehn Minuten aus der Gebärmutter geschoben und abgenabelt. Ist die Frau bei Bewusstsein und sprechen keine medizinischen Gründe dagegen, wird ihr das Kind einige Augenblicke für das sogenannte Bonding (die Bindung zwischen Mutter und Kind) auf die Brust gelegt. Anschließend wird es von der Hebamme, der Kinderärztin und gegebenenfalls vom Vater weiterversorgt.

Die Entbindung selbst nimmt beim Kaiserschnitt eine verhältnismäßig kurze Zeit ein. Der deutlich aufwendigere Teil im gesamten Ablauf der Operation kommt der Versorgung der Mutter zu, denn nun müssen alle Schnitte wieder sorgfältig vernäht werden. Zuvor wird noch die Plazenta entfernt und eventuell der Gebärmutterhals etwas geweitet, um den Wochenfluss zu erleichtern.

Kaiserschnitt unter Vollnarkose?

Ist die Sectio geplant, kommt die werdende Mutter in der Regel einen Tag vor der OP ins Krankenhaus. Sie wird nochmals gründlich untersucht und es wird entschieden, ob für den Kaiserschnitt eine Vollnarkose benötigt wird oder die übliche lokale Betäubung mittels Peridualanästhesie (PDA) oder Spinalanästhesie ausreicht. Bei einem Notkaiserschnitt müssen alle Entscheidungen und Vorbereitungen binnen Minuten getroffen werden. Deshalb wird der ungeplante Kaiserschnitt in der Regel unter Vollnarkose durchgeführt, weil diese schneller ihre Wirkung entfaltet.

Kaiserschnitt unter Vollnarkose oder Teilnarkose: Vor- und Nachteile

Für das Kind sind alle Anästhesiearten gleich sicher und auch für den Ablauf der OP spielen sie keine Rolle. Aber für die Mutter ergeben sich unterschiedliche Vor- und Nachteile. Bei einer Teilnarkose bleibt die Mutter bei Bewusstsein und kann die Geburt miterleben. Aus diesem Grund entscheiden sich immer mehr Frauen für die lokale Betäubung. Allerdings kann es sein, dass sie während des Eingriffs leichte Unannehmlichkeiten oder Schmerzen empfindet, was bei einer Vollnarkose mit Sicherheit nicht geschieht. Außerdem leiden Patientinnen nach einer Teilnarkose häufiger an Kopfschmerzen und Übelkeit.

Ein Kaiserschnitt unter Vollnarkose ist aber auch nicht ohne Nebenwirkungen. So ist der Blutverlust meist höher und die Heilung dauert etwas länger. Hinzu kommt das Risiko, dass die Frau während der Operation erbricht und Mageninhalt in die Lunge gelangt, was lebensgefährlich werden kann. In modernen Operationssälen ist dieses Risiko jedoch mittlerweile sehr gering.

Anästhesiearten im Überblick

  • Peridualanästhesie (PDA): Im Bereich der Brust- oder Lendenwirbel wird ein Betäubungsmittel in den sogenannten Peridualraum gespritzt, der das Rückenmark umgibt und somit die Nerven, die in diesem Bereich ins Rückenmark münden, betäubt.
  • Spinalanästhesie: Die Betäubungsmittel werden in den sogenannten Hirnwasserraum der Wirbelsäule gespritzt. Dadurch wird die gesamte untere Körperhälfte gefühllos.
  • Vollnarkose: Die Betäubungsmittel werden zunächst intravenös verabreicht und anschließend gegebenenfalls inhaliert und versetzen die Patientin in einen künstlichen Schlaf.

Was bedeutet sanfter Kaiserschnitt?

Seit einigen Jahren wird beim Kaiserschnitt die Misgav-Ladach-Methode eingesetzt. Diese nach dem israelischen Krankenhaus, das sie erstmals erfolgreich durchgeführt hat, bezeichnete Operationsmethode wird auch häufig sanfter Kaiserschnitt genannt. Der Ablauf des Eingriffs unterscheidet sich aber nur insoweit, als dass hier möglichst wenig geschnitten wird. Stattdessen wird das Gewebe zwischen Haut und Gebärmutter vorsichtig gerissen, was die anschließende Heilung beschleunigen soll.

An dem Vorgehen nach dem Kaiserschnitt ändert die Misgav-Ladach-Methode nichts. Und auch die Kaiserschnittnarbe der obersten Hautschicht bleibt und sollte entsprechend zunächst mit einer Wundsalbe und später mit einem Narben-Gel gepflegt werden.
Peggy Richter
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